Glaube_am_Montag
Über die Fastenzeit bin ich auf eine wie ich finde sehr unterstützenswerte Aktion gestoßen, die sich damit auseinandersetzt, wie man denn seinen Glauben außerhalb von Gemeinden und zu anderen Tagen als dem Sonntag (oder dem Wochenende) leben kann. "Glaube am Montag" wird initiiert von einem "überkonfessionellen Netzwerk aus Kirchen, Werken, Initiativen, Verbänden, Einzelpersonen und Gemeinden".

Ziel der Initiative ist es, ein Gespür für das Vorhandensein von Christus im Alltag zu vermitteln und Ansporn dazu zu liefern, seinen Glauben eben auch im weltlichen Umfeld, in der Familie, im Freundeskreis, in Schule, Uni, Beruf etc. zu leben und damit auch zu vermitteln, was es heißt Christ zu sein. Natürlich geht es dabei nicht zuletzt auch um die Vermittlung von Selbstbewusstsein – wohlgemerkt nicht gegenüber Gott oder der Kirche sondern gegenüber der Welt! Den eigenen Glauben selbstbewusst zu leben, zu vertreten, zu vermitteln, zu verbreiten. Ein Slogan der Initiative lautet so auch:

Den Montag heiligen. Christusbewusst. Selbstbewusst. Weltbewusst.

Nun ist das für die Leser dieses Blogs sicher keine Neuigkeit, dass der Glauben nicht auf den sonntäglichen Messbesuch beschränkt sein sollte und die Glaubensvermittlung nicht nur auf die eigene Gemeinde bzw. die Kirche. Wir sind aufgefordert zu "missionieren" und das funktioniert nur, wenn wir da hin gehen, wo kein oder wenig Glauben ist, wenn wir Zeugnis geben, wo es nicht von uns erwartet wird, man vielleicht sogar mit Gegenwehr rechnen muss. Nehmen wir also mal – positiv gestimmt wie wir nach Ostern sind – an, dass in der Kirchengemeinde ein Grundstock an Glauben vorhanden ist, dann ist die sonntägliche Messe und das Gespräch mit Mitgliedern unserer Gemeinde oder unserer geistlichen Gemeinschaft ein Hafen, in dem wir – mit Gottes Hilfe – auftanken für unser restliches Leben, das zumindest zeitlich gesehen sicher den Hauptteil unseres Lebens ausmacht. So wie selbst Jesus sich immer wieder zum Gebet zurückgezogen hat, vor allem vor wichtigen Entscheidungen, und auch seine Jünger zu Zeiten der Ruhe aufgefordert hat, so brauchen auch wir diesen wichtigen Glaubenshafen. Aber wie ich mal gelesen habe: "A ship in an harbour is safe, but that is not, what ships are built for!"

Also braucht es Glauben im Alltag. Und natürlich wissen die Leser dieses Blogs, dass es auch diesen Alltag mit kleinen Rückzugsorten auszustatten gilt. Das Morgengebet, vielleicht verbunden mit einer Meditation ist schon mal ein guter Start in den Tag. Man kann sich dabei, je nach Geschmack an feste Gebete halten, oder "frei" beten – oder, was mir am besten gefällt – eine Kombination aus beidem bilden: Ein Start mit festen Gebeten und der Laudes aus dem Stundenbuch, um sich "einzuschwingen" vor allem dann, wenn man mit seinen Gedanken schon ganz im Tag ist, die Betrachtung des Tagesevangeliums oder einer anderen Bibelstelle, das Gespräch mit Gott darüber, was er mir mit dem Bibeltext sagen will (in dem Bewusstsein, dass er das will!) und nicht zuletzt auch die Betrachtung des Tages. Von Kardinal Meisner habe ich mal gehört, dass er in seinem Morgengebet auch über seinen Kalender meditiert und ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, das auch, zumindest in gewissem Umfang zu tun: Was für Termine habe ich heute, um was geht es dabei? Wen werde ich dort treffen – sind es Menschen, die ich mag oder welche, mit denen ich Probleme habe (oder sie mit mir)? Wird es vermutlich ein kritisches Gespräch sein? Wie kann ich dann zum Ausgleich beitragen? Wo muss ich einen festen Standpunkt vertreten, wie kann ich das in Liebe tun? Werde ich vielleicht sogar mein Gewissen belasten müssen, wenn ich eine falsche Entscheidung treffe? Etc. etc. So vorbereitet ist der Tag schon "halb gewonnen" weil man ihn beginnt, wie Jesus selbst ihn oft begonnen hat. Und: Wenn Jesus, Gott selbst, gebetet hat, wer bin ich dann, dass ich glaube, Gebet nicht nötig zu haben?

Den Tag mit einem Gebet abzuschließen, vielleicht einer geistlichen Tagesbilanz, vielleicht wieder den Kalender zu Rate zu ziehen und schauen, wie die Termine, die Gespräche, die Arbeit gelaufen sind. Habe ich die Dinge getan, die ich tun musste? Habe ich sie getan, wie Christus sie getan hätte? Kann ich danken für die guten Impulse, die mir Gott an diesem Tag durch seinen Heiligen Geist geschenkt hat? Und um Verzeihung bitte, wenn ich Fehler gemacht habe? Darüber kann ich auch ein kleines Tagebuch führen, was mir – ganz praktisch – in der Vorbereitung zur Beichte hilft!

Und natürlich den gesamten Tag möglichst von Gott durchdringen lassen: Sich erinnern an das, was man am Morgen gebetet und von Gott gehört hat. Innehalten, vielleicht zum Angelus oder Regina Caeli, zum Tischgebet, Danken nach gelungenen Arbeiten. So wird der ständige Kontakt zu Gott, das unablässige Gebet langsam aber sicher Gewohnheit und der Tag geprägt von Christus und geleitet durch den Heiligen Geist.

Aber das sind alles noch persönliche Dinge, die kaum nach außen dringen, bis auf ein Tischgebet in der Kantine wahrscheinlich von niemandem bemerkt werden. Es geht natürlich auch nicht in erster Linie darum, bemerkt zu werden, aufzufallen, wollen wir doch nicht die Heuchler sein, die auf den Plätzen beten und ihren Lohn bereits erhalten haben. Aber ein Zeugnis geben, das niemand bemerkt ist auch ein Widerspruch. Also wie geht so was … und wer jetzt den Knaller erwartet, die "Musterlösung" für das missionarische Leben, den muss ich leider enttäuschen. Es gibt schlicht zu viele Charaktere und Rahmenbedingungen und auch zu viele gesellschaftliche Umfelder, sodass man kaum sagen kann, wie man denn nun richtig Zeugnis gibt. Die Frucht des Zeugnisses soll es ja sein, Menschen die Liebe Christi näherzubringen, bestimmt auch die Liebe zur Kirche, und daran müssen sich unsere "kleinen" missionarischen Aktionen im Alltag messen lassen. Ein einfaches Beispiel mag das verdeutlichen: in dem einen Umfeld kann das Tischgebet in der Kantine Interesse der anderen wecken, vielleicht auch im positiven Sinne beeindrucken und ein Zeichen setzen, anderen Gläubigen vielleicht auch Mut machen, ebenfalls zu beten. In einem anderen Umfeld kann dieses "demonstrative" Beten aber auch zu Widerwillen führen, dazu, dass man "diesen Verstrahlten" in Zukunft lieber meiden will. Im letzteren Fall ist vielleicht ein stilles Gebet, das niemand bemerkt, einem selbst aber Stärke gibt, besser, als darüber Türen zuzuschlagen.

So ist es also wichtig zu sehen ...

  • wo der Einzelne steht: glaubt er überhaupt an Gott, wie steht er zur Kirche, hat er Erfahrungen mit der Kirche gemacht, wie offen steht er spirituellen Themen gegenüber
  • wie mein Verhältnis zu ihm ist: ein gutes Vertrauensverhältnis ist ein wesentlich besserer Nährboden, als wenn mich der andere nicht leiden kann - man sorge also dafür, dass die Menschen einen mögen!
  • welche Themen für ihn gerade interessant sind: mit jemandem, der gerade glücklich Mutter oder Vater geworden ist, spreche ich über andere Themen als mit jemandem, der Heiratspläne schmiedet oder gerade einen Trauerfall in der Familie verarbeitet
  • ob ich mit ihm alleine spreche oder noch andere anwesend sind: einerseits will ich vielleicht niemanden bloßstellen, andererseits kann ich möglicherweise bestimmte Aussagen nicht einfach stehenlassen
  • ob ich den betreffenden Menschen regelmäßig sehe oder gerade eine nicht wiederkehrende Gelegenheit habe, ihm den Glauben näherzubringen
  • letztlich auch wie meine eigene Stimmung gerade ist: auf Krawall gebürstet wird mein Missionserfolg nur dünn ausfallen, auch wenn ich meine, dass "mein Eifer für sein Haus mich verzehrt"
  • ... und bestimmt gibt es auch noch andere Rahmenbedingungen, die ich mit betrachten sollte.

Es sind also sehr persönliche Entscheidungen, wie man sein Glaubensleben am Montag (bis Samstag) führen will, und wenn dieses Leben vom Gebet, dadurch von Gott getragen wird, dann kann man sicher sein, dass es auch Frucht bringen wird – nebenbei: die Art der Frucht bestimmt Gott selbst, es sind nicht wir, die "Glauben machen", und vielleicht werden wir die Frucht unseres Zeugnisses, unseres Glaubenslebens, in unserem Umfeld gar nicht bemerken – das verlangt Demut und Ausdauer, weil das "Erfolgserlebnis" ausbleibt. Auch hier wird Gott jeden nur soweit belasten, wie er es ertragen kann, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass es eine Durststrecke geben kann. Andererseits ist es vielleicht auch ganz gut, wenn wir die Früchte der Arbeit nicht sehen, weil wir sonst glauben könnten, es sei unsere Arbeit, die dazu geführt hat. Mein Lieblingsbild dazu: ich bemühe mich um das Glaubensleben eines Freundes, der noch weit vom Glauben weg ist, beiße mir daran die Zähne aus und jemand anderes, den ich gar nicht kenne und nie kennenlerne ist von diesem Zeugnis so beeindruckt, dass er zum Glauben findet, ein anderes Leben beginnt und in ein paar Jahren vom Papst "zur Ehre der Altäre" erhoben wird. Wie schön wäre es, wenn uns Jesus am Ende unseres Lebens einen uns unbekannten Menschen vorstellt, dem wir – natürlich mit Gott – den Impuls zu einem heiligmäßigen Leben gegeben haben.

Wer sich also hier einen Plan aufstellt, ihn morgens im Gebet und laufend am Tag an die Lage anpasst, abends seinen Tageslauf noch mal geistlich rekapituliert und vor Gott stellt, der wird – ganz automatisch – ein tieferes Glaubensleben führen, sein "weltliches" Leben dadurch ändern und damit wieder zur Glaubensverbreitung beitragen. Und nach dieser harten Arbeit während der Woche ist es dann auch gut, am Sonntag in den sicheren Hafen der Gemeinde, der Heiligen Messe, zurückzukehren, wieder Kraft zu tanken, sich mit dem Leib Christi zu stärken und sich damit auch auf das nächste "Auslaufen" vorzubereiten: Duc in altum! (Lukas 5, 4)

Weitere Informationen zur Initiative "Glaube am Montag" gibt es hier: http://www.glaube-am-montag.net/.
Empfehlenswert ist auch ein Sonderheft des christlichen Magazins "Aufatmen" http://www.glaube-am-montag.net/index.php?content_item=104&node=50), gespickt mit spirituellen Impulsen und eingängigen Alltagsbeispielen über das Glaubensleben am Montag