krippe_jesus

Heute möchte ich gerne ein paar persönliche Dinge schreiben, die mich bei der Betrachtung des heutigen Evangeliums beschäftigt haben. Weil’s so kurz ist, hier der vollständige Text:

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11, 28-30)

Weil er so früh wach geworden ist, habe ich mein Morgengebet und meine Betrachtung am Bettchen unseres kleinen Sohnes gemacht, und da ist mir in den Sinn gekommen, dass auch Jesus nach seiner Geburt ein Baby und dann Kleinkind war, abhängig von seinen Eltern. Nicht komplett auf meinem Mist gewachsen (siehe Kommentar am Ende des Beitrags), aber doch verinnerlicht, dazu die folgenden Gedanken, die sicher gut in den Advent passen und zu jeder Meditation vor der Krippe:

Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch … ob er als kleines Kind in der Krippe davon gewusst hat?

Ob Maria und Josef mit Jesus wohl wie meine Frau und ich mit unserem Kleinen in Babysprache gebrabbelt haben – sich an den ersten Zähnen und Stehversuchen gefreut haben?

Wie muss es für Jesus – das menschgewordene Wort Gottes – gewesen sein, sprechen lernen zu müssen?

Hätte Jesus sich seine ersten Sandalen auch selbst anziehen können – als Gott wird er ja gewusst haben, wie das geht? Oder hat er das wirklich lernen „müssen“ als Folge seiner Entscheidung Mensch zu werden? Die zweite Alternative „gefällt“ mir besser, aber ich würde diese Frage gerne eines Tages mal Christus selbst stellen können.

Ob Jesus sich auch so gefreut hat wie unser Kleiner, als er es das erste mal geschafft hat, auf den Beinen zu stehen … und ob er auch so verzweifelt war, als er nicht mehr wusste, wie er sich wieder hinsetzen oder -legen soll? Und ob Josef sich auch wie ich Gedanken gemacht hat, wo er jetzt sein Werkzeug hinlegen soll, wenn der Kleine jetzt an viele Dinge ran kommt?

All diese Fragen münden eigentlich in eine - Kann ich einem Glaubensgrundsatz wie im Konzil von Chalcedon von 451 n.Chr. folgen:

Wir folgen also den heiligen Vätern und lehren alle übereinstimmend: Unser Herr Jesus Christus ist als ein und derselben Sohn zu bekennen, vollkommen derselbe in der Gottheit vollkommen derselbe in der Menschheit, wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch derselbe, aus Vernunftseele und Leib, wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns derselbe der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] aus Maria, der jungfräulichen Gottesgebärerin, der Menschheit nach, ein und derselbe Christus, Sohn, Herr, Einziggeborener in zwei Naturen unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt zu erkennen, in keiner Weise unter Aufhebung des Unterschieds der Naturen aufgrund der Einigung, sondern vielmehr unter Wahrung der Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen und im Zusammenkommen zu einer Person und einer Hypostase, nicht durch Teilung oder Trennung in zwei Personen, sondern ein und derselbe einziggeborene Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus, wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns im Symbol der Väter überliefert ist.

Ein Bandwurmsatz wie ein Hammer, vielleicht gerade deshalb so leicht in seiner Bedeutung falsch einzuschätzen als eher theoretisch bedeutsam. Schaut man aber auf sein eigenes Kind und seine vermeintlichen körperlichen und geistlichen Unzulänglichkeiten, wird klar, wie bedeutend die Entscheidung Gottes ist, Mensch zu werden, nicht nur im Hinblick auf unsere Erlösung (was natürlich ausreichend wäre) aber auch im Hinblick darauf, wie klein Gott sich zu machen bereit ist, um diese Erlösung für uns zu erwirken!

Gott macht sich zu einem kleinen Hosenmatz, der Josef in der Werkstatt um die Beine krabbelt, Holzspäne in den Mund nimmt und weinend wieder ausspuckt, besorgt beobachtet von Maria, die die Gefahren bestehend aus Hammern, Sägen, Meißeln etc. sieht. Ein Beispiel für Demut, dass jeden Hochmut in uns zum Schweigen bringen sollte – wenn wir das wirklich glauben! Und die Frage nach unserem Glauben müssen wir uns immer wieder auf’s neue stellen!

Inspiriert waren meine Gedanken u.a. durch das neue Buch von John Eldredge "Beautiful Outlaw: Experiencing the Playful, Disruptive, Extravagant Personality of Jesus"