szmmctag

  • In eigener Sache: CSR-Beitrag auf NovoArgumente

    in-eigener-Sache

    In dem von mir in der wöchentlichen Linkliste öfter zitierten Online-Magazin der NovoArgumente ist heute mein Beitrag über das Thema CSR (Corporate Social Responsibility) erschienen. Das Magazin ist - wie schon andere, die Beiträge von mir veröffentlichen, wie die FreieWelt oder eigentümlich frei - kein christliches Medium, umso mehr freue ich mich, wenn dort politische Themen auch aus einer christlichen Perspektive betrachtet werden können.

    NovoArgumente

    Ich danke der Redaktion von NovoArgumente für die Veröffentlichung ... und nicht zuletzt für das leider immer notwendige Redigieren des Textes!

  • Aphorismen: Roland Baaders "Kreide für den Wolf" (Veranstaltungshinweis)

    Aphorismen

    Und hier aus aktuellem Anlass ein kleiner, eher weltlicher aber mit Gottesbezug, Absatz aus Roland Baaders Buch "Kreide für den Wolf":

    Gerade weil ich glühender Demokrat bin, bin ich auch entschiedener Gegner eines schrankenlosen Demokratismus; gerade weil ich den Krieg zutiefst verabscheue, und den Frieden – nach der Gottesfurcht und Gottesliebe – für das höchste irdische Gut halte, verachte ich den illusionären Pazifismus; gerade weil ich es als das wichtigste Ziel allen Wirtschaftens erachte, Armut und Elend zu beseitigen und die Schwachen vor Ausbeutung und Armut zu schützen, bin ich ein wütender Verächter des Wohlfahrts- und Umverteilungsstaates; gerade weil ich zutiefst davon überzeugt bin, daß Wohlstand und materielle Güter nicht das Wichtigste im Leben der Menschen sind – oder sein sollten, bin ich ein glühender Anhänger des Kapitalismus und ein geradezu militanter Antisozialist; gerade weil ich die Würde der Frau und das Geheimnis des Weiblichen so hoch schätze, bin ich erklärter Feind des Feminismus und des sogenannten Emanzentums.

    Der Anlass ist - neben dem Hinweis auf den Pazifismus und die Gottesliebe - eine am Samstag (23.08.2014) von 10-22 Uhr stattfindende Lesung am Düsseldorfer Burgplatz aus diesem erneut erschienen und online kostenfrei (hier: KREIDE FÜR DEN WOLF Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus) erhältlichen Buchs des leider bereits verstorbenen libertären Autors, der mir viele wesentliche Einblicke in das, was wirklich (politische und persönliche) Freiheit bedeutet, gegeben hat.

    Die Lesung wird veranstaltet von der libertären "Partei der Vernunft" (ich bin kein Mitglied der Partei, beobachte sie aber mit Interesse und - nennen wir es mal so - Wohlwollen). Eine Einladung mit einigen Textpassagen ist auch auf der Seite der Vorsitzenden dieser Partei, Susanne Kablitz zu finden:
    Die Roland-Baader-Lese-Demo

    Nebenbei: Ich habe mich auch zum Lesen eines Abschnitts angemeldet und freue mich, wenn noch mehr Leser dieses Blogs, die sich neben dem Glauben auch für den Libertarismus interessieren, vorbei schauen!

    ... und die Lektüre des Buches kann ich ohnehin empfehlen:

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  • Pazifisten-Bashing?

    Wer sich als Katholik unversehens auf der Seite der Mehrheit der Gesellschaft wiederfindet, der muss sich die Frage stellen, ob er nicht doch etwas falsch gemacht hat, in die falsche Richtung abgebogen ist – den rechten Weg verlassen hat. Insofern hat mich ein Kommentar bei der Freien Welt, die meinen Beitrag „Sind Pazifisten potenzielle Mörder?“ veröffentlicht haben, nachdenklich gemacht, der mit den Worten beginnt „Klar, auf Pazifisten hackt der Zeitgeist gegenwärtig gerne herum.“

    Und tatsächlich, außer Frau Käßmann fordert – jedenfalls mit medialer Aufmerksamkeit – derzeit niemand eine friedliche Lösung für die Christenverfolgung im Irak und in Syrien, und die sieht sich einhelliger Kritik und Häme für ihren Vorschlag ausgesetzt, die Bundeswehr langfristig abzuschaffen. Konsens scheint zu sein, dass militärisch eingegriffen werden muss oder die Unterdrückten zumindest Unterstützung auch in Form von Waffen erhalten müssten.

    Bei soviel Einhelligkeit stellt sich einem doch direkt die Frage, ob man selbst da nicht irgendetwas übersehen hat. Ist ein kriegerischer Einsatz gegen die IS-Milizen tatsächlich als „gerechter Krieg“ zu werten, gegen den auch ein Christ keinen wesentlichen Einwand erheben kann. Das Konzept des „gerechten Krieges“ ist dabei einigermaßen komplex, orientieren kann man sich möglicherweise an dem, was Thomas von Aquin darunter verstand (und wie ich ihn verstanden habe, an dieser Stelle lasse ich mich gerne korrigieren):

    Ihm zufolge ist ein Krieg nicht aus sich heraus schlecht oder eine Sünde, sondern wird dies erst, wenn ihm sündhafte Absichten zugrunde liegen. Ihm geht es darum, dass ein gerechter Krieg eine gerechte Ordnung verteidige, die durch einen äußeren Feind bedroht wird:

    Viel mehr aber als das Heil eines einzelnen Menschen ist das Heil des Gemeinwesens zu wahren, denn dadurch werden die Tötung sehr vieler Menschen und zahllose zeitliche sowohl wie geistliche Übel verhindert.

    Für Thomas von Aquin musste ein gerechter Krieg bzw. die Berechtigung zum Führen eines Krieges daher drei Voraussetzungen erfüllen: „Erstens die Vollmacht des princeps, auf dessen Befehl [mandatum] hin der Krieg geführt werden muss, zweitens ist ein gerechter Grund [causa iusta] verlangt, drittens wird verlangt, dass die Kriegführenden die rechte Absicht [recta intentio] haben“

    Der benannte „princeps“ stellt dabei eine gerechtfertigte Autorität dar, deren Aufgabe in der Bewahrung des Gemeinwohls besteht und der darum – quasi als Gottes Auftrag – feststellen soll, wann ein Krieg aus gerechten Gründen notwendig sei. Ein solcher gerechter Grund liegt eben in der Gefährdung des Gemeinwohls durch einen äußeren Angreifer, die durch diesen Krieg mit rechter Absicht, also frei von Habgier, Hass, Rache oder Ehrgeiz, wiederhergestellt werden sollte.

    Kurz gesagt war für Thomas von Aquin Krieg dann gerecht, „wenn er von einer dazu legitimierten Regierung zur Verteidigung einer potentiell für alle gültigen Rechtsordnung mit Aussicht auf ein positives Ergebnis, auf weniger statt mehr Sünde und ohne eigensüchtige Motive geführt werden konnte.“

    (angelehnt an und zitiert aus Wikipedia)

    Nimmt man sich das heute vor, bekommt man schon bei der ersten von Thomas definierten Bedingung Zweifel: Gibt es – in einer nationalen Regierung oder in einer supranationalen Organisation wie der UN – eine Instanz, die sich quasi von Gott berufen, das Allgemeinwohl zum Auftrag gemacht hat? Und um wessen Allgemeinwohl geht es dabei? Nun darf man wohl annehmen, dass Thomas Konflikte wie die im Nahen Osten mit ihrer Asymmetrie nicht im Auge hatte, ihm ging es um Kriege zwischen Nationen, nicht von religiös motivierten Terroristen gegen Andersgläubige in einem mehr oder weniger rechtsfreien Raum. Man kann also Zweifel haben bei der Frage, wer denn eigentlich zu einem Waffengang gegen die IS-Terroristen aufrufen darf.

    Auch der zweite Grund eines gerechten Krieges nach Thomas macht einem die Begründung schwer: selbstverständlich ist das Wohl der Christen in den betroffenen Gebieten gefährdet – aber ist das ein Auslöser dafür, dass beispielsweise durch die USA oder auch Deutschland ein Krieg im Irak geführt werden kann? Dass Christen dort in Notwehr Krieg führen dürfen erscheint wenig strittig, ob eine Intervention durch andere Staaten damit bereits legitimiert ist, weniger.

    Zuletzt die rechte Absicht: Ich hatte schon mal geschrieben, dass es mir schwer fällt, für die Mörder der IS etwas anderes als Hass zu empfinden – eine Versuchung, die gerade in einem solchen Krieg, der mit menschenverachtender Brutalität geführt wird, besteht, ist also, aus Hass zurückzuschlagen, Rache zu nehmen für die getöteten und abgeschlachteten Menschen. Selbst die Aussicht auf ein positives Ergebnis erscheint zweifelhaft: niemand wird bestreiten, dass man in einem solchen Konflikt keinen militärischen Sieg erringen kann, wie in einem „normalen“ Krieg. Die islamistischen Ideologen verstehen den eigenen Tod als Martyrium, da kann man nicht erwarten, dass sie nach einer Niederlage sich einfach dem Sieger unterwerfen. Friede wird durch einen solchen Waffengang kaum erreicht werden können.

    Man tut sich also aus christlicher Sicht schwer, einen kriegerischen Einsatz deutscher oder anderer internationaler Truppen im Irak nach solchen Maßgaben zu rechtfertigen: Es fehlt an der entsprechenden Autorität, der Kriegsgrund – für streng genommen Unbeteiligte – ist zweifelhaft, und mit einem Erfolg, der Wiederherstellung der Ordnung, rechnet eigentlich auch niemand. Die Alternative stellt sich aber so dar, dass man dem Treiben der IS einfach zuschaut Mit gleichem Recht könnte man sich auch eine der plakativsten Fragen stellen, nämlich ob ein militärisches Eingreifen im Deutschland des Dritten Reichs auch ohne Kriegserklärung Deutschlands an die Länder ringsum legitim gewesen wäre.

    Einen der Hauptgründe, warum man sich mit einer solchen Einordung der Fragestellungen schwer tut, ist sicher die Tatsache, dass es sich bei alldem eben nicht um einen Krieg handelt, wie wir ihn aus den vergangenen Jahrhunderten kennen: Eine Nation überfällt eine andere wegen deren Bodenschätzen, Zugang zum Meer oder aus welchen Gründen auch immer, die angegriffene Nation wehrt sich, und falls die Ansprüche der Angreifer legitim gewesen sein mögen, könnte man sich am Ende des Waffengangs neben Sieg und Niederlage auch noch so etwas wie ein Verhandlungsergebnis vorstellen. An alldem fehlt es im Irak: dort zieht eine aus allen möglichen Nationen, inklusive aus der westlichen Welt, rekrutierte, durch andere islamische Staaten finanzierte Terrortruppe mordend und brandschatzend durch das von ihnen beanspruchte Territorium, nicht mit dem Ziel wirtschaftlicher oder geostrategischer Vorteile sondern um einen sogenannten „Gottesstaat“ aufzubauen. Dem kommt man mit den Begriffen des 20. und der vorhergehenden Jahrhunderte nicht bei.

    Definiert man die Kriterien für einen gerechten Krieg – eigentlich einen gerechten militärischen Streit – aus diesem Grund um, macht man die UN oder den Sicherheitsrat oder auch die eigene Regierung zu einer legitimen Instanz zur Entscheidung auch hinsichtlich solcher Konflikte, weitet man die Sorge um das Gemeinwohl auch auf Völker aus, die nicht zur eigenen Nation gehören aber wehrlos Angriffen anderer feindlicher Kräfte mit illegitimen Zielen ausgesetzt sind … dann bleibt immer noch die Frage, ob mit einem Waffengang so etwas wie ein Frieden erreicht werden kann? Will man das gewährleisten, dann verbietet sich ein Feldzug mit dem Ziel, die IS-Truppen zu schlagen – diese Hydra wird weitere Köpfe bekommen, wenn man annimmt, gewonnen zu haben.

    Und hier kommt dann in der Tat eine Art realistischer Pazifismus zum Tragen: Das Ziel der eingreifenden Nationen muss der Frieden sein, die beteiligten Nationen müssten Abstand nehmen von eigenen Interessen und die Maßnahmen sich auf den Schutz der Angegriffenen und den langfristigen Stopp der Angriffe beschränken. Mir ist schon selbst klar, wie unrealistisch eine solche Vorstellung ist. Und trotzdem wird uns nichts anderes übrig bleiben, als genau in diese Richtung zu arbeiten … und dafür, für die Entscheidungsträge wie für die Opfer und für die Täter, zu beten, dass Gott ihnen den Weg weise zu einem dauerhaften Frieden. Der Pazifist, den die Liebe zum Frieden umtreibt, der wird sich nicht feige aus den Konflikten der Welt heraushalten, er wird alles in seiner macht stehende tun, Gewalt und Krieg zu vermeiden, ohne die Opfer sich selbst zu überlassen. Möglicherweise sieht man sich mit einer solchen Sicht, wie ich sie beschrieben habe, ebenfalls dem Vorwurf der Naivität ausgesetzt – damit muss man dann als Christ eben leben, will man noch mit einigermaßen gutem Gewissen in den Spiegel schauen können.

    Vielleicht können Pazifisten und Befürworter eines militärischen Eingreifens ja voneinander lernen – von den Mitteln und den Wertvorstellungen des jeweils anderen, und aufhören, aufeinander herumzuhacken, wenn man sich im Ziel, dem menschenmöglichen Frieden, erst mal einig ist?

  • Der Marsch für das Leben 2014

    marsch_2014_logo

    Es geht auch dieses Jahr weiter in Berlin – wie mittlerweile schon Tradition gehen am dritten Samstag im September zum Marsch für das Leben wieder einige Tausend Lebensschützer auf die Straße, um gegen gesellschaftliche und politische Tendenzen zur Einschränkung des Lebensschutzes zu demonstrieren. Diese Einschränkungen greifen am Lebensanfang wie auch am Lebensende in unsere Freiheit ein, besonderes Augenmerk liegt aber auf dem Schutz des noch ungeborenen Lebens.

    Offiziell 100.000 Abtreibungen in Deutschland pro Jahr, davon die meisten gemäß der sogenannten Fristenregelung (das heißt in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nach einem verpflichtenden Beratungsgespräch) und nur ein verschwindend geringer Anteil aus medizinischer oder kriminologischer Indikation, für die man auch als Lebensschützer durchaus Verständnis haben kann (wenn man auch die Konsequenz, die Tötung eines gezeugten Menschen nicht befürwortet), eine verbotene aber nicht strafbewehrte Abtreibungspraxis, die dazu geführt hat, dass manche bereits von einem Recht auf Abtreibung sprechen und Abtreibungen als ein normales Mittel der Familienplanung sehen … das alles ist Anlass genug auf die Straße zu gehen, um für die aufzustehen, die keine eigene Stimme haben – weil sie noch nicht geboren sind und ihnen das Recht auf die Geburt streitig gemacht werden soll.

    In diesem Jahr hoffen die Veranstalter auf über 5.000 Teilnehmer (im letzten Jahr waren es etwa 4.500) und so Gott will werde ich auch – vermutlich mit der Familie – dabei sein. Die Größenordnung ist also zwischenzeitlich eine, die kaum zu übersehen ist, sodass man auch in diesem Jahr neben dem Ignorieren wieder mit Falschinformationen seitens der Medien, von runtergeschätzten Teilnehmerzahlen bis hin zur Berichten über die Beteiligung angeblicher christlicher „Fundamentalisten“ rechnen muss. Immerhin ist offenbar auch der Bundestagsfraktion der Linken aufgegangen, dass sich da etwas am Rande ihres eigenen Verständnishorizonts entwickelt (als SED-Nachfolgepartei stehen sie natürlich für ein Recht auf Abtreibung – Frauen in die Produktion und so…), was man nicht mehr unkommentiert laufen lassen will. Darum hat die Fraktion eine sogenannte „kleine Anfrage“ an die Bundesregierung gerichtet (unterzeichnet von Gregor Gysi als Fraktionsvorsitzenden) um Fakten zu dieser demokratisch legitimierten Demonstration zu erheben, deren Frageform aber nur unzureichend kaschiert, wes Geistes Kind die Anfragesteller sind.

    Da ist eingangs direkt von sexueller Selbstbestimmung die Rede (die die Lebensschützer gar nicht in Frage stellen – sie sehen in der Selbstbestimmung nur auch die Komponente der Verantwortung – ein Konzept das Linken in diesem Zusammenhang fremd ist), es geht um nicht weiter bestimmte „reproduktive Rechte“ (aus UN-Diskussionen und –Publikationen weiß man, dass es sich dabei mitnichten um das „Recht auf Fortpflanzung“ geht, wie der Name nahelegt sondern um das Gegenteil, das Recht auf Empfängnisregulierung inkl. Abtreibungen), weiter geht es um Fragen, die nahelegen sollen, dass es sich bei Lebensschützern um Menschen handelt, die es mit den Rechten anderer Menschen auf Selbstbestimmung nicht so genau nehmen, bis hin zu der Frage, welche Beteiligten der Veranstaltung durch Finanzmittel des Bundes unterstützt werden (womit man wohl andeuten will, dass man eine solche Unterstützung für nicht legitim hält). Übrigens hat Alexandra Maria Linder, als stellvertretende Bundesvorsitzende der ALfA (Aktion Lebensrecht für Alle e.V.) eine kleine und sehr lesenswerte Antwort an Herrn Gysi formuliert, die in der Internetzeitung „FreieWelt.net“ veröffentlicht wurde.

    Die Medien spielen also mit unlauteren, wenn auch nicht illegalen, Mitteln gegen die Lebensschützer, linke und links-grüne Politiker werden sich wieder an Aktionen gegen den Demonstrationszug beteiligen, die autonomen Trupps machen sich auch wieder startklar, Teilnehmer des Marsches werden sich auch in diesem Jahr wieder als „homophob“ (mein Intellekt ist offenbar nicht ausreichend zu erkennen, was am Lebensschutz homophob sein soll), als „patriarchalisch“, als „faschistisch“ oder Schlimmeres beschimpfen lassen müssen. Man darf hoffen, dass es auch in diesem Jahr nicht zu Handgreiflichkeiten über die Entwendung von Kreuzen hinaus kommt, die die Teilnehmer symbolisch durch die Straßen von Berlin tragen – garantieren kann das aber auch diesmal keiner, eben weil diejenigen, die gewalttätig sind auch die sind, die sich nicht den demokratischen Prozessen einer öffentlichen Demonstration unterwerfen.

    Und trotzdem werden es seit Jahren mehr und mehr Menschen, die der Massentötung von Kindern im Mutterleib nicht mehr widerspruchslos zusehen wollen. Sie alle machen sich auf den Weg, lassen sich beschimpfen, wissen, dass sie unverstanden bleiben werden, große Teile der Gesellschaft sie aktiv nicht verstehen wollen. Die Formulierung „Ich freue mich auf den Marsch“ ist insofern nicht ganz passend, aber es ist gut, wenn auch in diesem Jahr wieder einige Tausend Menschen für das Lebensrecht auf die Straße gehen!

    Übrigens ist am 20.09.2014 auch die Einführung des neuen Kölner und dann bisherigen Berliner Erzbischofs Kardinal Woelki. Schade, dass sich diese Termine überschneiden und so einige Bischöfe sicher in Köln weilen und nicht in Berlin dabei sein können. Abgesehen von dieser Veranstaltung sehe ich aber an diesem Tag keine, die wichtig genug für einen deutschen Hirten der katholischen Kirche sein könnten, um nicht am Marsch für das Leben teilzunehmen. Ich gebe auch in diesem Jahr die Hoffnung nicht auf, dass nicht wieder alle Bischöfe durch Abwesenheit glänzen sondern sich in eine Reihe mit den Gläubigen stellen, wie das verantwortliche Bischöfe bei anderen Märschen wie in den USA auch tun. Liebe Hirten … ich baue auf Euch und darauf, dass Ihr Eurem Amt gerecht werden wollt!- Wir sehen uns in Berlin!

    Mehr Informationen zum Marsch für das Leben gibt es hier:
    marsch_2013_claims

  • Ist "John Keating" ein Vorbild?

    Über die Jahre hat sich die DVD-Thek unseres Haushalts zu einer recht umfangreichen Sammlung entwickelt. Ich glaube, es ist nicht übertrieben viel (zählen möchte ich es gerade nicht) aber es sind sicher überdurchschnittlich viele Filme, die sich dort eingefunden haben, was man ab und an an der Reaktion von Besuchern bemerkt, die die Sammlung betrachten. Wer einmal einen englischsprachigen Film im Original (wer sprachlich nicht ganz so gewandt ist, dem empfehle ich englische – nicht deutsche! – Untertitel zur besseren Nachvollziehbarkeit) gesehen hat, der tut sich mit dessen holpriger deutscher Synchronisation mit verbogenem Wortwitz ziemlich schwer.

    Und so landete am Wochenende – anlässlich des Todes von Robin Williams in der vergangenen Woche – „Der Club der toten Dichter“ im DVD-Player. Der gehört zu den Filmen, die ich zwar schon mehrfach, aber auch nicht übertrieben viel („Schtonk“ beispielsweise kann ich mitsprechen!) und insbesondere auch schon lange nicht mehr gesehen habe. Der Film stammt aus 1989 und soweit ich mich erinnere, habe ich ihn damals, 18-jährig und noch Schüler, im Kino gesehen. Und er hat mich – wie vermutlich jeden jungen Mann kurz vor dem Sprung in ein halbwegs eigenständiges Leben - beeindruckt. Die Rollen in diesem Film sind schnell verteilt: hier die Schulleitung und konforme Lehrer einer amerikanischen Eliteschule in den 1950er Jahren, die viel Wert legt auf Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung (am Beginn des Films werden zu Beginn des Schuljahres Banner mit der Aufschrift Tradition, Honor, Discipline und Excellence in den Raum getragen), dort der neue Lehrer englischer Literatur John Keating (gespielt von Robin Williams), der versucht, seinen Schülern eigenständiges Denken außerhalb der vorgefertigten Bahnen des Curriculums und die Liebe zur Literatur nahezubringen.

    Dazu noch der Vater des Schülers Neil Perry, der dessen Leben bis in die Freizeit hinein bestimmen will, ihm außerschulische Aktivitäten untersagt, ihn nach einem von ihm verbotenen Theaterengagement von der Schule nehmen will, worauf sich der junge Mann mit der Pistole des Vaters das Leben nimmt. Die anderen Schüler werden in dieser Situation bedrängt, die Schuld alleine auf den unorthodoxen Lehrer zu schieben, der darauf hin die Schule verlassen muss. Rührend die Schlussszene, in der die von ihm maßgeblich beeinflussten Schüler auf ihre Tische steigen und dem Lehrer mit der Anrede, die er sich selbst aus einem Whitman-Gedicht zum Tod von Abraham Lincoln erbeten hat, „O Captain! My captain!“ ihre Loyalität zum Ausdruck bringen, das Ganze unter dem Zetern des Schulleiters, der gedenkt, den normalen Schulalltag wieder aufzunehmen.

    Die Figuren sind also einigermaßen plakativ schwarz/weiß gezeichnet – und nach 25 Jahren darf man sich durchaus selbstkritisch die Frage stellen, ob man heute einem solchen Lehrer Applaus zollen würde, oder ob es nicht ein bisschen kurz gegriffen ist, dem angestaubten Traditionsbewusstsein einer Eliteschule und den väterlichen Karriereanwandlungen für seinen Sohn, die alleinige Schuld für dessen Tod zu geben – jedenfalls genau so kurz gegriffen wie die Schuld alleine bei dem Lehrer und seinen „modernen Methoden“ zu suchen. Mich beschleicht bei derlei Darstellungen immer ein ungutes Gefühl hinsichtlich der „Verschrottung“ alter Werte zugunsten der Freiheit – noch dazu einer Freiheit, die auch Verantwortung einschließt, der 17-jährige Schüler möglicherweise noch nicht in vollem Umfang gewachsen sind.

    Vergleicht man die Rolle des John Keating mit einer anderen filmischen Lehrerrolle, kommt mir leider eine etwas unrühmliche Figur in den Sinn: die des Oberlehrers Dr. Brett aus der Feuerzangenbowle, der ob der ganzen schrägen Lehrerfiguren als guter Lehrer erscheint, von Heinz Rühmann als Schüler Pfeiffer explizit als "feiner Kerl" bezeichnet wird, und der – in Abwandlung der Originalgeschichte – doch der Vertreter der damaligen Naziideologie war, wenn er beschreibt, dass die Jungen wie „junge Bäume“ wären, die man mit Disziplin „schön gerade wachsen“ lassen müsse. Natürlich, um das gleich zu sagen, ist das nicht die gleiche Kategorie von Ideologie, die hier vertreten wird, John Keating ist keine Nazifigur, aber es ist eine Weltsicht, die das Alte ablehnt, und am Ende in den Kindern auch nur „Material“ zur Ausbildung sieht.

    John Keating fordert seine Schüler heraus, er will sich nicht mit auswendig gelernten Inhalten zufrieden geben, er dringt dabei in ihre Seelen vor und bestärkt sie in ihrer eher stillen Opposition gegen die schulischen Regeln, indem er die Neugründung des von ihm einst als Schüler geleiteten „Clubs der toten Dichter“ unterstützt. Keating setzt kleine Impulse und beobachtet dann die weitere Geschichte – er ahnt, dass ihn Neil Perry anlügt hinsichtlich der Erlaubnis seines Vaters, in einem Theaterstück auftreten zu dürfen, er sieht dessen Seelennöte – und ist doch unfähig einzugreifen, um die familiäre Katastrophe zu verhindern. Hat er mit einem Gespräch zu seinem Schüler wirklich alles getan, um ihm zu helfen? Man darf Zweifel haben!

    John Keating zu glorifizieren – und ich weiß nicht, ob das eine Absicht des Drehbuchs und der Schauspieler war – ist darum nicht gerechtfertigt. Der Film endet mit der eben beschriebenen Szene und der Zuschauer wird alleine gelassen mit der Frage, wie es in der Schule, mit den Schülern, die ihm gefolgt sind, weiter gehen wird. Werden sie das Gefühl der Freiheit, an dem sie geschnuppert haben, weiter tragen und in ihr Leben und auch in ihre Schullaufbahn integrieren, werden sie am Durst nach Freiheit an dieser Schule zerbrechen – geben sie am Ende diese Freiheit wegen quasi erwiesener Schädlichkeit sogar auf? John Keating ist dann jedenfalls nicht mehr da, seine Schüler zu begleiten auf ihrem Weg, auf dem sie Begleitung brauchen gerade wenn sie auf ihre Freiheit setzen.

    Der Eindruck des Films ist für mich also eher durchwachsen – ich kann den Film weiterhin empfehlen, sehe darin heute Aspekte meines eigenen Vater-seins in einem neuen Licht, die ich beim ersten Sehen naturgemäß nicht entdecken konnte. Es ist aber Wachsamkeit geboten, welche Lehren man aus einem solchen Film ziehen möchte, um nicht eine scheinbar überholte Weltsicht durch eine untaugliche einzutauschen. Ich hoffe, dass ich den Film eines Tages gemeinsam mit meinen Kindern ansehen kann um sie dann zu begleiten in dem, was sie daraus machen.

    Und was Robin Williams angeht: ich glaube, er war ein begnadeter Schauspieler, ich hätte nach seinen Anfängen als „Komiker“, die immer auch zumindest ein bisschen Tiefgang hatten, gerne gesehen, welche Rollen er als „Elder Statesman“ der Schauspielerei, gespielt hätte. Ihn aber durch das Steigen auf einen Tisch ehren zu wollen, verkennt die Tatsache, dass er nicht John Keating war! Ob er es - damals oder heute - gerne gewesen wäre, würde ich ihn gerne noch gefragt haben …

  • Was mich wirklich beeindruckt

    Zur Christenverfolgung im Nahen Osten habe ich bereits einiges geschrieben – und muss zugeben, dass mir dabei diejenigen aus dem Blick geraten sind, um die es eigentlich geht: Bei aller Beschäftigung mit den Terroristen, mit den Reaktionen von Kirche und Nationen, mit der Frage der Berichterstattung in den Medien sind des doch die Opfer, die völlig zu kurz kommen. Vielleicht war es auch die Seligsprechung von 124 Märtyrern in Südkorea durch Papst Franziskus, die mir wieder in Erinnerung gerufen hat, was im Irak und in Syrien, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt, geschieht, in dem Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden.

    Das „Martyrium“ gehört zu den drei sogenannten Grundvollzügen der Kirche, neben der Liturgie und der Diakonie. Dabei hat Martyrium nicht zwingend die blutige Bedeutung des in den Tod Gehens, es ist lediglich der griechische Begriff für das Zeugnis, in diesem Zusammenhang also das Bekenntnis zum Glauben an Jesus Christus. Auch derjenige, der also öffentlich den Glauben verkündet, und sei es durch ein umgehängtes Kreuz (wenn es nicht nur als Schmuckstück gedacht ist) ist also im weiteren Sinne ein Märtyrer. Am Widerstand gegen dieses Zeugnis beweist sich allerdings eben auch seine Stärke.

    Da werden die ersten Märtyrer (im engeren Sinne) schon in den ersten Christen beschrieben, die für ihr Zeugnis umgebracht worden sind. Hervorstechend sind es nach dem Heiligen Stephanus die Apostel Petrus und Paulus, die immer wieder, trotz Aufforderung, dies zu unterlassen, ihren Glauben verkündet haben. Es sind aber vor allem die vielen nicht benannten Märtyrer im Römischen Reich, die sich geweigert haben, die heidnischen römischen Riten nachzuvollziehen und dafür in den Tod gegangen sind. Dabei – so wird von Historikern berichtet – hätten sie ihrem Glauben gar nicht abschwören müssen, sie hätten nur die Riten nachvollziehen müssen, die die Römer von ihnen gefordert haben. Aber in ihren Augen wäre auch dies ein Bruch ihres Bundes mit Gott gewesen – sie sind lieber gestorben, als das zu tun!

    Und heute wird aus dem Irak berichtet, dass Christen aufgefordert wurden, zum Islam zu konvertieren, zu fliehen, eine (wohl nicht finanzierbare) Abgabe zu zahlen – oder zu sterben. Und diejenige, die aus welchen Gründen auch immer nicht fliehen können oder wollen und die Abgabe nicht zahlen können oder wollen … sie konvertieren offenbar nicht, sondern sterben dafür, ihren Glauben zu bezeugen. Es geht mir hier nicht um eine Heroisierung, es geht ganz sicher nicht um eine Verschiebung der Verantwortung für ihren Tod – es geht um die Überzeugung, die diese Menschen im Angesicht von Folter und Tod dazu bringt, standhaft zu bleiben.

    In der Online-Community wurde dieser Tage die Frage diskutiert, ob man angesichts der Bevölkerungsstruktur in manchen Stadtteilen Deutschlands nach Einbruch der Dunkelheit mit einem aufgenähten arabischen „N“ für Nazarener, als Symbol für einen Christen, mit dem die Häuser der verfolgten Menschen durch die Islamisten der IS gekennzeichnet wurden, herumlaufen würde. Auslöser war u.a. ein Selbstversuch, in dem nachgewiesen wurde, dass man in bestimmten Stadtteilen Berlins durch das Anhängen einer israelischen Flagge ans Auto mit Beschimpfungen, Kratzern am Auto und Gewalt- und Morddrohungen rechnen muss. Viele verneinen die Frage, ob sie zu einem derartigen Zeugnis bereit wären, und man muss dahinter nicht Feigheit erkennen – niemand sollte sich gezwungen sehen, sich in dieser Form in Gefahr zu bringen, niemand sollte sich gezwungen sehen, Mitglieder einer anderen Religion in dieser Weise zu provozieren und die Konsequenzen dann zu tragen (Dass man sich grundsätzlich in manchen Regionen in Deutschland bei einem christlichen Zeugnis offenbar nicht mehr sicher fühlen kann, ist ein generelles Problem, das auf eine gesellschaftliche Antwort wartet).

    Und doch müssen wir uns die Frage stellen, was wir denn tun würden, stünden morgen IS-Terroristen vor unserer Tür, bedrohten uns und unsere Familien mit dem Tod, den wir nur durch eine Konversion zum Islam entgehen könnten. Die Märtyrer im Irak haben diese Frage beantwortet, was der Frage an uns nur noch mehr Bedeutung verleiht. Das Martyrium für den Glauben ist etwas, was man einem Nichtglaubenden, was man einer säkularen Gesellschaft kaum begreiflich machen kann. Es ist eine Frage, die viele, die sich selbst als gläubige Menschen nicht trauen, in einem Restaurant vor dem Essen zu beten oder den Kollegen zu erzählen, dass man am Sonntag in der Messe war, weit von sich weg schieben. Umso mehr müssen wir Gläubige eine eindeutige Antwort formulieren – und beten, dass Gott uns die Kraft gibt, uns richtig zu verhalten, wenn unser Zeugnis gefordert wird. Und so wie es heute aussieht sollte niemand darauf bauen, dass er niemals vor die Herausforderung gestellt sein wird, ein solches Zeugnis für Christus abzugeben.

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Die jetzt zu Ende gehende Woche war - jedenfalls für mich - geprägt durch die zwischenzeitlich endlich aufgenommene Berichterstattung der Medien über die Christenverfolgung im Irak (wenn man sich mancherorts auch auf Berichte über die Verfolgung der Jesiden beschränkt) - mir scheint, wir werden Zeugen des ersten echten Völkermordes dieses Jahrtausends, eines Holocaust, der sich von dem des dritten Reichs im Moment nur durch (noch) geringere Opferzahlen unterscheidet - und die vielbeschworene "Weltgemeinschaft" hat aus den letzten Völkermorden offenbar nicht viel gelernt und ist meist bestrebt, offiziellen Vertretern des Islam bloß nicht auf die Füße zu treten, statt sie aufzufordern, ihre "Glaubensbrüder" deutlich zur Ordnung zu rufen. Solange ich von offizieller muslimischer Seite Verurteilungen der Verfolgung immer nur mit der Einschränkung höre, Ursache des ganzen sei aber eigentlich das Eingreifen der Amerikaner etc.pp. kann ich diese Distanzierungen nicht ernst nehmen!

    In vielen Städten finden am kommenden Wochenende übrigens "Friedensgebete" statt, zu deren Teilnahme ich gerne aufrufen möchte, zum Beispiel hier in Köln: Köln betet mit. Wer wie wir wegen der Kinder oder aus anderen Gründen nicht an einer solchen Veranstaltung teilnehmen kann, der weiß aber sicher, dass eine Beteiligung am Gebet auch möglich ist, ohne vor Ort zu sein - die Menschen im Irak und in Syrien brauchen unser Gebet, egal wo wir gerade sind!

    Alle Beiträge dieses Blogs zum Thema Christenverfolgung habe ich mit einem entsprechenden Tag versehen und sind in der rechten Navigationsspalte unter dem "Nun"-Symbol (Erläuterung der Symbolik hier) abrufbar:
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    Die Beiträge zu diesem Thema bilden in dieser Woche auch den traurigen Schwerpunkt der Linkliste. Am vergangenen Wochenende habe ich aber ein paar freie Minuten genutzt und einen zweiten Beitrag im Papsttreuen Podspot, dem Podcast des PAPSTTREUENBLOGs, aufgenommen und in den Podcast eingestellt. In "Or die trying" geht es um eine kleine Beschreibung von Katholiken, genauer: männlichen Katholiken. Dr Beitrag stammt aus einer Serie von "männlichen Betrachtungen" aus 2012, ich habe ihn aber immer noch als passend empfunden und ihn darum gerne zum Anhören angeboten. Reinhören lohnt also wieder!

    Podspot_quadrat_neu

    Achtung! Der Podcast ist neben der Podspot-Seite oder über einen Podcatcher übrigens auch über den iTunes-Store erreich- und abonnierbar. Nutzer von iPhones, -Pads und -Pods lade ich also gerne ein, ihn hierüber anzuhören, da das auch zur weiteren Verbreitung beiträgt.

    Und hier meine "gesammelten Werke" an Bloglinks dieser Woche - mit dem besagten Schwerpunkt der Christenverfolgung im Irak und in Syrien:

    Katholisches

    Bei Peter Winnemöller gibt es diesen schönen Nachruf auf Robin Williams zu lesen - O Captain! My Captain!
    O Captain! my Captain! rise up and hear the bells

    Lesen und drüber nachdenken ... vielleicht Handeln? (Annotatiunculae zum Thema der Christenverfolgung im Irak):
    Was können wir tun ?

    Zum gleichen Thema ein ganz kleiner, aber ebenfalls treffender Beitrag von Invenimus Messiam:
    Christen bluten

    Und ebenfalls bedenkenswert der Beitrag von Alipius Müller:
    Denkt schon mal drüber nach...

    Die Erklärung des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog zitiert (und kommentiert in Kürze) Invenimus Messiam:
    Der Löwe brüllt

    Über die bisherigen Reaktionen der deutschen Kirche hatte ich in einem Beitrag der Woche selbst hingewiesen. Deutlicher werden Josef Bordat und der dort verlinkte Beitrag von Schwester Barbara von Bethanien bloggt:
    Zweierlei Opfer

    Ein passendes Gebet dazu auf Pro Spe Salutis:
    Für die verfolgte Kirche beten

    Einen eindringlichen Beitrag der Gardinenpredigerin zur Frage katholischer Moral empfehle ich zum Lesen:
    Und das ist der Grund, wieso ich manchmal nachts nicht schlafen kann… (nur bedingt für Minderjährige geeignet)

    Wer in Deutschland für Kindes-, Eltern- und Familienrechte eintritt, der muss gegen die zuständige Ministerin kämpfen. Das wird durch Birgit Kelles Blogkolumne bei The European noch mal anschaulich:
    Im Zweifel gegen die Eltern

    Zuletzt, um auch mal was nachdenklich-lustiges zu verbreiten, hier ein Beitrag von Bastian von Echo Romeo über die Psychotest-Manie auf Facebook:
    Ich bin ein Tollpatsch – was für eine Art Trottel bist Du? Hier geht’s zum Test.

    Oh, einer noch ... und wer die Kommentierungen meiner Beiträge bei FreieWelt.net verfolgt, weiß, warum ich den Beitrag von Bellfrell hier poste:
    Den Troll -

    Libertäres

    In Zettels Raum äußert sich Meister Petz zum Aufruf deutscher Kulturschaffender gegen Israel:
    Kulturfalter und Zitronenschaffende im Dienst der richtigen Sache

    Bei Ortner Online bin ich auf diese Kommentarsammlung von Zeit-Online zum Tode von Robin Williams gestoßen, die mich zweifeln lässt an der Hoffnung für eine deutsche Kultur:
    Robin Williams ist tot – und bei “Zeit-Online” steppt der Antisemit

    Einige bedenkenswerten Anmerkungen zur Redefreiheit von Tim Black finden sich bei NovoArgumente:
    Grundrechte: Ja zur absoluten Redefreiheit

    Wer auf so eine Schnapsidee wie das bedingungslose Grundeinkommen steht, darf nicht auf viel Verständnis von Susanne Kablitz, hier beim Blog des Ludwig von Mises Institut Deutschland, hoffen:
    Gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen

    Der liberale Atheist arprin hat einen interessanten Beitrag über Nordkorea im Programm:
    Die Generation Schwarzmarkt

    Warum Inflation (Obacht bei der Definition!) kein Mittel der Finanzpolitik sein sollte, beschreibt Andreas Marquart auf der oben schon mal zitierten Seite des Ludwig von Mises Institut Deutschland:
    Inflation ist immer und überall ein Übel: 10 Gründe

    Allen Lesern des Blogs wünsche ich nun aber - trotz allem, was in der gebrochenen Welt geschieht, die aber von Jesus erlöst ist, ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag!

    Der Papsttreue

  • Christenverfolgung: Eindeutige Aussagen von Papst und Bischöfen

    Man konnte in den vergangenen Wochen und Tagen schon an der offiziellen Kirche in Deutschland und auch weltweit verzweifeln, die sich in großen Teilen entschieden zu haben schien, das Leid der verfolgten Christen und Jesiden im Irak und in Syrien, zu ignorieren oder zumindest nur auf kleiner Flamme zu thematisieren. Es erschien kurzzeitig so, als sei man dankbar, dass endlich neben den Christen auch eine andere religiöse Minderheit, die Jesiden, von den Greueltaten der IS betroffen waren, für die man sich nun endlich einsetzen konnte, ohne in den „Verdacht“ zu geraten, sich zu sehr für die eigenen Glaubensbrüder einzusetzen.

    Der erste, der sich immer wieder aus der Deckung wagte (auch wenn ihm seitens konservativer papstkritischer Kräfte vorgeworfen wird, nicht deutlich genug geworden zu sein) war der Papst, der das Unrecht an religiösen Minderheiten immer wieder angeprangert und die Betroffenen seines Gebetes versichert hat. Von der deutschen Bischofskonferenz gab es dazu bis gestern nur ein paar halbgare Äußerungen, bei denen mir vor allem aufgefallen ist, dass die (in der Mehrheit betroffenen) Christen eben nur als eine Gruppe unter vielen aufgeführt waren.

    Sei’s drum – vielleicht ist es auch gut, dass sich unsere Hirten mit den Fragen von Verurteilung von Gewalttätern und der Forderung nach militärischem Eingreifen nicht allzu leicht tun. „Hurra, wir ziehen in den Krieg!“ ist eine Formulierung, die man zum ersten (mehr) und zweiten Weltkrieg (weniger) von Teilen der Kirche gehört hat, und die ihnen so nicht mehr über die Lippen kommen soll!

    Ein Beitrag der presse.com verdeutlicht jetzt aber die Position der europäischen Bischöfe und auch des Papstes, die deutlich machen, dass – natürlich – eine friedliche Lösung gesucht und angestrebt werden soll, dies aber militärische Lösungen nicht ausschließen kann, wenn diplomatische und friedensvermittelnde Maßnahmen nicht fruchten. Dann sollten, so die Vorsitzenden der Europäischen Bischofskonferenzen und der Vorsitzende des EU-Bischofsrates, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, „Entscheidungen [getroffen werden], die jetzt notwendig sind, um diese Akte der Brutalität zu stoppen". Dabei wird auch Papst Franziskus aus einem Appell an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wie folgt wiedergegeben:

    Er wende sich an den UN-Generalsekretär, um ihm „Ängste, Leiden und von Herzen kommende Schreie der Verzweiflung von Christen und Angehörigen anderer religiöser Minderheiten des geliebten Irak vorzutragen“, heißt es in dem vom Vatikan veröffentlichten Brief an Ban.

    Die internationale Gemeinschaft müsse ein „Ende der humanitären Tragödie“ herbeiführen, schrieb der Papst.

    Angesichts der tragischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts müsse sie „alles ihr Mögliche zu tun, um weitere systematische Gewalt gegen ethnische und religiöse Minderheiten zu verhindern“. Dies müsse insbesondere durch die Vorschriften und Mechanismen des Völkerrechts erfolgen: „Ich ermutige alle zuständigen Organe der Vereinten Nationen, insbesondere jene, die für Sicherheit, Frieden, humanitäres Recht und Flüchtlingshilfe verantwortlich sind, ihre Bemühungen im Einklang mit der Präambel und den einschlägigen Artikeln der UN-Charta fortzusetzen."

    Neben dem Gebet für den Frieden und die Opfer der Gewalttaten sowie die Entsendung eines Sonderbotschafters kann die Kirche kaum mehr ausrichten. Auch bei vielen derjenigen, die nicht Mitglied der Kirche sind, stellt sie als Institution doch eine Art moralische Instanz dar, deren Äußerungen man zumindest Beachtung schenkt. Insofern sind die Bitten der Kirche auch um militärischen Beistand in ihrer Signalwirkung nicht zu unterschätzen. Und diese Botschaften beantworten – zumindest für die Gläubigen der katholischen Kirche – hoffentlich auch die Frage, ob ein militärischer Einsatz in Situationen wie diesen (und in einem sicher noch zu definierendem Umfang) gerechtfertigt ist.

    Meine Meinung habe ich dazu (hier) schon geschrieben und nun bin ich froh, mich damit auch offiziell an der Seite von Kirche und Papst wiederzufinden.

  • Wirtschaft, Neid und Gewissen: CSR

    Vor kurzem ging die Nachricht von in Kleidungsstücken der Billig-Modemarke Primark eingenähten Hilferufen von Arbeiterinnen aus China durch die Presse, in denen berichtet wird, die Betroffenen würden zur Arbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen gezwungen. Mittlerweile ist offenbar nicht mehr ganz klar, ob einzelne der gefundenen Hinweise nicht eher einer Kampagne gegen die erfolgreiche Marke entstammen, das Ergebnis ist aber, so die WirtschaftsWoche, ein deutlicher Imageschaden, der sich wohl auch in zukünftigen Verkaufszahlen wiederspiegeln dürfte.

    Gleichzeitig zieht ein – für Verbraucher noch schwer durchschaubarer – Trend unter der Abkürzung CSR auf: Corporate Social Responsibility. Gemeint ist damit, dass Unternehmen neben ihrem wirtschaftlichen Zweck auch eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten. Und man wäre nicht in der (nicht nur deutschen) halbsozialen Planwirtschaft, wenn dieser Begriff sich nur einfach als Managementtrend etablieren würde und nicht gleichzeitig den Gesetzgeber auf den Plan riefe: CSR nicht als zusätzliches Engagement von Unternehmen und Unternehmern sondern als Verpflichtung inklusive Berichtspflichten. Unternehmen, so der Wille insbesondere linker Politiker, aber auch alle anderen Staatsgläubigen sind damit in unterschiedlichen Ausprägungen einverstanden, sollten einen Beitrag zur Gesellschaft liefern.

    Das können Beiträge zum Umweltschutz sein, Kulturförderung, besondere Integrationsleistungen für Mitarbeiter und auch Kunden mit Migrationshintergrund oder Behinderungen, gemeint ist auch alles, was heute unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ angepriesen wird, es meint insbesondere das Abstandnehmen von ethisch zweifelhaften Geschäftspraktiken wie die oben beschriebene potenzielle Beschäftigung von Zwangsarbeitern oder Kindern in Zweite-oder-Dritte-Welt-Ländern.

    Nun ist es eine Sache, die Allgemeinheit schädigende Geschäftspraktiken zu verbieten und zu sanktionieren, eine andere ist es, Unternehmen zu bestimmten Handlungen zu zwingen, die mit dem Geschäftszweck gar nichts zu tun haben. Ob ein Unternehmer also – nehmen wir ein einfaches Beispiel – eine Armenküche finanziert, weil er sich davon einen Imagegewinn verspricht oder weil er eine soziale Verantwortung spürt, der er nachzukommen versucht, ist für die Nutznießer sicher erst mal egal. Für den Unternehmer ist es aber nicht egal, ob er es aus diesen Erwägungen heraus tut oder – per Gesetz oder gesetzlich auferlegter Berichtspflichten quasi per Gesetz – gezwungen wird, sich gesellschaftlich zu engagieren.

    Eine derartige Entwicklung zeigt zwei Problemstellungen auf, die in der Beschreibung vielleicht deutlich geworden ist: Erstens verlagert man gesellschaftliches Engagement von Menschen, in diesem Fall Unternehmern, weg zu Unternehmen. Und gleichzeitig zwingt man Unternehmen eine geänderte Zielsetzung auf, die dem eigentlichen Unternehmenszweck durchaus zuwiderlaufen kann. Die Kernkompetenz eines Chemie-, Energie- oder Stahlbauunternehmens ist in aller Regel eben nicht der Umweltschutz sondern die Produktion von Gütern – dass man dabei aus gesetzlichen Gründen Kompetenzen im Umweltschutzbereich benötigt ist eine ganz andere Frage. Und die Kernkompetenz einer Bank ist normalerweise nicht die Integration von Migranten – wenn es sich für sie auch lohnen mag, Migranten im Sinne der Unternehmenskultur adäquat zu integrieren.

    Warum also sollte man versuchen, Unternehmen über das notwendige Maß des Schutzes der Gesellschaft vor Schäden durch das Unternehmen hinaus, zu zwingen, gesellschaftlich tätig zu werden? Die Antwort ist so einfach wie entlarvend: Weil man den unternehmerischen Zweck nicht als gesellschaftlichen Nutzen zu erkennen vermag! Wer ein Unternehmen gründet oder auch nur als Manager leitet, beschäftigt Menschen, die dort ihren Lohn verdienen können. Er stellt Produkte her, die Menschen benötigen (oder zumindest gerne hätten) und die das Leben ermöglichen, verbessern oder verschönern. Kein Mensch braucht – zum Beispiel – ein Smartphone, aber es ist erstens ein angenehmes „Gadget“, erleichtert – zumindest vernünftig eingesetzt – Arbeit und Kommunikation und ermöglicht zwischenzeitlich fast eine eigene Industrie, erweitert Vertriebswege anderer Unternehmen, ist selbst Basis für weitere Produktinnovationen in ganz anderen Branchen etc.pp.

    Es ist vermutlich nicht so, dass Apple und Co so etwas aus reiner Menschenfreundlichkeit tun, aber selbst der egoistischste Unternehmer muss ein Produkt anbieten, dass die Kunden haben wollen (übrigens mit einer ebenfalls entlarvenden Ausnahme: Tritt der Staat als Produzent auf, zwingt er nicht selten zur Abnahme – oder zahlen Sie freiwillig Rundfunkgebühren?), und er muss es auf eine Weise tun, wie es Primark gerade schmerzhaft und womöglich sogar ungerecht lernt, dass die Kunden nach dem Erwerb auch noch mit gutem Gewissen in den Spiegel sehen können. Alle anderen Aktivitäten, die den Unternehmenszweck nicht dienen, sind betriebswirtschaftlich eine Fehlallokation von Investitionen, deren Folge ist, dass in der Tendenz weniger Mitarbeiter eingestellt und/oder Produkte teurer und damit weniger verkauft werden, Innovationen nicht getätigt werden können, und – ganz nebenbei – freiwilliges gesellschaftliches Engagement eingeschränkt wird. Der gesellschaftliche Schaden des CSR lässt sich wohl nicht genau kalkulieren, offensichtlich ist er dennoch.

    Es fällt nur niemandem auf, weil in unserer Gesellschaft der Konsens herrscht, dass Unternehmer und Unternehmen raffgierige Gesellen sind, die nichts für die Gesellschaft tun und die man darum dazu zwingen muss, von ihrem Reichtum abzugeben, schließlich soll doch Kapital und Reichtum verpflichten. Die hässliche Fratze des Neides hebt ihr Gesicht, wenn ein Unternehmer nicht nur erfolgreich sein sollte (und damit in aller Regel gesellschaftlichen Nutzen stiftet) sondern sich dieser Erfolg auch noch in seinem persönlichen Wohlstand niederschlägt. „Der soll doch mal was für die Gesellschaft tun“ heißt es dann, ohne dass man auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt, wie die Gesellschaft im Umfeld eines Unternehmens aussähe, wenn kein Unternehmer die Initiative ergriffen hätte.

    Ich bin in letzter Zeit öfter über den Begriff des CSR gestolpert, und ich habe ihn hier – nicht ganz aber doch ein bisschen themenfremd – ins Spiel gebracht, weil dieser Trend geeignet ist, die Gesellschaft nachhaltig (!) zu schädigen, Selbstverantwortung zu reduzieren und sie in Summe weniger lebenswert zu machen – von den skizzierten wirtschaftlichen Folgen ganz zu schweigen. Ob eine Gesellschaft staatliches soziales Engagement im Sinne einer „GSR“ (ersetze „Corporate“ durch „Government“) befürwortet und dafür bereit ist, horrende Steuern zu zahlen, deren Finanzierung privatwirtschaftlich viel besser angelegt wäre, habe ich hier schon des Öfteren thematisiert und in Zweifel gezogen – Unternehmen aber zu Maßnahmen für diesen gesellschaftlichen Zweck zu verhaften und ihren eigentlichen Zweck und ihren gesellschaftlichen Nutzen damit einzuschränken, ist eine Potenzierung dieser Perversion des Denkens in Freiheit und Gerechtigkeit.

    Unternehmen wie Primark lernen aus Käuferverhalten oder sie verschwinden vom Markt – mehr Corporate Social Responsibility, die eigentliche eine persönliche Verantwortung des Kunden ist, braucht kein Mensch!

    Apropos Nachhaltigkeit: in unserer Unternehmenskantine gab es heute Mittag „nachhaltig gefangenen Kabeljau“ – der ist mir nicht vom Teller gesprungen, mehr Nachhaltigkeit erwarte ich von einem Fischfang eigentlich gar nicht …

  • Sind Pazifisten potenzielle Mörder?

    Ich gebe zu, die Frage im Titel, ob Pazifisten potenzielle Mörder seien, ist provokant gestellt – und ich habe sie bewusst als Frage formuliert und nicht in einem Brustton der Überzeugung, wie der eine oder andere Pazifist Soldaten als potenzielle Mörder bezeichnet, und das gerichtsbestätigt auch tun darf. Aber die Fragestellung kann einen schon umtreiben, wenn es heute noch immer Menschen gibt, die angesichts der Lage religiöser Minderheiten wie Christen, Jesiden oder auch islamische Glaubensrichtungen im Irak und in Syrien, auf friedliche Lösungen pochen.

    Gideon Böss hat auf seinem feinen Welt-Blog schon mal festgestellt, wie Pazifismus in der aktuellen Situation zu werten ist:

    Und genau das ist das Problem mit Pazifismus. Er ist eine feige Ideologie, die keine Verantwortung übernimmt, die Schwachen und Verfolgten dieser Welt im Stich lässt und sich dabei trotzdem als moralisch überlegen begreift. Den Preis für das porentief reine Gewisse der Pazifisten zahlen jene Menschen, die wehrlos einem Mob bewaffneter Psychopathen gegenüberstehen. So wie die Opfer von ISIS, die von den Käßmanns dieser Welt keine Hilfe erwarten können, denn Krieg kann nie und Dialog muss immer die Lösung sein. Auch dann, wenn der Dialogpartner keine Lust auf Dialog hat, weil er viel lieber seinem Gott ein weiteres Menschenopfer darbringen will. Und noch eines und noch eines, weil ihm das gefällt und ihn niemand aufhält, weswegen er auch nicht damit aufhören wird, bis ihn jemand aufhält. Und dieser Jemand wird mit Sicherheit kein Pazifist sein.

    Böss bezieht sich hier explizit und exemplarisch auf Margot Käßmann, frühere EKD-Ratsvorsitzende und jetzige Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, die sich immer wieder mit Kritik an Militäreinsätzen hervorgetan hat, für das Gebet mit den Terroristen von Al Qaida plädiert und gerade eben die Abschaffung der Bundeswehr gefordert hat – als „Utopie“ zwar, aber doch begründet mit der deutschen Geschichte und in Distanzierung zum deutschen Bundespräsidenten, der in einem seiner wenigen hellen Momente im Amt den Krieg als letztes Mittel sieht (was ihn in den Augen seiner Kritiker schon wieder zum „Kriegshetzer“ macht), also mit recht konkreten Vorstellungen.

    Nun kann kein Christ mit dem Zustand des Krieges, der Gewalt oder auch nur der Zwietracht zufrieden sein, kein Christ sollte Gewalt als Mittel der Durchsetzung eigener wirtschaftlicher oder politischer Interessen propagieren. Der Journalist Klaus Kelle stellt aber in seiner wöchentlichen Kolumne in der Rheinischen Post „Politisch Inkorrekt“ die richtige Frage:

    Aber meine ganz konkrete und ernst gemeinte Frage an die Pazifisten: Wie stoppt man das Morden der Isis ohne Einsatz massiver militärischer Gewalt? Oder was ist die Alternative? Wegschauen? Überlassen wir die nach UN-Angaben derzeit 200 000 Menschen, die auf der Flucht sind, ihrem Schicksal? […]

    Aber von den aus ehrlicher Überzeugung geleiteten Pazifisten würde ich gern erfahren, wo beim Isis-Vormarsch die friedliche Lösung ist, die ich nicht zu erkennen vermag.

    Ich bin versucht, die Frage als rhetorische aufzufassen. Denn wie Kelle in der Kolumne ebenfalls richtig feststellt, geht es den Terroristen der IS ja nicht um Verhandlungen, es geht nicht um nachvollziehbare Forderungen, denen man sich zumindest auf dem Wege des Kompromisses annähern könnte. Damit aber wird der Völkermord, der sich dort vollzieht zu einem Lackmustest der westlichen Gesellschaft – Wie reagieren wir auf die Vorgänge, nehmen wir sie ernst, berührt uns das Leid der betroffenen Menschen und mündet das in Aktionen? – aber auch des Pazifismus!

    Denn die Frage, die sich beim Pazifismus (verstanden als Ideologie der absoluten Gewaltlosigkeit, nicht des Wunsches und Strebens nach Frieden) stellt, die jeder Pazifist beantworten muss, und die derjenigen aus dem obigen Beitrag ähnelt, lautet: Wie gehe ich mit Gewalt gegen andere Menschen, seien es die eigene Familie oder völlig unbekannte fremde Völker um, wie schütze ich andere vor Gewaltanwendung durch Aggressoren, wenn ich die Waffe in der Hand (mit dem Willen sie auch einzusetzen) ablehne? Und – und damit komme ich zur Ausgangsfrage – welche zumindest moralische Verantwortung übernehme ich damit?

    Der Pazifist nimmt selbst keine Waffe in die Hand, bezeichnet diejenigen als potenzielle Mörder, die es tun – und gibt keine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen, sondern überlässt andere Menschen in Erfüllung seiner Weltsicht ihrem grausamen Schicksal. Auch biblische Argumente eignen sich nicht zur Argumentation. Das immer wieder gern angeführte „wenn Dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“ (Matthäus 5,39) verfängt für einen persönlich, nicht aber für andere. Wenn ich wegen meines Glaubens angegriffen werde, dann kann ich die freie Entscheidung aus diesem Glauben treffen, mich nicht zu verteidigen und – für den Angreifer betend – den Tod erleiden. Ein solches Martyrium aber von anderen zu fordern, sie in ein Martyrium zu treiben, dazu fehlt jede biblische Grundlage.

    Moralisch betrachtet überantwortet also der Pazifist aus seiner eigenen ideologischen Sicht und sehenden Auges andere Menschen einem mörderischen Mob, nimmt deren Tod billigend in Kauf. Möglicherweise nicht juristisch, aber moralisch ist das nicht besser, als selbst zu töten. Insofern finde ich die Frage berechtigt, ob die ideologischen Pazifisten, die jede Anwendung von Gewalt kategorisch ausschließen, nicht tatsächlich Mittäter sind bei dem tausendfachen Mord, der sich in aller Welt gegen Minderheiten vollzieht.

    Das heißt übrigens nicht – solche schwarz/weiß-Malereien werden bei ideologischen Diskussionen gerne angeführt, deswegen weise ich noch mal darauf hin – dass jede Art von Gewalt gegen Gewalttäter gerechtfertigt wäre. Das stellt auch nicht in Abrede, dass es in den beschriebenen wie in den meisten Fällen militärischer Konflikte keine reine Monokausalität gibt, die andere Verantwortliche außen vor ließe. Es heißt ganz sicher nicht, dass wir Christen es unterlassen sollten für den Frieden, für die Opfer von Krieg und Gewalt und – so es uns denn hoffentlich gelingt – für die Täter zu beten. Aber die Hände zu falten und das Weltgeschehen alleine Gott und die Menschen sich selbst und ihren Peinigern zu überlassen, dazu – davon bin ich überzeugt – hat uns Gott nicht als Menschen mit eigenem Willen und freier Entscheidung erschaffen!

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