szmmctag

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Vielleicht ist es nur mein persönlicher Eindruck oder die katholische Bloggerwelt bereitet sich doch eher auf das Weihnachtsfest vor als dass viel gebloggt würde. Daher gibt es in dieser Woche einen im Vergleich zu den libertären Schreibern kurzen Ausflug in die Blogoezese.

    Interessant fand ich vor allem die Diskussionen um PEGIDA und Co, mit denen ich mich in dieser Woche auch beschäftigt habe und für die ich einzelne Beispiele ausgewählt habe. Mein Beitrag dazu wurde übrigens auch bei kath.net veröffentlicht mit einer lesenswerten anschließenden Diskussion: Sind PEGIDA-Teilnehmer Nazis?

    Und jetzt geht's aber los mit der wöchentlichen Linkrutsche:

    Katholisches

    Die englischsprachige aleteia beschreibt, wie die Medien 2014 Papst Franziskus ständig missverstanden haben:
    2014: The Year in Pope Francis Misunderstandings—How the Media Got it Wrong, Constantly

    Über den wohl bekanntesten evangelischen Liederdichter Paul Gerhadt schreibt Weihrausch und Gnadenvergiftung:
    Paul Gerhardt

    Alipius Müller macht sich auf totaliter aliter Gedanken über Pegida und verlinkt - neben meinem - auf zwei weitere Beiträge der Blogözese:
    "Pegida"...

    Einen etwas anderen Blick auf mein Thema "Kinder in der Kirche" wirft der Kreuzknappe - irgendwo zwischen ihm und mir wird wohl die Wahrheit liegen:
    Papst: Kinderlärm und Kinderweinen in der Heiligen Messe sind die beste Predigt!

    Einen interessanten Grund, warum man die Bibel lesen sollte, ist bei Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin nachzulesen:
    Lesetip für immer

    Auf Annuntiator habe ich diese kleine aber schöne Betrachtung über den Rosenkranz gefunden:
    Ist der #Rosenkranz die #Hand Gottes?

    Ebenfalls kurz aber passend finde ich diesen Beitrag von Bellfrell zum Terror der Al Kaide in Pakistan:
    Welchen Schmerz?

    Libertäres

    Roland Tichy im Interview mit den Sons of Libertas über Funktionäre, Sozialstaat, Berlin, Ludwig Erhard, Google, Amazon, Fernbusse, Gewerkschaften, Mindestlohn, Mietpreisbremse, TTIP, Euro und vieles weitere...:
    Sons of Libertas & Roland Tichy (Wirtschaftsjournalist)

    Ob sich ein Demonstrationsrecht auf öffentlichen Straßen mit libertären Grundsätzen verträgt, oder ob das Antidemonstrationsgesetz in Spanien gegen die Freiheit gerichtet ist, darüber hat Tomasz M. Froelich auf Freitum geschrieben:
    Antidemogesetz in Spanien: Ist Demonstrationsfreiheit libertär?

    Ich bin eigentlich USA-Fan, aber die bei Le Penseur wiedergegebene Statistik hinterlässt mich sprachlos:
    »Umfrage zu CIA-Bericht: Mehrheit der US-Bürger für Folter«

    Glauben Sie - passt irgendwie dazu - dass Recht und Gesetz Synonyme sind? Dann empfehle ich den Beitrag von Ferdinand A. Hoischen auf dem Blog des Ludwig von Mises Institut:
    Gesetz und Recht

    Auch dazu passend: Was ein Unrechtsstaat (nicht) ist und was ein Folterstaat (nicht) ist, darum geht es vordergründig in Meister Petzs Beitrag in Zettels Raum:
    Doppelzitat des Tages: Differenzierung und Pauschalisierung

    Susanne Kablitz empfiehlt - wie ich - die Freiheitskeime 2015 für den Gabentisch ... und ich empfehle Susanne Kablitzs Beitrag "Männer sind Schweine" in diesem libertären Lesebuch:
    Männer sind Schweine …

    In Roland Tichys Interview mit den Sons of Libertas finden sich unaufgeregte Wahrheiten über den real existierenden Sozialismus, die Medien, Mindestlöhne etc.
    Interview Sons of Libertas & Roland Tichy, 14.12.2014

    Ebenfalls auf Roland Tichys Blog etwas vom besten, was ich zum Thema Pegida gelesen habe:
    Pegida: Die Schweigsamen und das Lärmen der Medien

    Auch lesenswert der Beitrag zu dem Thema von Markus Werner auf eigentümlich frei:
    Pegida: Demonstrationsfreiheit? Ja. Aber!

    Und da ich hier ja des Öfteren Beiträge der eigentümlich frei verlinke: Wer sich das Magazin im Abo zulegen möchte, für den gibt es gerade ein schickes "Weihnachtsangebot":
    Abonnement: Weihnachtsaktion 2014

    Und nun wünsche ich natürlich noch allen Lesern einen gesegneten vierten Advent und ein erholsames Wochenende!

    Der Papsttreue

  • Gottes Segen!

    Beinahe hätte ich es verschwitzt (und das als Papsttreuer):

    Herzlichen Glückwunsch, alles Gute, Glück, Gesundheit und ein langes Leben und - vor allem - Gottes reichen Segen zum Geburtstag, Papst Franziskus!

    papst-franziskus
  • Wo es brennt...

    ISIS, Al Kaida und Boko Haram morden – im Namen des Islam.

    Die Welt brennt – nicht, wie man sprichwörtlich sagen würde an allen Ecken, aber doch an vielen. Und wenn man eine Annäherung versucht, wo es denn am meisten brennt, dann sind das die Ecken, in denen der Islam auf dem Vormarsch oder an der Macht ist. In anderen Krisenherden, nehmen wir mal die Ukraine, hat man zumindest das Gefühl mit Verhandlungspartnern zu tun zu haben, deren Position man zwar nicht teilen mag, denen man aber doch eine gewisse Vernunft nicht absprechen kann. Auch wenn ich die russische Position nicht teile, kann ich mir aber vorstellen, wie sie entstanden ist.

    Mit dem islamistischen Terror, den wir gerade wieder im Mord an mehr als Hundert Schulkindern in Pakistan erleben durften, ist das etwas anderes – hier hat offenbar jede Logik ausgesetzt. Alles, was mit dem Morden der IS, Al Kaida oder Boko Haram erreicht wird ist die Verbreitung von Angst und Schrecken und die völlige Ablehnung der von den Terrorgruppen besetzten Positionen. Zielführend erscheint das – zumindest aus christlicher oder westlicher Sicht – nicht, und doch gibt es auch bei uns nicht wenige, die tatsächlich für Verständnis werben, die nicht wahrhaben wollen, dass islamistische Gruppen in Deutschland um keinen Deut besser sind als die Mörder von Peschawar, ihnen nur die Möglichkeiten fehlen so zu agieren – Noch mal: Wo der Islam herrscht, brennt die Welt!

    Wenn ich die Schlagzeilen zum islamistischen Terror lese, überkommen mich ganz und gar unchristliche Gefühle. Ich hatte das an anderer Stelle schon mal geschrieben: Es fällt mir zunehmend schwer, für die Täter zu beten. Ja, es fällt mir schwer, in ihnen etwas anderes zu sehen, als tollwütige Tiere – nur gut, dass es nicht an mir ist, ein ewiges Urteil über sie zu sprechen!

    Und in dieser Situation diskutiert Deutschland darüber, ob man gegen Tendenzen der Islamisierung (wohlgemerkt weder gegen den Islam an sich noch gegen friedlich intergierte Muslime) demonstrieren darf, ob die Demonstrationen von PEGIDA und Co. nicht fremdenfeindlich und rassistisch wären. Dabei ist doch das Endziel der Islamisten klar: Die Islamisierung Europas und der Welt. Dass auch der normale Moslem seinen Glauben verbreiten möchte, dafür kann ich als Christ Verständnis haben. Dass ich als Christ solche Bestrebungen aber mit aller Macht ablehnen muss – dafür sollte auch ein Moslem Verständnis haben.

    Ob sich die Teilnehmer der Demonstrationen in Dresden und anderswo diese Gedanken gemacht haben? Wer weiß das schon im Einzelfall. Ob sich unter sie nicht auch neonazistische Dumpfbacken mischen, die versuchen, diese Veranstaltungen zu kapern? Mag schon sein, und die Veranstalter tuen gut daran, sich deutlich von diesen Gruppen zu distanzieren. Aber eine Demonstration gegen die Islamisierung wird dadurch nicht weniger nachvollziehbar.

    Ob es in Deutschland angesichts islamistischer Sympathisanten, die antijüdische Parolen brüllen und ihren bewaffneten Kampf in unsere Straßen tragen, bereits brennt, darüber kann man streiten. Aber um es noch einmal zu sagen: Wo in der Welt der Islam herrscht, da brennt oder schwelt es, da werden Frauen gesteinigt und Kinder ermordet – die Ängste von Bürgern vor einer solchen Entwicklung sollten auch Politiker im Berliner Elfenbeinturm nachvollziehen können und sie nicht mit dumpfem Ausländerhass verwechseln!

  • Kinder sind ein Segen für die Kirche

    Regen Sie sich über weinende und herumlaufende Kinder in der Messe auf? Oder über diejenigen, die sich über sie aufregen?

    Der Papst hat es mal wieder geschafft – er macht sich unbeliebt, jedenfalls dann, wenn die kath.net-Meldung es in die Mainstreampresse schaffen sollte. Dort heißt es:

    Nicht weinende Kleinkinder, sondern Kirchgänger, die sich über sie beschweren, sind nach Ansicht von Papst Franziskus eine Zumutung: "Mich stört es sehr, wenn ein Kind in der Kirche weint und es Leute gibt, die nicht gestört werden wollen und sagen, das Kind soll nach draußen", sagte er am Sonntagabend vor Eltern von Säuglingen und Kleinkindern in einer römischen Pfarre. Die Tränen eines Kindes seien die "beste Predigt" so der Papst; "sie sind wie die Stimme Gottes; verjagt sie nie aus der Kirche". Es sei normal, dass Kinder weinten, Lärm machten und "mal hier und mal dorthin" gingen.

    Bestimmt gibt es den einen oder anderen, der dem Papst jetzt wieder vorwerfen wird, sich über Konventionen der Messe hinwegzusetzen, wenn er Kinder ermutigt, sich dort wie Kinder zu benehmen. Doch für meine gestresste Elternseele sind seine Worte Balsam!

    Kleine Kinder in der Messe – auch unsere, die natürlich die liebsten und goldigsten der Welt sind! – stellen die Gemeinde auf die Probe. Sie plappern manchmal los, turnen auf den Bänken, stoßen sich hier und da, weinen aus Leibeskräften und erkunden die Kirche – wenn man sie ließe bis in den Altarraum – als wäre es ihr Kinderzimmer. Nach unserer – meiner Frau und meiner – Erfahrung ist es gerade in einem Alter zwischen 1 und 3 Jahren schwierig, die Kinder so zu beruhigen, dass sie für die Älteren keine Störung mehr darstellen. Wer Kinder in dem Alter hat und eine Messe trotzdem noch von Anfang bis Ende verfolgen und in rechter Weise mitfeiern kann: Respekt – und bitte Tipps an mich!

    Aber folgt man den Worten des Papstes, dann ist die Geräuschkulisse von Kindern gar keine Störung sondern eben eine „Predigt“. Und auch hier sind unsere Erfahrungen unterschiedlich: Je nach Gemeinde seufzen manche schon, wenn man mit den Kindern die Kirche auch nur betritt. Andere lächeln die Kinder auch dann an, wenn man sie als Eltern schon unausstehlich findet und bestärken Eltern, trotz lärmender Kinder weiter in die Messe zu kommen. Und als Eltern fühlt man sich in den erstgenannten Gemeinden direkt unter Beobachtung, während man sich in den zweitgenannten von der Gemeinde getragen fühlt.

    Von einem Priester habe ich im Zusammenhang mal die Frage gehört: „Wer hat eigentlich gesagt, dass man nur in Stille beten kann?“ Und die Worte Jesu, die Kinder zu ihm kommen zu lassen (vgl. Markus 10,14), interpretiere ich nicht als Dogma in dem Sinne, dass die Kinder alles machen sollen, was sie wollen, aber dass auch hier Rücksicht gegenseitig gefordert ist: Eltern kleiner Kinder sollten Rücksicht auf die Gemeinde nehmen, aber die Gemeinde auch Rücksicht auf die Belange der Kinder! Nur weil unsere Tochter durch die Kirche stromert um wirklich jedem den Friedensgruß zu spenden, werden wir sie nicht einfangen und ein Weinen erst provozieren.

    Natürlich gibt es „Kleinkindermessen“ aber abgesehen von teilweise bedenklichen liturgischen Sonderlocken, die dort gefahren werden, sollten sich doch unsere Kinder in einer ganz normalen Messe zurechtfinden und wohlfühlen. Sind Kinder dagegen so offensiv nicht willkommen, wie man das bisweilen erlebt, muss man sich nicht wundern, wenn sie in späteren Jahren auch keine Liebe mehr zur Messe entwickeln können.

    Die Worte des Papstes bestärken mich in der Ansicht, dass Kinder in die Heilige Messe gehören. Sie bestärken mich in dem Wunsch, unseren beiden alle Aspekte der Messe erfahrbar zu machen. Sie bestärken mich, dass sie lernen sollen, eine Messe mit allen Sinnen – und manchmal auch mit den Füßen – zu erleben. Das heißt nicht, dass ich in Extremsituationen auch mal raus gehe; aber ich erwarte, nicht für mich aber unsere Kinder und für jedes kleine Kind, Rücksicht auch der Gemeinde für die Belange der Kinder. Wer Rücksicht nur für sich selbst einklagt, hat ohnehin etwas Wesentlich nicht verstanden.

  • Halten wir PEGIDA und den Islam aus?

    Sind PEGIDA-Teilnehmer Nazis? Darf man ein Demonstrationsrecht einschränken, wenn es gegen rechtsstaatliche Position geht? Und wieso muss man Islamisten genau so aushalten wie PEGIDA? Ich hoffe, ich kann zur Beantwortung dieser Fragen zumindest ein paar Anregungen liefern!

    Die Presse scheint sich mal wieder einig: PEGIDA („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) und Co, also Bürger, die in Sorge um Probleme die sich aus Zuwanderung aus unterschiedlichen, insbesondere islamischen Kulturkreisen ergeben, auf die Straße gehen – in Dresden mehr als 10.000, in anderen deutschen Städten meist mehrere Hundert – sind entweder Nazis oder von Nazis Verführte. Wer sich Aufklärung über Hintergründe dieser Bewegung erhofft, der kann sich – was einen hinsichtlich des Themas nicht wundert – auf Mainstreammedien nicht verlassen.

    Unrühmliches Beispiel war die gestrige Talkshow bei Jauch, die zu einem Tribunal gegen die AfD ausartete ohne auch nur über Platitüden hinaus gehende Hintergründe zu PEGIDA zu liefern … wobei ich zugeben muss, dass ich nach etwas einer Dreivierteilstunde entnervt aufgegeben und abgeschaltet habe um mich darüber aufzuregen, dass Günther Jauch mit solchen Nullnummern nicht schlecht von meinen, von unseren Zwangsgebühren lebt!

    Selbst der dort immer wieder angegriffene Bernd Lucke, Parteivorsitzender der AfD, konnte sich nicht zu einer eindeutigen Aussage durchringen: Die handelnden Personen an der Spitze von PEGIDA erschienen ihm dubios, die offiziellen Forderungen dagegen nachvollziehbar. Aus kirchlicher Sicht gibt es zwischenzeitlich ein bisschen Orientierung, die aber natürlich keinen „lehramtlichen“ Charakter hat; anders gesagt: auch der Kölner Kardinal Woelki kann irren, wenn er PEGIDA und die Hooligans in einen Topf wirft und gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur feststellt: „Solche 'Retter des Abendlandes' brauchen wir nicht“. kath.net zitiert den Kardinal wie folgt:

    Weiter betonte Woelki, Gewalt sei nie religiös zu rechtfertigen. Pervertierungen, die es leider sowohl in der Geschichte des Christentums als auch des Islam gegeben habe, dürften nicht mit der Religion gleichgesetzt werden. „Es ist nicht in Ordnung, angesichts von Gewaltexzessen etwa der Terrormiliz 'Islamischer Staat' Muslime pauschal zu diskriminieren“, hob der Kardinal hervor. „Andererseits haben militante Salafisten in einem pluralen Rechtsstaat nichts zu suchen.“ Auch hiergegen gelte es, mit rechtsstaatlichen Mitteln vorzugehen, sagte Woelki.

    Nun ist die offizielle Lesart der PEGIDA wohl eine, die dazu passen dürfte: Wer als Moslem in Deutschland lebt und sich rechtsstaatlichen Regelungen unterwirft, der ist erst mal willkommen. Gerade aber die „Exzesse“ sind es, bei denen es manchen nicht mehr klar ist, ob sie überhaupt Exzesse sind oder doch eher Teil des Islam?

    Ich fürchte, auch ich werde nicht ohne weiteres eine Antwort auf die Frage finden, ob es sich bei PEGIDA um die Artikulation berechtigter Sorgen handelt oder um das Symptom eines anwachsenden Rechtsextremismus. Vielleicht kann man aber artikulieren, was in Deutschland in Ordnung gehen sollte, wenn Menschen aus anderen Kulturkreisen ihre Heimat in Deutschland suchen, und was nicht?

    So war auf Aufnahmen einer PEGIDA-Demonstration der skandierte Spruch zu hören „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“ Das wäre nicht meine Forderung. Wer hierher kommt, sei es Flüchtling, sei es als dauernder Zuwanderer, der hinterlässt zunächst mal eine andere Heimat, die er vermutlich auch dann liebt, wenn seine Landsleute ihm dort das Leben zur Hölle gemacht haben. Von niemanden kann ich also verlangen, er müsse unser Land lieben (mal abgesehen davon, dass das wohl auch kaum anhand von Kriterien überprüfbar wäre).

    Etwas anderes ist die Forderung nach Toleranz und Akzeptanz – der deutschen Kultur und des Rechtsstaates! Neutral kann man diese Begriffe nämlich auch als Forderung an Zuwanderer richten: Eine gastgebende Kultur sollte von Zuwanderern zumindest toleriert, eher akzeptiert – im Sinne eines Bestrebens des Verstehens und der Mitarbeit – werden. Letzteres ist eine Forderung, die schwer zu erfüllen ist, wenn eigene kulturelle Vorlieben denen bei „uns“ diametral widersprechen. Ein aktives Bestreben nach Einführung einer Paralleljustiz und –gesellschaft würde aber darauf hindeuten, dass es auch mit der Toleranz nicht allzu weit her sein kann. Und ja, ich komme nicht umhin, denen, die der westlichen Kultur diametral entgegenstehen – ganz unabhängig davon, ob sie in einer Religion die Mehrheit oder die Minderheit darstellen – das Recht abzusprechen, unsere Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen.

    Dabei stellt sich dann direkt die Frage nach dem entsprechenden Status von Flüchtlingen: Die Forderung des „Stammtischs“, diejenigen wieder nach Hause zu schicken, die sich nicht anpassen wollen, kollidiert im Zweifel mit Gefahren in deren Heimatland. Das ist vielleicht vergleichbar mit Kindern: Wer droht, muss auch wahrmachen! Wenn also damit gedroht wird, einen Asylbewerber aufgrund illegaler Aktivitäten wieder in seine Heimat zurück zu schicken, dann wird einem nichts anderes übrig bleiben, als das auch umzusetzen. Und jetzt stelle man sich die Schlagzeile vor, dass dieser Mensch in seiner Heimat umgebracht wird! Der Rechtsstaat, wir als Bewohner eines Landes, können uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen, sollten aber zumindest Scheu davor haben, einen Menschen seinen Peinigern wieder auszuliefern, macht man sich doch dann mitverantwortlich für eine „Bestrafung“, die unser Rechtsstaat nicht vorsieht. Die vermeintlich einfache Forderung „Illegale raus!“ geht so aus christlicher Sicht eben gar nicht … so wenig wie ich eine Lösung hätte für hartnäckige „Integrationsverweigerer“.

    Damit sind nur zwei kleine Teile der Problematik beschrieben, die hoffentlich deutlich machen, dass es in Asyl- und Zuwanderungspolitik keine einfachen Lösungen gibt: Weder ist jeder Zuwanderer eine Bereicherung noch ist jeder Fremde eine Gefahr – und die Verteilung auf diese Kategorien unterscheidet sich auch noch nach Herkunftsland und –kultur. Anders ist auch nicht zu erklären, warum es bestimmte Zuwanderergruppen gibt, bei denen immer wieder Schwierigkeiten auftauchen, während andere ihre Integration selbst mit vorantreiben.

    Integration – und das notwendige Maß – ist aber auch eine Frage der persönlichen Freiheit: Wenn ich oben von der „Toleranz des Rechtsstaats“ geschrieben habe, dann zögere ich selbst unweigerlich. Muss man alles gut und richtig finden, nur weil es „rechtsstaatlich“ abgesichert ist? Um ein dezidiert christliches Thema zu nennen: Faktisch (wenn auch im Gesetz anders geregelt) hat jede Frau das Recht, ein Kind nach einer Beratung innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate abzutreiben (eigentlich kann sie es nur straffrei tun, was aber in der Konsequenz das gleiche ist). An diese rechtsstaatlich abgesicherte Lösung werde ich mich nicht gewöhnen, ich werde sie niemals akzeptieren und toleriere sie nur insoweit, als ich mit wiederum rechtsstaatlichen Mitteln – zurzeit – nur wenig dagegen tun kann.

    Wo aber ist dabei die Grenze: Was ist, wenn jemand die Gleichberechtigung von Frauen für einen modernistischen Fehler hält? Was ist, wenn jemand meint, die Diskriminierung anderer Religionen oder Lebensweisen sei moralisch in Ordnung? Was, wenn sich so jemand im Rahmen der bestehenden Gesetze für eine Änderung in diesen und anderen Themenfeldern einsetzt? Er hat eine Meinung und versucht, für sie „Werbung“ zu machen. Kann man ihm das in einem Rechtsstaat, kann man ihm das in einer freiheitlichen Grundordnung untersagen? Kann ich Werbung für die Einführung der Scharia als islamisches Rechtssystem verbieten ohne das Recht auf freie Meinungsäußerung einzuschränken?

    Das wiederum bringt mich zu einem Schluss, der mich als Libertären nicht loslässt: Solange wie man die Freiheit des anderen nicht einschränkt, sollte man für jedes Thema Werbung machen dürfen, dass sich einigermaßen argumentieren lässt (ich weiß selbst, wie wachsweich diese Eingrenzung ist): Demonstrationen pro Islamisierung sind insofern ebenso zulässig wie solche gegen den Islam. Eine der Seiten von vorneherein vom Dialog auszuschließen lässt nur auf eine etwas sonderbare Einstellung gegenüber einer freiheitlichen Grundordnung erkennen, die nur das zuzulassen bereit ist, was man selbst für opportun hält. Der libertäre Grundlagendenker und „Vater“ der österreichischen Schule der Nationalökonomie Ludwig von Mises hat es auf den entscheidenden Punkt gebracht: „Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.“

    Wenn sich das Befürworter und Gegner der Aktion PEGIDA, auch Befürworter und Gegner einer verstärkten Berücksichtigung der Religion – egal ob christlich, muslimisch oder von mir aus auch des fliegenden Spaghettimonsters – in der Gesellschaft hinter die Ohren schreiben würden, wäre schon viel gewonnen. Übrigens ein Anspruch, an dem ich selbst oft scheitere, was ihn aber nicht schlechter macht.

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