szmmctag

  • Islamismus: Der rosa Elefant

    Wer gestern Abend die Talkshow Günther Jauchs unter dem Titel „Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime?“ gesehen hat, dem mag – wie dem Neuköllner Bügermeister Heinz Buschkowsky möglicherweise der Blutdruck hochgegangen sein. Eingeführt als Prediger einer salafistischen Moschee mochte der Imam Abdul Adhim Kamouss die ihm zugedachte Rolle nicht bestätigen, hat sich aber auch drum herum gewunden, sich von dieser radikalen Islamrichtung zu distanzieren. Günther Jauch musste hilflos zusehen, wie Kamouss die Sendung an sich riss und sprachgewaltig Werbung für den Islam machte; lediglich Buschkowsky und der vorn mir geschätzte CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hielten gegen.

    Ich mag, wenn ich ehrlich bin, zwischenzeitlich keine politischen Talkshows mehr, in denen ich eigentlich nichts Neues erfahre, und ich mich bei jeder Äußerung eines Teilnehmers, egal welcher Seite, nur frage, wie der mich hinters Licht führen will. Nun habe ich mich aber gefragt, was mich eigentlich an dieser Sendung so besonders genervt hat … und bin eben mit einer Formulierung in einem Artikel der FAZ fündig geworden: Der rosa Elefant! Der gilt als Bild für etwas, das man eigentlich nicht übersehen kann, über das man aber nicht sprechen mag – möglicherweise weil man damit an Tabus rühren müsste.

    Da ging es zum Beispiel in einer Umfrage im Auftrag der Sendung um Frauenfeindlichkeit und Toleranz, bei deren Ergebnissen ich nicht sicher bin, ob die katholische Kirche besser abgeschnitten hätte (auch wenn der Imam – geschult als Prediger u.a. in einer Salafisten-Moschee in Berlin – Argumente aus dem Ärmel zauberte, die den Islam als Hort der religiösen Toleranz und der Gleichberechtigung der Frau darstellten). Mit anderen Worten: Vergleicht man religiöse Werte mit denen des gesellschaftlichen Konsenses, wird es schwierig über den Islamismus zu diskutieren. Eines bleibt aber Fakt, an diesem rosa Elefanten versuchte man aber konsequent vorbei zu sehen:

    Es gibt extremistische Hindus, es gibt extremistische Juden, es gibt sogar extremistische Buddhisten, es gibt auch – Gott sei’s geklagt – extremistische Christen … aber es gibt nur eine Religion, die heute in den Ländern, in denen sie vorherrscht für Unfreiheit und Unterdrückung steht, nur eine Religion, die, wenn ihre Anhänger die Möglichkeit zur Machtübernahme sehen, für Mord und Totschlag, Folter und Greueltaten sorgt.

    Ich bin nicht sicher, ob dieses Argument in einer Talkshow hilfreich wäre. Das bedeutet aber nur, dass eine solche Diskussion sich nicht für eine Talkshow eignet, schon gar nicht, wenn der Moderator so hilflos agiert, wie Jauch gestern Abend. Islamisten in Deutschland werden in Abdul Adhim Kamouss einen Helden gefunden haben, der den Ungläubigen gezeigt hat, was eine Harke ist. Dass aber der Islamismus und der zugrundeliegende Islam, dessen Vertreter sich immer noch zieren, sich davon zu distanzieren und stattdessen „Islamophobie“ beklagen, bei aller Sympathie für gemäßigte Muslime und egal, ob die eine oder andere Aufforderung zu Mord und Totschlag nun so oder anders im Koran steht, eine Bedrohung darstellt, wird man beim Anblick der Bilder aus Syrien und dem Irak und angesichts der aus Europa und auch Deutschland in die Krisengebiete reisenden Gotteskrieger, die wenn sie überlebt haben sollten, irgendwann wieder nach Deutschland kommen werden, trotz der nervenden Eloquenz eines Imam nicht leugnen können.

    Der rosa Elefant steht immer noch im Raum, und es ist schon bezeichnend, dass in einer Talkshow, in der alles und jedes in Frage gestellt werden darf, selbst sonst hartgesottene Politiker wie Bosbach und Buschkowsky an ihm vorbei schauen.

  • Vom Symbolwert einer Zigarre: Gott braucht keine Zusatzstoffe!

    Felix Honekamp

    Leider ist die Kommentarfunktion hier auf dem Blog chronisch unterausgelastet, was einerseits schade ist, soll so ein Blog doch durchaus auch der Kommunikation dienen, andererseits bin ich wegen mangelnder Moderation und Reaktion auf Kommentare möglicherweise selbst für diesen Zustand verantwortlich, den ich zudem auch deshalb nicht so sehr bedaure, weil ich eine intensive Kommentierung, wie sie andere Blogs aufweisen, auch tatsächlich moderieren müsste – und die Zeit stecke ich dann lieber in Beiträge. Etwas anders sieht es in anderen Medien aus, und so bin ich manchmal überrascht, welche Beiträge von mir beispielsweise auf freiewelt.net Kommentare und Diskussionen hervorrufen, und welche nicht. Da die Leserschaft dort einfach selbst die Diskussion in die Hand nimmt und ich das auch nicht moderieren muss, sind die Reaktionen dort für mich auch ein Gradmesser, inwieweit ein Thema eher kontrovers gesehen wird oder für die Leser überhaupt von Belang ist.

    Jetzt ist aber ein Kommentar erschienen, den ich gerne intensiver aufgreifen möchte. Der Leser mit dem Pseudonym microhirn schreibt unter meine dort publizierte Ankündigung der Veröffentlichung eines Beitrags auf „Café Liberté“ folgendes:

    Um Gotteswillen, Herr Honekamp!

    Ihr Visiten-Bild dort, ist das eine Zigarre? Tauschen Sie es aus, der Symbolwert einer Zigarre taugt weder zu Ihrem Profil noch zu Ihren Absichten . Es wirkt nicht nur unsympathisch, es drückt auch alles aus, was einem geistlichen Anliegen widerspricht.

    Nun kenne ich den Kommentator nicht persönlich, er hat aber schon bei einigen meiner Beiträge Kommentare verfasst, die ich meist als positiv, immer als konstruktiv, teils auch humorvoll und augenzwinkernd wahrgenommen habe. Jedenfalls kein Troll, der sich nun über die Optik eines Visitenbildes echauffiert. Ich gehe daher davon aus, dass er tatsächlich um meine Wirkung bzw. die Wirkung der Beiträge in Verbindung mit dem Bild besorgt ist.

    Andererseits – um die Antwort noch schnell zu geben: Ja, das ist eine Zigarre, ich bin seit Jahren, wie man so schön sagt „passionierter Zigarrenraucher“ – entspricht das Bild durchaus meinem Lebensgefühl und dann sollte ich mir offenbar schon die Frage stellen, wo da ein Widerspruch liegt (oder ob das Bild nur missverstanden wird bzw. werden kann). Jedenfalls hat das Bild mal meine Frau aus einer ganzen Sammlung rausgesucht, damals für ein anderes Interview (mit der ebenfalls libertären eigentümlich frei) und sie fand das zu mir und meiner Botschaft passend. Letztere besteht im libertären Spektrum ja gerade in der Vereinbarkeit von Freiheit/Libertarismus und christlichem Glauben. Und da haben wir noch nicht darüber gesprochen, was es über mich oder auch meine Frau aussagt, wenn sie ein Bild von mir zur Veröffentlichung aussucht, das seitens des Kommentators als „unsympathisch“ wirkend bewertet wird ...

    Da das aber auch eine Geschmacksfrage ist, sind die anderen Teile des Kommentars vielleicht noch wesentlicher: microhirn schreibt vom „Symbolwert einer Zigarre“, die weder zu meinem Profil noch zu meinen Absichten passe. Natürlich kenne auch ich den klassischen Symbolwert einer Zigarre: Mit ihr wird oft der geldgierige Kapitalist identifiziert, der konsumsatte Wirtschaftswunderverbraucher, manche verbinden damit ganz generell auch ein gewisses Maß an 50er-Jahre Spießertum und/oder ein ungesundes Maß an Genusssucht und Völlerei. Diesen Symbolwert für einzelne oder auch viele Menschen kann man nicht diskutieren, er ist einfach da, egal ob der Hintergrund richtig ist oder nicht. Es wird einerseits nicht erstaunen, dass ich diese Einschätzung nicht teile ... und andererseits bewusst auf das Bild mit der Zigarre setze, um eine andere Botschaft zu senden, die aber – zugegeben – nicht selbsterklärend ist.

    Zunächst mal ist eine Zigarre, anders als Zigaretten, ein reines Naturprodukt. In kubanischen Zigarren wird lediglich der Tabak verarbeitet und ein natürlicher und geschmacksneutraler „Kleber“ – kein Geschmacksverstärker, keine süchtig machenden (und zusätzlich gesundheitsschädlichen) Zusatzstoffe. Eine Zigarre ist damit das raucherische Pendant zu einer guten Flasche Wein, während eine Zigarette, die den Nimbus des Spießbürgerlichen eigenartigerweise nicht hat, eher einer Cherry-Cola entspricht. Und wie beim Wein bin ich davon überzeugt, dass uns Gott mit den Genüssen der Natur beschenken möchte. Gott braucht keine Zusatzstoffe! Er braucht keine Geschmacksverstärker um uns zu erfreuen.

    Die Zigarre ist dabei natürlich auch ein Luxusgut: eine kleine „Mittelklasse-Zigarre“ wie die Partagas Shorts wird in Deutschland für 6,20 € verkauft und raucht sich eine gute Dreiviertel bis eine Stunde. Man kann natürlich auch mehr ausgeben – bekannt ist auch generell die Marke Cohiba als Luxusmarke, bei der eine Robustos, Rauchdauer eine gute Stunde, bei 19,40 € liegt, während deren Premiummarke Behike bei der BHK 56 mit 41,00 € zu Buche schlägt – nach oben hin also quasi offen. Daneben gibt es noch andere Zigarrenmarken, selbstverständlich auch nicht-kubanische, die deutlich günstiger zu haben sind, aber der Genussraucher wird sich wohl bei Preisen zwischen 5 und 10 € einpendeln. Das ist einerseits für die meisten Menschen nicht wenig Geld für einen einstündigen Rauchgenuss, andererseits aber auch nicht so, als ob man sich das nicht ab und zu leisten könnte.

    An der Stelle hat dann der Begriff Luxus etwas auch aus christlicher Sicht Positives: Gott schenkt uns Überfluss! Ich erinnere wieder an den Wein, diesmal aus der Hochzeit von Kanaa, bei der Jesus krügeweise Wasser in offenbar guten Wein verwandelt hat. Gott schenkt uns ganz generell mehr als wir benötigen, und so ist es auch mit einer Zigarre, ihrer entspannenden Wirkung, ihrer Geschmacksentwicklung, ihren Nuancen: Niemand ist auf eine Zigarre angewiesen, aber das ist auch niemand auf Wein, leckere Speisen oder andere Luxusgüter. Und diese abzulehnen, nur weil sie nicht zwingend notwendig sind, ist für mich wie die Ablehnung eines Geschenkes Gottes.

    Ich will aber nicht verhehlen, dass das Bild auch ein Ausdruck eines eher stillen generellen Protests gegen die Bevormundung von Rauchern durch staatliche Gängelungen ist. Linke und grüne Weltverbesserer kriegen regelmäßig Schnappatmung, wenn jemand für die Freiheit zum Rauchen eintritt, öffentlich raucht oder auch noch Werbung für das Rauchen macht; vordergründig, weil man damit anderen schadet, in Wirklichkeit wohl eher, weil ein solcher Genuss – wie auch der von Alkohol oder Zucker oder Fett, oder, oder, oder … dem gesellschaftlichen Ideal des angestrebten Mainstreammenschen widerspricht. Also wird verboten was das Zeug hält, wo das nicht möglich ist, wird der Genuss erschwert und gesellschaftlich verfemt. Da sind wir dann wieder bei dem Symbolwert der Zigarre: Hat man erst mal geschafft, den Raucher mit den oben beschriebenen Attributen zu „denunzieren“, wird er es schon von alleine lassen!

    Hierzu ist meine Botschaft also rein weltlich: Pustekuchen! Wenn ich noch nicht Zigarrenraucher wäre, würde ich bei der politischen Hatz, auf alles, was Genuss bedeutet, jetzt anfangen (ich bin geneigt zu sagen, „selbst wenn es mir nicht schmecken würde“, aber das wäre vielleicht ein bisschen weitgehend). Für einen freiheitsliebenden Menschen – egal ob Christ oder nicht – hat die Zigarre damit einen ganz anderen Symbolwert als ihr gemeinhin zugeordnet wird. Und insofern ist der Kontext des Bildes – der Beitrag in einem libertären Magazin bzw. auf einer solchen Webseite – wesentlich. Es geht um Freiheit, und eine Zigarre zu rauchen kann ein Ausdruck von Freiheitsliebe genau so sein wie ein Ausdruck des Genusses, der Entspannung, der eben auch christlich sein kann (über Übertreibungen des Genusses rede ich hier nicht).

    Wie man sieht, mit dem Symbolgehalt einer Zigarre ist das so eine Sache, die eigene gesellschaftliche Prägung ist entscheidend, der Kontext und in diesem Fall auch die christlichen und politischen Assoziationen, die man mit einer Zigarre verbindet. Insofern werde ich dem Ansinnen von microhirn wohl nicht entsprechen, das Bild bleibt … ich danke aber für die Sorge um meine Wirkung und hoffe gleichzeitig, dass der Kommentar und meine Antwort, ein bisschen zur Klarstellung und zur Aufbesserung des Rufs der Zigarre in der Welt beigetragen haben!

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Dank eines verlängerten Wochenendes mit der Familie in Berlin (aus Anlass des Marsches für das Leben) war die Blogwoche eher kurz - trotzdem will ich gerne wie immer ein paar Hinweise auf lesenswerte Beiträge anderer Blogger geben. Übrigens: Wenn jemand einen Tipp hat zu Blogs, die hier zu kurz zu kommen zu scheinen: Immer her damit!

    Katholisches

    Zum Treffen katholischer Blogger vom vergangenen Wochenende (an dem ich wegen des Marsches für das Leben nicht teilnehmen konnte) gibt es einiges an Berichten. 5 Brote 2 Fische hat sich die Müher einer kleinen Zusammenstellung gemacht:
    Bloggertreffen
    Peter Esser hat das auf seinem neuen Blog Kephas ergänzt:
    Bloggertreffen in Erfurt
    Wollen wir aber auch nicht eine gänzlich andere und kritische Sicht der Dinge vorenthalten, die Geistbraus verfasst hat (der allerdings genau so wie ich nicht dabei war):
    Das Bloggertreffen war die Krätze

    Demut Jetzt! über eines der Kultobjekte unserer Gesellschaft - sehr lesenswert:
    Autos sind religiöse Orte

    Über den medialen Umgang mit dem Marsch für das Leben vom vergangenen Sonntag schreibt die Braut des Lammes:
    Menschen guten Willens sind die „Vor-Vorgestrigen“ – Marsch für das Leben 2014

    Zum Eheverständnis hat sich Peter Esser von Echo Romeo geäußert:
    Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem …

    Über eine Bischofsentlassung in Paraguay echauffieren sich derzeit einige Bloggerkollegen, weil es sich um einen konservativen Bischof handelt - neutraler schaut der Kreuzknappe auf das Thema - danke dafür!
    Papst Franziskus wirft erfolgreichen Bischof Rogelio Ricardo Livieres Plano raus. Warum?

    Libertäres

    Gerhard Breuing macht im Café Liberté auch Werbung für die pdv, lesenswert ist aber vor allem die schonunglose Analyse zur FDP:
    Eine unbequeme Wahrheit

    An dem Abend mit Klaus Kelle zum Thema Political Correctness, den er auf seinem Blog Denken erwünscht wiedergibt, war ich dabei ... und es hat sich gelohnt!
    Ein Abend unter Freunden

    Über den Taxivermittlungsdienst UBER schreibt Frank Schäffler nur bei oberflächlichem Blick, eigentlich geht es ganz gerenell um freie Entscheidungen:
    Auf der UBERholspur!

    Darum geht es auch Roland Tichy mit einem Zitat von Ludwig Erhard:
    Rationierung der Freiheit?

    Der gleiche Autor schreibt hier in seinen Einblicken über die Mietpreisbremse, die allen schadet:
    Besser wohnen: Die Mietpreisbremse ist eine Denkbremse

    Halten Sie sich für vernünftig? Die Regierung tut das im Zweifel nicht, wie dieser kurze Beitrag von Detmar Doering auf Denken für die Freiheit zum "Nudging" aufzeigt:
    Völlig unvernünftig?

    Erling Plaethe schreibt auf Zettels Raum über Lebkuchen im September ... ganz anders, als man es hier im Blog erwarten dürfte, und bis auf seine generellen Einlassungen zum Verzicht, bin ich geneigt ihm zuzustimmen:
    Plädoyer für eine Anpassung des Lebkuchenangebotes gemäß den Gepflogenheiten vor dem Dreißigjährigen Krieg

    Und jetzt wünsche ich allen Lesern noch ein schönes, erholsames und vor allem von Gott gesegnetes Wochenende!

    Der Papsttreue

  • Und ich, für wen halte ich Jesus?

    Nachdem es in den letzten Beiträgen eher politisch zuging jetzt mal wieder zurück zu den Wurzeln, die für jeden Christen in eben dieser Bezeichnung liegen, in Jesus Christus! Aber schon dieser erste Satz ist – auch und vielleicht vor allem für Christen – durchaus eine Herausforderung: Liegen meine Wurzeln wirklich in Christus, ist der Glaube an Gott für mein Leben bestimmend? Oder noch prägnanter: Ist Jesus Christus wirklich mein Gott?

    Das heutige Tagesevangelium der katholischen Kirche, verdeutlicht diese Problematik durch ein scheinbares Frage-Antwort-Spiel (Lukas 9,18-22):

    In jener Zeit, als Jesus in der Einsamkeit betete und die Jünger bei ihm waren, fragte er sie: Für wen halten mich die Leute? Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

    Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.

    Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen. Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.

    Zunächst mal erscheint die Fragestellung Jesu durchaus als Trick: „Für wen halten mich die Leute?“ Die Jünger Jesu werden dazu schon einige gehört haben. Überall wo Jesus auftrat hinterließ er Eindruck, er wurde in den Städten offenbar zum Stadtgespräch, heute vielleicht vergleichbar mit einem jungen Politiker oder einer Partei, bei denen man sich fragt: Wer ist das, was sind das für Leute, kann man denen trauen? Mich wundert ein wenig, dass sich bei de durchaus auch vorhandenen Angriffen gegen Jesus die Jünger nicht trauen, eine Antwort zu geben wie „Einige halten dich für einen Scharlatan!“ – aber sei’s drum, das ist hier nicht mein Thema.

    Nachdem nämlich die Jünger berichten, was „die Leute“ meinen, wer er sei, kommt die eigentlich wesentlichere Frage „Für wen haltet ihr mich?“ Der eben erwähnte Trick dabei ist, dass Jesus deutlich machen will, dass er von seinen Jüngern eine etwas andere Antwort erwartet. Ob der eine oder andere Jünger gedacht hat, dass „die Leute“ schon recht haben könnten, ist nicht überliefert, aber am Ende ist es Petrus, der die Antwort gibt: Der Messias Gottes!

    Das ist jetzt sicher mal „formal“ die richtige Antwort, aber später wird sich herausstellen, dass sie auch eher unbedarft abgegeben wurde … fragt sich doch, wer oder was denn der Messias Gottes eigentlich ist? Die Juden haben damals auf die Befreiung von den Römern gewartet, die der Messias bringen sollte … und die Jesus ihnen jedenfalls nicht gebracht hat. Und so ist die Antwort des Petrus, so richtig wie sie erscheint, vielleicht doch nicht die ganze Wahrheit, die er aber vielleicht auch erst mit der Auferstehung richtig hätte geben können, und die auch danach sicher noch in Petrus Kopf gereift ist, so wie der Glaube an Gott sich auch durch die Jahrhunderte nach Jesus weiterentwickelt hat.

    Eigentlich ist das die „Standard-Predigtfrage“ zu diesem Evangelium: Und für wen halte ich Jesus heute? Die ist ehrlich gesagt nicht besonders innovativ, und trotzdem muss man sie sich immer mal wieder stellen und sich selbst gegenüber vor allem ehrlich sein: Wer ist Jesus Christus für mich? Manche meinen ja, Jesus habe möglicherweise gar nicht gelebt, sei nur eine Legende. Historisch ist das nicht haltbar, es gibt kaum eine Person der Antike, die besser dokumentiert ist als Jesus von Nazareth. Etwas ganz anderes ist aber die Frage, ob er denn wirklich der Messias ist – und das ist eben neben der Historizität eine Glaubensfrage.

    Und auch da scheiden sich die Geister: Auch viele, die sich als Christen begreifen, halten Jesus eher für einen beispielhaft guten Menschen, einen Zeugen Gottes, in der Form nicht viel anders als Johannes der Täufer oder die auch von den Jüngern genannten Propheten. Andere halten ihn für einen Revolutionär, einen Sozialreformer, gar einen Religionskritiker … aber auch, wenn diese Charakterisierungen durchaus eine Berechtigung haben, treffen Sie doch nicht den Kern: Jesus als der Messias Gottes, als Gott selbst. Ist er das für mich … und welche Konsequenz hat das dann? Oder anders gefragt: Müsste es nicht weitreichende Konsequenzen für mich haben, wenn Jesus Christus Gott selbst ist, wenn die Worte, die er gesprochen hat. Gottes Worte sind (ob sie in der Überlieferung noch mal „verfälscht“ worden sein könnten, sei dabei erst mal dahin gestellt)?

    Wenn Jesus Gott ist und ich diesem Gott nicht egal bin, dieser Gott sich um mich und mein Seelenheil sorgt, weil er mich liebt mit einer unendlichen Liebe … wieso handele ich dann im alltäglichen Leben nicht viel mehr so, dass man das auch merken würde, dass sich das selbst an mir bemerken würde? „What would Jesus do? – Was würde Jesus tun?“ ist so eine fast Sponti-Frage, die aber ihre Berechtigung hat: Wenn Jesus anders handeln würde als ich – und für mich selbst nehme ich an, würde er das an vielen Stellen tun – wieso handele ich dann so, wie ich das tue … und behaupte gleichzeitig, er sei Gott!

    Geben wir also acht auf die Antwort, die wir uns selbst auf die Frage geben, wer Jesus für uns ist: Belügen wir uns nicht selbst und auch nicht Gott! Er weiß sowieso, was er für uns ist und ist bereit, uns in vielen Dingen gnädig entgegen zu kommen. Aber Jesus hat sich in den Überlieferungen über wenige Dinge so echauffiert wie über Heuchler. Seien wir uns – und Gott – gegenüber also ehrlich, wenn es noch andere Götter neben Jesus in unserem Leben gibt. Und arbeiten wir daran sie durch Jesus abzulösen, gemeinsam mit ihm, mit der Kirche, mit den Menschen um uns herum. Dann erst werden wir von Heuchlern zu wahren Zeugen Jesu, wurzeln wirklich in ihm und können Petrus Antwort in vollem Bewusstsein der Bedeutung wiederholen!

  • In eigener Sache: Der PAPSTTREUEBLOG im Café Liberté

    in-eigener-Sache

    Ich bin ja entschieden der Meinung, dass wir als Christen mit unserem Missionsauftrag raus müssen aus eingefahrenen Kommunikationswegen. Wer meint, er habe mit dem sonntäglichen Gang zur Kirche schon genügend getan ist genau so auf dem Holzweg wie derjenige, der einen katholischen Blog für katholische Leser betreibt: Das ist natürlich nichts Schlechtes, aber Evangelisierung ist was anderes!

    Seit einiger Zeit freue ich mich, dass meine Beiträge ziemlich regelmäßig auch im Internetmagazin freiewelt.net erscheinen, ab und an auch auf der Seite des libertären Magazins eigentümlich frei. Und jetzt darf ich vermelden, dass meine Beteiligung an der Roland-Baader-Lesung von vor ein paar Wochen, die organisiert wurde von der Partei der Vernunft (pdv), auch in dieser Hinsicht Früchte getragen hat. Die Mischung dieses Blogs aus Glaubensthemen und Libertarismus ist auf Gegenliebe gestoßen und so hat deren Internetseite "Café Liberté" meinen Beitrag "Christlicher Kapitalismus - eine Vision?!" vom August vergangenen Jahres veröffentlicht:

    CafeLiberte_ChristlicherKapitalismus

    Um kritische Nachfragen gleich vorweg zu nehmen: Ich bin nicht Mitglied der pdv, die Parteilinie liegt allerdings sehr nahe an meinen politischen Vorstellungen, auch wenn sie sich kaum im aktuellen gesellschaftlichen Konsens wiederfindet. Die pdv wie auch die Internetseite Café Liberté ist auch keine christliche Partei bzw. Seite, und so werden sich unter den dort veröffentlichten Beiträgen möglicherweise auch glaubenskritische finden - ich habe bislang aber dort noch nichts gesehen, was nicht zumindest bedenkenswert wäre, auch wenn ich nicht alles teile. Immerhin ist man aber in der pdv und auf Café Liberté bereit, sich auch mit Glaubensthemen - mit Blick auf die Freiheit - auseinanderzusetzen, was in anderen Parteien und Medien mit der Lupe gesucht werden muss.

    Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass der Begriff der Evangelisierung für einen Blog wie meinen zu hoch gegriffen ist; aber wenn ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass Glaubensthemen wieder vermehrt auf die Agenda kommen, dann ist schon viel erreicht. "Glauben machen" kann ich sowieso niemanden, aber Medien wie Café Liberté (oder eben auch freiewelt oder eigentümlich frei), geben mir die Möglichkeit, unseren Glauben zu thematisieren, ihn ins Gespräch, in den gesellschaftlichen Diskurs zurück zu bringen. Dafür danke ich der Redaktion der Seite und der Vorsitzenden der pdv, Susanne Kablitz, und hoffe, dass es eine beiderseits fruchtbare Zusammenarbeit wird!

    Die Leser des Café Liberté, die über den Beitrag dort zum PAPSTTREUENBLOG gefunden haben, lade ich ein, sich hier umzusehen und sich zu überzeugen, dass Liberalität und christlicher Glauben sehr wohl zusammen gehen. Und die Leser des PAPSTTREUENBLOGs lade ich ein, sich beim Café Liberté umzusehen und sich dort ihre "tägliche Tasse Freiheit" zu gönnen!

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