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  • Sucht: Ursachen und fehlgeleitete Konsequenzen

    Gestern ging es durch die Presse: Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ist Deutschland offensichtlich ein Volk von Süchtigen. Unter anderem der Focus berichtet aus deren „Jahrbuch Sucht“ Erschreckendes:

    Circa 1,8 Millionen Menschen sind hierzulande alkoholabhängig, etwa 15,2 Millionen rauchen, bis zu 275.000 gelten als krankhafte Glücksspieler. […] Damit nicht genug, schätzen die Experten, dass 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen unter einer Medikamentenabhängigkeit leiden. Vor allem unter jungen Mädchen sind Essstörungen weiterhin stark verbreitet: Der repräsentative Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts konstatierte bei mehr als einem Fünftel der befragten Jugendlichen ein gestörtes Essverhalten. Zwischen 0,5 und 1 Prozent aller Frauen gelten demnach als magersüchtig, bis zu 1,5 Prozent als bulimisch.

    Jeder der solche Lobbyzahlen zu lesen bekommt und sich ein bisschen mit deren Methoden auskennt wird die Zahlen mit Vorsicht genießen, vor allem wenn zum Beispiel undifferenziert darauf hingewiesen wird, wie hoch die Gesundheitskosten für derartige Süchte sind oder wenn behauptet wird, dass pro Jahr 100.000 bis 120.000 Menschen an den Folgen von Tabakkonsum sterben – wobei es keine Untersuchungen dazu gibt, ob es tatsächlich direkte Folgen des Rauchens sind, die hier diagnostiziert werden können. Dazu kommt noch, dass solche Institute ihre Existenzberechtigung aus der katastrophalen Diagnose ziehen – wenn es kein Problem gäbe, bräuchte man solche Untersuchungen nicht – da hängen Arbeitsplätze und Fördergelder dran.

    Aber sei’s drum – nehmen wir mal an, dass die Deutschen tatsächlich ein Suchtproblem hätten, sich niederschlagend in Alkohol- und Tabakkonsum, Spielsucht und Essstörungen. Was sind dann die Möglichkeiten, dem entgegenzutreten?

    Auch dazu hat die DHS eine Idee:

    Angesichts solch erschreckender Zahlen fordert die DHS, die Suchtprävention weiter zu verstärken. Der Staat solle die Preise für Alkohol oder Tabak durch Besteuerung erhöhen, außerdem sollte der Verkauf solcher Produkte zeitlich begrenzt werden. Auch die Werbung muss nach Meinung der Suchtexperten weiter reguliert werden. Denn: Wenn es in einer Gesellschaft viele Menschen mit Suchtproblem gibt, tragen wir alle die Kosten.

    Staatliche Einflussnahme wird auch hier als Allheilmittel verkauft: ein Markt, noch einigermaßen leidlich funktionierend, soll reguliert werden, dem mündigen Bürger die Entscheidung über sein Verhalten abgenommen werden – Verbieten und Erschweren ist das Allheilmittel der Gesellschaftsingenieure aller Interessen, wenn es um das Abstellen eines von ihnen als solchen empfundenen Missstandes geht. An anderer Stelle wurde im Zusammenhang mit Essstörungen ein Verbot der Retuschierung von Modelfotos gefordert oder gar ein Verbot des Einsatzes von schlanken Models, die insbesondere als „falsches“ Vorbild für junge Mädchen gelten.

    Nun ist marktwirtschaftlich gesehen sicher richtig, dass ein steigender Preis einen geringeren Konsum zur Folge hat, dass eine Erschwernis der Beschaffung, egal ob über Preis oder Verbote, zu geringerer Abnahme der Produkte führt. Das allerdings ist nichts anderes als ein Herumdoktorn an Symptomen – denn eine Verringerung des Konsums, ein Senken der Produktabnahme geht ja nicht einher mit einer veränderten Bedarfslage: Eine Sucht ist doch letztlich – neutral formuliert – das Symptom einer unbefriedigten Bedarfslage, die nach einer Ersatzbefriedigung sucht.

    Irgendwo habe ich mal den Satz gehört, dass ein Mann, der eine Prostituierte aufsucht im Grunde auf der Suche nach Gott ist. Das lässt sich, so glaube ich, auch auf andere Befriedigungen übertragen. Wenn richtig ist, dass jedem Menschen die Suche nach Gott wesenhaft ist, und wenn viele Menschen aber – aus unterschiedlichsten Gründen – nicht zu Gott finden können, dann wundert es nicht, dass diejenigen sich nach einer Ersatzbefriedigung umschauen.

    Problematisch daran ist, dass die Suche nach Gott letztlich eine Suche nach unendlicher Liebe ist, nach Angenommensein, nach dem, was Gott, allmächtig und allliebend, schenkt. Da kommen normale Konsumgüter kaum mit: ein Auto schenkt nun mal keine Liebe, so bleibt die Befriedigung durch Luxusgüter nur sehr kurzfristig. Was es also – aus Sicht eines Menschen, der im Grunde Gott sucht, ihn aber nicht findet oder nicht finden will – braucht, ist eine Befriedigung, die ihm mehr Bestätigung gibt. Und da kommen sicher Drogen ins Spiel, die den Eindruck einer heileren Welt vermitteln, die einen annimmt und keine Probleme aufwirft, zuvorderst Alkohol, dann aber auch härtere Drogen.

    Weiter ist die Suche nach Liebe sicher eine, die dazu neigt, sich anderen Menschen „anzubiedern“ – so zu sein, wie man vermutet, dass andere einen haben wollen, so zu sein, wie man vermutet, dass man anderen liebenswert erscheint. Essstörungen, entstehend aus dem Versuch einem Schönheitsideal zu entsprechen oder sich einem angenommenen Ideal anderer Menschen anzunähern, aber auch eine erhöhte Promiskuität können die Folge sein.

    „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ – dieser bekannte Satz des Heiligen Augustines, wirft ein Licht auf eine wirkliche Lösung dieses Problems: Wir können Gott erfahren, wir können - und als Christen ist das auch unsere Aufgabe – Gott für andere erfahrbar machen. Auf ihn zugehen muss jeder selbst, aber nur Gott ist jedenfalls in der Lage, die in uns schlummernde und mitunter aufbrechende Suche nach unendlicher Liebe und unendlicher Angenommenheit zu stillen. Wir können unseren Kindern durch unsere Liebe und unser Beispiel einen Vorgeschmack darauf geben, wie Gott ist (ohne das Ideal selbst erreichen zu können) und ihnen so bewusst machen, dass sie unendlich geliebt sind. Wir können Freunden, Kollegen und Bekannten Zeugnis von Gott geben, ein Leben führen, das Ausdruck der Liebe Gottes zu uns und unserer Liebe zu ihm ist.

    Und wer dann, ob mit unserer Unterstützung oder auf anderem Weg, zu Gott gefunden hat, der ist kuriert von einer Zufriedenheits- und Liebessuche an Stellen, an denen es doch nur eine kurz wirkende Ersatzbefriedigung gibt. Und – das möchte ich noch hinzufügen – mit diesem Bewusstsein kann man dann auch Wein oder Tabak (ich selbst bin ja Zigarrenraucher) als Gaben Gottes genießen, ohne sie – zu einer Sucht pervertiert – zu einem Gott zu machen.

    Ein Institution wie die DHS stellt sich vermutlich als weltanschaulich neutral dar – aber gerade dadurch ist sie nicht in der Lage, wirkliche Lösungen für Suchtprobleme, ob nun in der beschriebenen Größenordnung existierend oder nicht – anzubieten. Die Suche nach Sinn und Liebe kann nicht durch Drogen-, Alkohol-, Tabak- oder Werbeverbote unterdrückt werden – sie wird durch die Liebe Gottes zu ihrem Ziel finden und Drogen überflüssig machen!

  • Gender-Gedöns und Ansätze der Ökumene

    In der Fastenzeit habe ich mich bewusst mit Themen zurück gehalten, die mich ansonsten dazu gebracht hätten polemisch zu werden. Dazu gehörte sicher die Eröffnung des „Studienzentrums für Genderfragen in Kirche und Theologie“ durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die Einrichtung dieses Zentrums hat bereist unter Protestanten für so viel Diskussionen und Widersprüchen geführt, dass man sich als Katholik auch einfach zurück halten kann.

    Dennoch stellt sich natürlich die Frage, was es denn eigentlich bedeutet, wenn die evangelische Kirche – jedenfalls deren „offizieller“ und in den Medien am weitesten vertretener Teil – sich in einer Weise verhält, die einen bibel- und/oder lehramtstreuen Christen nur mit dem Kopf schütteln lässt. Auch da reicht es zunächst, einen Blick auf die Glaubensbrüder unter den Protestanten zu werfen, die sich hier eindeutig geäußert haben. So beschreibt das protestantische Magazin idea:

    Theologisch konservative Kreise üben scharfe Kritik an der EKD. Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands sieht in der Einrichtung des Studienzentrums „eine bibel- und bekenntniswidrige Abkehr von der guten Schöpfungsordnung Gottes und dem christlichen Menschenbild“. Als Folge wende sich die EKD von Ehe und Familie als Leitbild christlicher Lebensform ab, erklärte der Vorsitzende des theologisch konservativen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).

    Die „Ideologie des Genderismus“, die irrtümlicherweise mit Gleichberechtigung verwechselt werde, leugne, dass Gott den Menschen bipolar geschaffen habe. Deren Vertreter behaupteten: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht.“ Rüß zufolge ist die Genderideologie theologisch gesehen eine Irrlehre. Sie stehe außerdem gegen alle Vernunft und die Naturwissenschaft. Abermals setze die EKD ein Zeichen, das den Graben zur katholischen und orthodoxen Kirche vertiefe und die Ökumene gefährde.

    Man erinnert sich, dass es bislang immer die Forderung an die katholische Kirche war, sich anzupassen, wenn sie es mit der Ökumene ernst meine. Und vor diesem Hintergrund fragt man sich, was die Vertreter der EKD treibt, sich von Bibel und gemeinsamer christlicher Wertebasis zu entfernen. Ist es die Einschätzung, dass ein „Warten“ auf die katholische Kirche nicht lohne? Oder ist es der unbedingte Wille, eine neue, von der Heiligen Schrift losgelöste Religion aufzubauen, die in der Welt gefälliger wirkt und – vermeintlich – eine höhere Anziehungskraft ausübt als das – vermeintlich – starre Wertekorsett der Bibel?

    Egal, wie man das einschätzt: Was sich hier vollzieht ist eine Abkehr von ökumenischen Bestrebungen, die die von Christus selbst geforderte Einheit zumindest anstreben, um gemeinsames Verständnis sich bemühen und ansonsten anerkennen, dass diese Einheit womöglich nicht durch menschliche Kraft alleine zu erreichen sein wird. Die EKD verabschiedet sich mit ihren letzten Aktionen (man erinnere sich an die bibelferne „Orientierungshilfe“ für Familien, die nichts anderes tut, als ein biblisches Familienverständnis im Kern in Frage zu stellen, oder die unselige „Eine Tür ist genug“-Kampagne, die ebenfalls Geschlechterrollen, Familienbild und Schöpfungsglauben zu verwirren droht) von allen Bestrebungen zur Ökumene – und strebt doch gleichzeitig ein gemeinsames Gedenken zur Reformation im Jahr 2017 an.

    Zu letzterem ist jetzt eine ökumenische Internetseite an den Start gegangen, die darauf hinwirken will, miteinander im Dialog zu bleiben, sich über Positionen auszutauschen. „2017 gemeinsam unterwegs“ heißt das Projekt, bei dem man zu einem – allerdings maximal unübersichtlich strukturierten 245 (!) Abschnitten umfassenden – „Dialog-Dokument“ auch aufgefordert ist, Stellung zu beziehen. In der Projektbeschreibung ist dazu zu lesen:

    Das Dokument – Lesen und Kommentieren
    Im Mittelpunkt der Webseite steht das Dialogdokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“, das 2013 von der internationalen lutherisch/römisch-katholischen Dialogkommission veröffentlicht wurde. In dem Dokument werden gemeinsam Themen und Konsequenzen der Reformation erörtert und Perspektiven für die Aneignung der Reformation heute entwickelt.

    Auf der Webseite können Sie nicht nur den vollständigen Text dieses Dokumentes lesen, sondern Sie sind ausdrücklich eingeladen, in Kommentaren Ihre Perspektive auf den Text einzubringen.

    Die Frage der Woche – Diskutieren
    Darüber hinaus finden Sie jede Woche Diskussionsbeiträge von zwei bekannten Personen aus Kirche und Gesellschaft. Diesen Beiträgen liegt jeweils ein bestimmtes Thema des Dokumentes zugrunde, das auf eine heute aktuelle Frage übertragen wird. Als Besucherin oder Besucher der Seite können Sie diese „Frage der Woche“ mitdiskutieren.

    Die fünf ökumenischen Imperative – Konkret werden
    Den Schluss des Dokumentes bilden fünf ökumenische Imperative für den gemeinsamen Weg nach 2017. In diesem hervorgehobenen Bereich suchen wir Beispiele gelingender Ökumene. Werden Sie konkret und teilen Sie mit anderen, wo die Gemeinsamkeiten, die die Imperative einfordern, bereits verwirklicht werden. Oder zeigen Sie, wie sie verwirklicht werden könnten, frei nach dem Motto: So soll es gehen. Mit weniger wollen wir uns nicht zufrieden geben.

    Das Ergebnis
    Ihre Meinung zählt: Erstmals haben alle die Möglichkeit, über das Internet an der Rezeption eines ökumenischen Dialogdokumentes mitzuwirken. Das Ergebnis, eine kommentierte Version mit einer Fülle von Ansichten und Anregungen, wird am Ende dem Lutherischen Weltbund in Genf und dem Päpstlichen Einheitsrat in Rom übergeben. Wenn Sie also kommentieren, diskutieren und konkret werden, gestalten Sie den gemeinsamen Weg nach 2017 mit.

    Bei aller Kritik an dem Beschuss der Ökumene durch die EKD: So ein Projekt erscheint mir ein guter Ansatz zu sein, dessen Wert sich in der Beteiligung der Gläubigen, auch in dem, wie man mit nicht verhandelbaren Glaubenswahrheiten umzugehen gedenkt, erweisen wird. Ich muss zugeben, dass meine Skepsis durchaus noch ein Übergewicht vor Optimismus hat, wenn ich als „ersten ökumenischen Imperativ“ lese:

    Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der Einheit und nicht von der Perspektive der Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was sie gemeinsam haben, auch wenn es viel leichter ist, die Unterschiede zu sehen und zu erfahren.

    Ergänzend dazu heißt es in der Einleitung zu den Imperativen:

    Katholiken und Lutheraner nehmen wahr, dass sie und die Gemeinschaften, in denen sie ihren Glauben leben, zu dem einen Leib Christi gehören. Es wächst das Bewusstsein, dass der Streit des 16. Jahrhunderts zu Ende ist. Die Gründe dafür, den Glauben der Anderen gegenseitig zu verurteilen, sind hinfällig geworden.

    Die „Feinde“ der geeinten Kirche sitzen, so meine ich, auf beiden Seiten – es sind diejenigen, die Gemeinsamkeiten nicht sehen wollen und lediglich das Trennende fokussieren, es sind aber auch diejenigen, die das Trennende überhaupt nicht in den Fokus nehmen wollen und es einfach als irrelevant bewerten. Ökumene kann nur fruchtbar sein, wenn man beides – Einendes und Trennendes – in den Blick nimmt und letzteres auch auszuhalten in der Lage ist.

    Ich bin als Katholik nicht davon zu überzeugen, dass es gut wäre, die Reformation zu feiern. Des 500. Jahrestags aber zu gedenken, zu bedenken, was sich in der Zwischenzeit alles entwickelt hat, und zu betrachten, wie Jesus auf die bestehende Situation schauen mag – das erscheint mir vor dem Hintergrund des Auftrags Jesu zur Einheit in der Tat geboten. Der Aktion „2017 gemeinsam unterwegs” kann man daher nur Erfolg wünschen ... und ich werde sie weiter beobachten und begleiten!

  • Jesus hat mir die Füße gewaschen

    Teile der katholischen Bloggerschaft diskutierte vor und zu Gründonnerstag, welchen Sinn und Hintergrund die Fußwaschung als rituelle Handlung in der katholischen Kirche hat – und bei einigen von ihnen schimmert dabei Kritik am Papst durch, der es sich nicht nehmen lässt „irgendwelchen Leuten“ die Füße zu waschen.

    Zurück geht die Fußwaschung zu Gründonnerstag auf den Bericht in den Evangelien zum Abendmahl, dort heißt es (Johannes 13,1-17):

    Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

    Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.

    Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

    Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt.

    In der katholischen Kirche nimmt in der Gründonnerstagsliturgie normalerweise der zelebrierende Priester die Fußwaschung bei sogenannten „viri probati“ vor, in der Regel also (in der Kirche) verdienten Männern der Gemeinde. Über diesen Usus kann man sicher streiten, aber die Kritik, die ich gelesen habe, geht in eine ganz andere Richtung, nämlich in die, dass es doch gar kein Unterstellungsverhältnis zwischen den Menschen gäbe, insbesondere nicht in der Art, dass Alte, Kranke, Behinderte, Gefangene, denen die Füße gewaschen werden, nicht dem Priester, einem Bischof oder der Papst unterstellt seien, sondern doch im Gegenteil in ihrer Bedürftigkeit Jesus in Person verkörpern.

    Ich gebe zu, solche Kritik hinterlässt mich ratlos: Jesus selbst, doch offenbar höhergestellt als die Apostel macht klar, dass es für ihn als Meister richtig ist, die Füße seiner „Untergebenen“ zu waschen; und Kritiker des Papstes haben nichts besseres zu tun, als ihm (und den anderen Handelnden) vorzuwerfen, sich zu unrecht über diejenigen zu erheben, deren Füße er wäscht?

    Nun war Jesus die Ungewöhnlichkeit seines Beispiels offenbar klar, und so ist es doch auch heute noch: Bedürftige Menschen fühlen sich unterlegen und untergeben unter die Mächtigen dieser Welt. Und weltliche wie geistige „Würdenträger“, zu denen eben auch Priester gehören, stehen immer in der Gefahr, sich über die nur scheinbar Untergebenen zu stellen. Darum ist diese Geste sicher nicht verkehrt, auch wenn sie uns heute, wie damals Petrus, eigenartig vorkommt.

    Zudem handelt der Priester in diesem Ritus doch als Vertreter Jesu – es ist also nicht der Priester, der die Füße wäscht, es ist Jesus selbst. Und übertragen kann man auch heute noch sagen: Jesus wäscht uns allen noch immer die Füße, macht uns rein von unseren Sünden – das ist nicht zuletzt das, was wir Ostern feiern. Er, der diesen Dienst nicht nötig hat, bietet ihn uns an, und er erniedrigt sich, macht sich zum Sklaven seiner Untergebenen (vgl. Philipper 2,6-8). Ist es da nicht richtig, wenn der Papst diesen Dienst übernimmt und dazu gerade den Menschen die Füße wäscht, die in den Augen der Welt eben nicht verdiente Männer sind, sondern die Geringgeachteten der Welt?

    Warum ich darauf so herum reite: Ich habe bereits von meinem Osterwochenende berichtet, und ich gehörte zu denen, die der zelebrierende Priester im Vorfeld der Liturgie gefragt hat, ob ich für die Fußwaschung bereit stünde. Ich habe spontan zugestimmt, ohne viel über liturgische Gebräuche nachzudenken. Aber die Fußwaschung hat mir eines klar vor Augen gestellt: Es war nicht der Pater, der mir die Füße gewaschen hat, es war Jesus selbst. Im Nachhinein möchte ich fast mit Petrus ausrufen „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ – und doch bin ich nun froh, es nicht getan zu haben sondern diesen Dienst angenommen zu haben.

    Die Geste der Fußwaschung hat ihre Berechtigung in der katholischen Liturgie zum Gründonnerstag, und ich hatte als „Gewaschener“ nie das Gefühl, dass der zelebrierende Priester sich durch diese Geste über mich erhebt, sich selbst zu Jesus macht. Wohl aber ist mir klar geworden, dass Jesus es ist, der mir jeden Tag die Füße wäscht, und am letzten Gründonnerstag das auch ganz real getan hat. Vielleicht kann man das Handeln der Priester und des Papstes auch einfach in diese Richtung deuten, ohne sich – und das ist eine wahre Überhebung – als Richter über die Richtigkeit dieses Ritus aufzuschwingen.

    Aufgabe derjenigen, denen Jesus die Füße wäscht, ist es, auch anderen die Füße zu waschen, durch Akte der Nächstenliebe, durch die Vermittlung der frohen Botschaft, ganz weltlich durch Hilfe gegenüber den Hilfsbedürftigen. Und das ohne Ansehen der Person! Das fällt mir schwer, und vielleicht fällt es auch dem einen oder anderen Priester oder gar dem Papst schwer. Und gerade deshalb ist diese Handlung am Gründonnerstag so gut und notwendig.

  • So geht Ostern!

    Nachdem ich in meinem gestrigen Beitrag zum Osterfest unser Osterwochenende nur als kleine Anmerkung beschrieben habe, gab es von meiner Frau den Hinweis, dass sie, wenn sie einen katholischen Blog hätte, noch ein bisschen mehr zu diesen Familienexerzitien geschrieben hätte. Und dem will ich natürlich „Folge leisten“ – nicht nur, weil meine Frau das meint, sondern weil es in der Tat ein großartiges Erlebnis war.

    Geplant wurde das Wochenende von zwei Ehepaaren, aus der Situation heraus, dass die Liturgie der Heiligen drei Tage von Familien in der Regel nicht mitgefeiert werden kann. Gründonnerstagsliturgie, Ölbergstunde, Anbetung, Karfreitagsliturgie … bis hin zur Osternacht und der Ostermesse – bei Familien mit kleinen Kindern stellt sich in der Regel nur die Frage, wer von den Eltern hingeht, denn beide zusammen geht meist gar nicht und auch die Liturgie gemeinsam mit den Kindern zu feiern ist oft keine Option. Ganz zu schweigen davon, sich vielleicht auch geistig auf das Osterfest einzustimmen, die Kartage bewusst zu begehen und so das Osterfest ebenfalls bewusst zu feiern.

    Und so haben die Organisatoren einiges an Mühe und Zeit in dieses Wochenende gesteckt, und ich für meinen Teil kann nur sagen: Es hat sich gelohnt! Für Kinderbetreuung war gesorgt, die Räumlichkeiten waren – um die Kosten für die Familien nicht zu hoch werden zu lassen – einfach aber ausreichend und, nicht zu unterschätzen, kindgerecht. Zwei Priester begleiteten die Tage mit Messfeiern, Möglichkeiten zur Beichte und geistlichen Vorträgen und Betrachtungen zur Passions- und Ostergeschichte.

    Das waren aber nur die mehr oder weniger äußeren Rahmenbedingungen, denn die Zeit von Donnerstag Nachmittag bis Sonntag Mittag war vor allem geprägt durch das Miteinander der Familien, der intensiven Zeit mit den Kindern – was vor allem für die Väter eine Besonderheit darstellt – und durch das sich Einlassen auf das bevorstehende Fest im Kreis von Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, unterschiedlichem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund. Wunderbar war es zu beobachten, wie so viele Menschen sich gemeinsam auf das Fest der Auferstehung Jesu vorbereiten. Wunderbar auch, wie die Kinder sich – dem jeweiligen Alter angemessen – mit dem Thema auseinandersetzen.

    Wunderbar auch, wie sich alle bemühen, in Kenntnis der Widrigkeiten die so ein Fest zusammen mit Kindern bergen kann, rücksichtsvoll diesen Kindern gegenüber zu sein. Erfährt man in vielen Gemeinden eher Ablehnung, wenn sich die Kleinen in der Liturgie regen, so kannte hier jeder aus eigener, aktueller Erfahrung, die Schwierigkeiten, ein Kind zu beruhigen. Und so kümmert sich eben jeder auch um jeden (irgendwann fand ich mich mit vier Kindern auf dem Schoß beim Vorlesen einer Geschichte wieder), es war so etwas wie ein Osterfest der Kinder, ohne das darunter die Botschaft des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu gelitten hätte.

    Jeder der Teilnehmer wird sicher anderes mitgenommen haben aus diesen Tagen und so ist mein Bericht nur ein kleiner, sehr persönlicher Ausschnitt – aber ich hoffe, ich spreche auch für die anderen Teilnehmer, dass ich selten ein so frohes, fröhliches Osterfest gefeiert habe wie in diesem Jahr! Und bei aller Lautstärke, die von über 40 Kindern der 15 Familien ausging, habe ich auch selten so intensiv das Geschehen um Ostern herum betrachten und bedenken können – der Dank dafür gilt neben den Organisatoren den beteiligten Priestern, die die Inhalte der Evangelien und die Betrachtungen in wunderbarer Form entfaltet haben.

    Christus ist auferstanden – diese Botschaft stellt den Kern unseres Glaubens dar, wie der Papst gerade in seiner Predigt zum Segen „Urbi et Orbi“ erläutert hat:

    Jesus, der Gekreuzigte, ist auferstanden! Auf dieses Ereignis gründen sich unser Glaube und unsere Hoffnung: Wäre Christus nicht auferstanden, würde das Christentum seine Bedeutung verlieren; die gesamte Mission der Kirche hätte keinen Antrieb mehr, denn von dort ist sie ausgegangen und von dort geht sie immer neu aus. Die Botschaft, welche die Christen der Welt überbringen, ist diese: Jesus, die menschgewordene Liebe, ist für unsere Sünden am Kreuz gestorben, aber Gott, der Vater, hat ihn auferweckt und ihn zum Herrn über Leben und Tod gemacht. In Jesus hat die Liebe über den Hass gesiegt, die Barmherzigkeit über die Sünde, das Gute über das Böse, die Wahrheit über die Lüge, das Leben über den Tod.

    Dies ist unbestreitbar wahr, wie sich diese Wahrheit aber in unserem Leben äußert, äußern kann und äußern sollte, das durfte ich in den vergangenen Tagen erleben und bin dankbar für diese Erfahrung, die wir mit den anderen Familien teilen konnten. Nein, es war keine „durchgestylte“ Osterliturgie, wie sie in manchen Gemeinden seit Beginn der Fastenzeit geprobt wird, vieles war von außen betrachtet chaotisch, von innen aber mit Liebe gemacht. Es war in jedem Fall ein Ostererlebnis, ein Fest des Glaubens, für das sich hoffentlich auch im kommenden Jahr Organisatoren finden werden.

    Noch einmal geht mein Dank an die Familien, die das Wochenende gegen viele Widrigkeiten organisiert haben, an die Priester, die für eine großartige geistliche Begleitung gesorgt haben, und an all die anderen Familien, die durch ihre Teilnahme die Tage zu einem solchen Glaubensfest gemacht haben!

  • Ostern: Erwarte das Unerwartete

    Auferstehung

    Erst mal wünsche ich allen Lesern ein gesegnetes Osterfest: Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

    Man könnte dazu einen kleinen Logikwinkelzug bemühen (und ich schreibe das bewusst, damit niemand mich darauf aufmerksam machen muss, dass es einer ist): Dass es diesen Blog gibt, ist ein Indiz dafür, dass Jesus auferstanden ist – denn wäre er nicht auferstanden, glaubt dann wirklich jemand, die Apostel wären für den Glauben daran in den Tod gegangen, dieser Glaube hätte sich über zwei Jahrtausende fortgesetzt und ich hätte dann eines Tages den Entschluss gefasst, einen Blog über den Glauben, Gott, Jesus, die Kirche und nicht zuletzt die Treue zum Papst zu schreiben?

    Nein, frei nach Douglas R. Hofstadters Theorie von den selbstbezüglichen Sätzen kann man sagen: Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, würden Sie diesen Satz nicht lesen! Dabei stand auch das, die Weitergabe des Glaubens, auf Messers Schneide. Gerade heute lesen wir im Evangelium (Lukas 24,13-35) von den Jüngern, die enttäuscht vom Tod Jesu wieder ihrem alten Leben nachgehen und nach Emmaus wandern wollen. Und selbst als sie Jesus sehen, erkennen sie ihn nicht und berichten ihm lediglich von den Geschichten und davon, dass das nun alles vorbei ist. Erst als Jesus sich ihnen zeigt, als sie in der Lage sind, ihn beim Brechen des Brotes zu erkennen, erst da legen sie die Mutlosigkeit ab, und laufen, nachdem es bereits dunkel geworden ist, von Emmaus wieder los nach Jerusalem, um den anderen davon zu berichten. Sie hatten Jesus nicht mehr erwartet, wären im früheren Trott weiter marschiert, aber dann geschah, was sie nicht für möglich gehalten hatten, als Jesus von Tod und Auferstehung berichtet hatte.

    Ähnliches trifft auch auf den Apostel Paulus zu, aus dessen Brief wir in der zweiten Lesung heute gehört haben (1. Korinther 15,1-8.11)

    [Er] erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.

    Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der "Missgeburt".

    Wer hätte das gedacht, Saulus, der im Ruf stand, die Sekte der Christen ausrotten zu wollen, trifft bei Damaskus auf Jesus, und dieses Erlebnis und die Worte Jesu, nicht zuletzt die Frage, warum Saulus ihn verfolge, sorgen für seine Umkehr. Das hatte niemand erwartet, am wenigsten er selbst!

    Und heute – die Worte des konvertierten seligen Kardinal Newman gelten noch immer:

    Die Zeit ist voller Bedrängnis – die Sache Christi liegt wie im Todeskampf. Und doch, nie schritt Christus mächtiger durch die Erdenzeit, nie war sein Kommen deutlicher, nie seine Nähe spürbarer, nie sein Dienst köstlicher als jetzt. Darum lasst uns in diesen Augenblicken des Ewigen, zwischen Sturm und Sturm in der Erdenzeit zu ihm beten:
    O Gott, du kannst das Dunkel erleuchten, du kannst es allein!

    Immer wenn wir als Christen heute glauben, dass es zu Ende gehe mit der Kirche, dann geschehen Dinge, treten Menschen auf, die den Glauben wieder stärken – nicht aus sich heraus, sondern weil sie dem Ruf Gottes gefolgt sind, der nicht nur ein Ruf zum Glauben sondern auch zur Verkündigung ist!

    Wir dürfen ruhig erwarten, dass in Zeiten, in denen wir den Glauben und die Kirche im Todeskampf wähnen, Jesus sein Wort einhalten wird, dass er immer bei uns sein wird, bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,20b) und dass seine Kirche, die er auf den Felsen Petrus, den Papst, gebaut hat nicht von den Mächten der Unterwelt überwältigt werden wird (vgl. Mt 16,18). Ob das ein großes Wunder sein wird, oder ob es die kleinen, erst in der Rückschau großartigen Schritte des am kommenden Sonntag heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. sind – immer wird Jesus, der Auferstandene, in der Welt wirksam.

    Und wir? Wir „normalen“ Gläubigen? Wir dürfen mit Christus gehen, sind berufen zum Glauben und zur Verkündigung, und wir alle sind das Wunder, das Gott selbst möglich macht. Demut gegenüber Gott ist angebracht, aber Starkmut in der Welt ist gefordert, damit wir nicht hängenden Kopfes eine scheinbar endlose Fastenzeit erleben sondern im Gegenteil ein ewiges Osterfest! Erwarten wir doch auch das Unerwartete – Gott wird es tun!

    Nachtrag: Ich selbst komme gerade mit meiner Familie von einem katholischen Osterkurs, man könnte es als Familienexerzitien bezeichnen, zurück. Rund 15 Familien, über 40 Kinder, alle mit ihren eigenen kleinen oder großen Problemen, aber alle auch in der Gewissheit, dass Jesus für jeden einzelnen gestorben ist, auferstanden ist, dass sie alle von Gott gewollt und geliebt sind – für mich ein „Großereignis“ des Glaubens – und auch in solchen Tagen unerwartet. Vielleicht hilft das auch dem einen oder anderen meiner Leser: Wir sind nicht allein – Jesus ist bei uns, und viele, viele Gläubige, manche von denen wir es vielleicht nicht annehmen, sind neben uns!

  • Donnerstag 23:55 Uhr - Kar- und Osterwochenende!

    Wochenende

    Liebe Leser des PAPSTTREUENBLOGs,

    es ist zwar erst Donnerstag, aber aufgrund des begonnenen Triduums habe ich mich entschieden, den Blogbetrieb für den Rest der Woche einzustellen. Und wie man vielleicht bemerkt hat: Die Woche war anstrengend, ich bin immer noch erkältungsgeschädigt (jaja, als Mann wehleidig bis sonstwohin) und so bin ich weder zum intensiven Bloggen noch zum Bloglesen gekommen. Daher muss ich auch in dieser Woche meine Linkliste schuldig bleiben.

    Umso intensiver verweise ich aber auf die kommende Sendung der Stunde des Herrn auf dem Internetsender KingFM. Natürlich wird die Sendung ganz im Zeichen des Osterfestes stehen - und ich freue mich, dass ich mit Pater Klaus Einsle einen kompetenten Interviewpartner gefunden habe, der das Osterfest ein wenig näher beleuchten wird. Übrigens stammt auch die Musikauswahl seit einigen Wochen von mir, und am Sonntag darf man sich neben dem katholischen Lobpreissänger Matt Maher und anderen christlichen Musikern unter anderem auf ein Wiederhören mit Creedence Clearwater Revival, BAP sowie den Doobie Brothers freuen, abgerundet durch die wohl entspannteste Version des Gloria-Gaynor-Klassikers "I will survive" von CAKE.

    Ich glaube, das wird eine wirklich lohnende Sendung und ich lade alles Leser ein, den Ostersonntagabend ab 19:00 Uhr mit der "Stunde des Herrn" ausklingen zu lassen.

    Die Stunde des Herrn

    Und damit wünsche ich allen Lesern ein besinnliches Triduum, und - da ich mich vorher nicht mehr melden werde - bereits jetzt ein gesegnetes Osterfest!

    Der Papsttreue

    Auferstehung

  • Betrachtungen zur Fastenzeit: Selbstbestimmung

    Betrachtungen zur Fastenzeit

    In vielen Diskussionen höre ich zur Zeit vom Argument der Selbstbestimmung; zuletzt in verschiedenen Diskussionsbeiträgen zu meiner letzten Sendung der „Stunde des Herrn“, in der es unter anderem um das Thema Abtreibung ging.

    Nun ist Selbstbestimmung ein Schlagwort, dass man für alles mögliche verwenden kann. Positiv klingt es für mich dann, wenn ich nicht in Abhängigkeit zu einem anderen Menschen stehe, soweit ich diese nicht selbst gewählt habe. Alles andere ist Macht- und Gewaltanwendung, und als freier Mensch fühlt man sich direkt unwohl mit einer solchen Art von Fremdbestimmung.

    Etwas ganz anderes ist es, wenn ich mich beispielsweise dafür entscheide, mich von jemand anderem abhängig zu machen. Das kann sehr profan als Mitarbeiter in einem Unternehmen sein. Meine Anstellung bedeutet dann nichts anderes, als dass ich eben nicht mehr die freie Entscheidung habe, wann ich morgens aufstehe, wann ich zum Mittagessen gehe etc. Ich bin in Teilen fremdbestimmt, was ich aber selbst gewählt habe, und aus dieser Art der Selbstbestimmung kann ich mich auch jederzeit lösen.

    Intensiver ist die Bindung an einen Partner, besonders dann, wenn sie sakramental geschlossen wurde – ich spreche von der Ehe. Mit Eingang der Ehe bin ich nicht mehr alleine, Frau und Mann werden ein Fleisch, und ich bin mitverantwortlich für meine Frau, meine Frau für mich. Alles, was ich tue hat Auswirkungen auf sie und umgekehrt – und zu trennen ist eine solche Verbindung auch nicht mehr: Ich kann nicht einfach kündigen!

    Dann gibt es aber noch eine Art von Fremdbestimmung, die vielen vielleicht auch unheimlich ist, weil sie denjenigen, von dem sie abhängig sind, nicht zu erkennen vermögen. Es geht um unser Verhältnis zu Gott – der hat uns in Freiheit erschaffen, und so sind wir frei, ihm zu folgen oder es zu lassen, ihn zu lieben oder ihn abzulehnen. Gott nimmt uns also nicht unser Recht auf Selbstbestimmung – und trotzdem wird jedem Christen bei der Forderung nach absoluter Selbstbestimmung ein ungutes Gefühl beschleichen, eben weil diese Forderung in aller Regel Gott außen vor lässt.

    Ich begebe mich als Gläubiger in eine Art von Fremdbestimmung. Ich erkenne an, dass Gott es gut mit mir meint, mich liebt, alles aus Liebe tut und sein Plan für mich immer besser ist als ein eigener, der davon abweicht. Freiwillig folge ich ihm – oder versuche es zumindest – und gebe dabei, im Einvernehmen zwischen Ihm und mir, mein Selbstbestimmungsrecht auf.

    Und es gibt gerade in diesen Tagen ein prägnantes Beispiel für einen Menschen, der das nicht getan hat, nicht tun wollte, der seinen eigenen Plan verfolgt hat, der geglaubt hat, es sei besser für ihn, einen anderen Weg einzuschlagen als Jesus (Matthäus 26, 14ff.):

    In jener Zeit ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

    Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern. Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten.

    Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.

    Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

    Judas hat, bewusst und in Kenntnis der Konsequenzen, seinen Kopf durchgesetzt. Gott selbst hat aus diesem Verrat und dem Tod Jesu etwas gutes machen können, die Erlösung der Menschen – von Judas berichtet die Überlieferung, er habe sich umgebracht, sein letztes Nein Gott entgegengeschleudert.

    Auf welcher Seite möchte ich stehen: Auf der von Jesus oder der von Judas? Gottes Plan für mein Leben folgen oder mein Selbstbestimmungsrecht ausüben? Vor Gott verblassen die Forderungen nach Selbstbestimmung – aber es ist ein lohnender Weg, sich bewusst in seine Abhängigkeit zu begeben.

  • Betrachtungen zur Fastenzeit: Besser als Petrus?

    Betrachtungen zur Fastenzeit

    Wer das heutige Tagesevangelium (Johannes 13, 21-33.36-38) vom letzten Abendmahl liest, der kann schon ein bisschen mitfühlen mit Petrus. Er möchte so gerne bei Jesus bleiben, er versichert ihm seine Treue … und doch weiß Jesus, dass er ihn in den kommenden Stunden verraten wird: „Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

    Und man würde als Christ heute so gerne sagen: Nein, Herr, ich nicht! Ich werde Dich nicht verraten, notfalls gehe ich für Dich in den Tod!

    Und doch ist mir intuitiv klar, dass das nicht so ist, dass ich kein besserer Freund Jesu bin als Petrus. Denn ich kenne doch die Situationen, in denen ich Jesus verleugne. Nein, ich behaupte nicht, ihn nicht zu kennen, bin aber auch nicht mit dem Tod bedroht, wenn ich aufgefordert würde, ihn zu bekennen. Ich bin nur mit so etwas wie sozialer Ausgrenzung bedroht – und selbst das weitgehend nur „gefühlt“ – wenn ich mich zu meinem Glauben bekenne.

    Da ist das Unwohlsein beim Tischgebet in der Öffentlichkeit – selbst wenn ich mich durchringe, was auch eine Übungssache ist, in der Kantine oder im Restaurant zu beten, weiß ich doch, dass es nicht die Selbstverständlichkeit ist, mit der ich meinen Glauben bekenne, die mich vermuten ließe, dafür auch aufrechten Hauptes in den Tod zu gehen.

    Da ist mein Schweigen in Gesellschaften, in denen der Glaube ablehnend betrachtet wird. Selbst wenn ich mich auch hier dazu durchringe – was mal gelingt und mal auch nicht – meinen Glauben, Gott und auch die Kirche auch in ungelegenen Situationen zu bekennen und zu verteidigen, weiß ich doch, dass es letztlich um kaum etwas geht. Ich stutze, obwohl nicht mehr dran hängt, als vielleicht ein abschätziger Kommentar eines Kollegen oder Bekannten. Und da meine ich, ich würde für Jesus mein Leben hingeben?

    Christen sind die weltweit am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft, und man kann nur den Hut ziehen und für die Betroffenen beten, die in Nordkorea oder islamischen Ländern ihre Existenz, ihr Leben auf’s Spiel setzen, wenn sie auch nur eine Bibel besitzen. Dagegen ist in unseren Breiten munteres Christsein, selbst wenn man mal irgendwelche gesellschaftlichen Nachteile in Kauf nehmen muss. Und da glaube ich, besser zu sein als Petrus, Jesus nicht zu verraten?

    Skepsis und Demut ist da angesagt, und wenn wir ehrlich sind, sollten wir als erste Etappe mal dafür beten, nicht so zu sein wie Judas Iskariot, der Jesus „aktiv“ verraten hat, als einen von der Gegenwart verklärten und nachsichtigen Blick auf Petrus zu werfen in der Annahme, seine Fehler niemals zu begehen. Ich mache sie hundertfach, setze – wie Petrus bei der Ankündigung des Leidens Jesu – mich, meinen Willen, meine Vorstellung von meinem Leben und dem was Christsein bedeutet an die erste Stelle – und glaube trotzdem, Jesus nachzufolgen?

    Herr, lass nicht zu, dass ich werde wie Judas Iskariot, und hilf mir mit Demut auf das Beispiel Petrus zu schauen, der mit Dir gemeinsam Großes geschaffen hat, ohne Dich und ohne sich an Dir zu orientieren aber verloren war.

  • Schwerer in Gemeinden als in Schulen

    Wer meine gestrige Sendung „Die Stunde des Herrn“ auf dem Internetsender KingFM gehört hat, dem sind vielleicht auch die Erläuterungen von Claudia Wellbrock vom Verein „Rahel“ nahegegangen. Es war für mich jedenfalls ein eindrucksvolles Telefonat mit einer Frau – stellvertretend für andere bei Rahel engagierte Mitstreiter – die auf scheinbar verlorenem Posten kämpft: 100.000 Abtreibungen (offiziell) in Deutschland, eine finanzkräftige und vor allem in allen gängigen Parteien vertretene Abtreibungslobby, ein Gesellschaft, die meint, ein „Recht auf Abtreibung“ propagieren zu können – und sie ist konfrontiert mit den Frauen, die das ausbaden müssen, die unter einer Abtreibung leiden und unter deren Folgeschäden, seien sie psychisch oder physisch, die von den Lobbyisten wie pro familia (was für ein zynischer Name) schlicht abgestritten werden.

    Dabei nimmt Rahel eine besondere Stellung in der Lebensrechtsbewegung ein, da der Verein sich um Frauen und ihre Probleme kümmert, die bereits eine Abtreibung vorgenommen haben. Claudia Wellbrock setzt ihre Zeit und Energie zusätzlich noch in Vorträgen und Aufklärungsarbeit in Gemeinden und Schulen ein. Kindern und Jugendlichen den Wert der Sexualität zu vermitteln, dessen Missbrauch sich eben nicht einfach durch eine Operation nivellieren lassen, das ist in heutiger Zeit eine Sisyphos-Arbeit, die auch kaum Unterstützung, und sei es nur durch Lippenbekenntnisse, erfährt.

    Umso mehr erstaunte mich ein Satz, der leider erst am Ende meines Interviews fiel, auf den ich dann nicht mehr eingehen konnte. Auf die Frage, wie man Rahel denn unterstützen könne, war eine Antwort, man könne helfen „Türen zu öffnen“ – und dann „Es ist leichter für uns, in Schulen reinzukommen als in Gemeinden!“

    Das erinnert fatal an die Geschehnisse in den Bistümern Augsburg und Speyer um das Lebensrechtsprojekt 1000plus, in denen den Gemeinden mehr oder weniger untersagt wurde, Werbung für 1000plus zuzulassen. Die Argumentation könnte an dieser Stelle vermutlich genau so laufen: „Wir bieten allen Menschen Hilfe an, darum brauchen wir keine privaten Initiativen, auf deren inhaltliche Arbeit wir keinen Einfluss nehmen können.“ Nein, das ist kein Zitat, dass irgendeine katholische Stelle im Hinblick auf Rahel getan hat, es ist nur die Übersetzung der Argumentation aus der 1000plus-Aktion im Hinblick auf die Schwierigkeiten von Rahel, Zugang zu Gemeinden zu finden.

    Es gibt von meiner Seite auch keine tieferen Untersuchungen zu dem Thema, was man aber sagen kann: Es passt ins Bild! Die meisten Bistümer mussten sich erst vom damaligen Papst Johannes Paul II. zwingen lassen, aus der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung auszusteigen, die für katholische Einrichtungen aufgrund der Ausstellung des zur Abtreibung berechtigenden Beratungsscheins keine Alternative darstellt. Und da man es darüber hinaus in den letzten Jahrzehnten nicht verstanden hat, den Wert des Lebens auch jenseits kirchenrechtlicher Konsequenzen aufzuzeigen, steht man nun vor dem Scherbenhaufen, dass die Anklage der Kirchen gegen die hunderttausend Abtreibungen pro Jahr, außerhalb der Kirche nicht mal mehr zur Kenntnis genommen werden.

    Da stehen dann eben Laienlebensschützer an der Front und müssen sich in diversen TV-Formaten vorführen lassen, während sich die versammelte deutsche katholische Bischofsgemeinschaft nicht mal schafft, sich einmal im Jahr zum „Marsch für das Leben“ in Berlin aufzuraffen und die paar Kilometer vom Kanzleramt zum Dom zu laufen. Und Initiativen wie die von 1000plus oder Rahel stehen bei den Gemeinden vor verschlossenen Türen, weil sie dem Proporz und dem Selbstverständnis der kirchlichen Institutionen widersprechen, alleine für die Menschen zuständig zu sein und alleine ein Angebot machen zu können, selbst dann, wenn es seit Jahrzehnten erfolglos verläuft.

    Könnte man einen Effekt von nicht nur aus demographischen Gründen sinkenden Abtreibungszahlen beobachten, könnte man beobachten, dass kirchliche Lebensschutz- und Familienunterstützungsaktionen omnipräsent wären, statt auf Webseiten ein verstecktes Dasein zu fristen, dann könnte man in der Tat annehmen, dass es besser sei, die Bemühungen nicht zu stark zu zersplittern. So wie die Dinge aber liegen, stellen die kirchlichen Einrichtungen die Splitter da, die sich am großen Teil der Lebensschützer orientieren sollten.

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende! - Heute nur als Kurzfassung

    Wochenende

    Hui, die Woche war schnell vorbei, ich selbst auch noch erkältet - und so bin ich tatsächlich nicht dazu gekommen, viel in anderen Blogs zu lesen. Daher muss meine Linkliste heute leider entfallen und mir bleibt nur, auf die sonntägliche Sendung der Stunde des Herrn auf dem Internetsender KingFM, hinzuweisen, die von 19:00 bis 20:00 Uhr gesendet wird. Beeindruckender Interviewgast der Sendung, die unter dem Thema "Denn sie wissen nicht was sie tun" steht, ist Claudia Wellbrock vom Verein Rahel, der sich um Frauen nach einer Abtreibung kümmert - Einschalten!

    Die Stunde des Herrn

    Ich werde zusehen, dass ich in der kommenden Woche wieder eine Linkrutsche zusammengestellt bekomme und wünsche jetzt aber den Lesern des Blogs ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Palmsonntag!

    Der Papsttreue

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