szmmctag

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Ob es überhaupt jemand gemerkt hat ... dass es in der vergangenen Woche keine Linkliste gab? Nicht nur, dass ich in der letzten Woche ab Donnerstag Nachmittag frei hatte, ich habe mich auch noch um die Neueinrichtung des Zimmers unserer Kinder gekümmert, was mit dem Aufbau eines Hochbettes für den Filius und der Schrank- (21/2 m - PAX-Schrank, zum Glück nicht ganz alleine sondern mit Hilfe eines Freundes), Regal- und Gedönsmontage bis Samstag Nachmittag in Anspruch genommen hat. Am Ende steht alles sicher ... aber ich weiß auch wieder, warum ich kein Handwerker geworden bin - Schuster bleib bei deinen Leisten! Für den Wochenendgruß war daher leider keine Zeit mehr, dafür habe ich mir ganz fest vorgenommen, diese Woche zu liefern.

    Und los geht's:

    Katholisches

    Weihrausch und Gnadenvergiftung, Preisträgerin des Schwester-Robusta-Preises 2014 in Gold in der Kategorie Dialog verbreitet eine Anleitung für einen wirklich schönen Rosenkranz (den ich mangels handwerklichen Geschicks - siehe oben - nicht selbst nachbasteln werde):
    Umgestaltung

    Der Gedankengang von viasvitae zum "Umgang mit Gott" gefällt mir:
    So reden, als ob Gott im Raum wäre?

    Diese Betrachtung zum Evangelium von Christkönig von Alipius Müller auf totaliter aliter möchte ich nicht vorenthalten:
    Zum heutigen Evangelium

    Und noch mal zum Evangelium vom vergangenen Sonntag, diesmal von Bethanien bloggt:
    Höllenpredigt

    Nur eine bedingte Verteidigung Kardinal Kaspers aber unangenehme Fragen an seine Kritiker hat die ankerperlenfrau von Rosenkranz + Pilgerzeichen:
    Eine Lanze für Kardinal Kasper

    Wenn über Joseph Ratzinger vs. Papst Franziskus diskutiert wird, lohnt es sich zur Beruhigung des eigenen Gemüts immer, bei Invenimus Messiam vorbeizuschauen:
    Benedikts Einwurf zur Debatte?

    Im Interview von Ron Kubsch von TheoBlog mit dem Wissenschaftler Markus Widenmeyer geht es um dessen Buch und das Konzept einer "Welt ohne Gott?":
    Welt ohne Gott?

    DAS ist mal ein interessantes Projekt von Eduard von Habsburg - ein gemeinsamer Podcast mit einem mit ihm befreundeten Atheisten:
    Glaubenssache: ein Podcastversuch

    Libertäres

    Eine schöne Anekdote zur Klimahysterie liefert R.A. aus Zettels Raum im Hinblick auf die Werbung des Bundesumweltministeriums:
    Kleiner Witz und große Lüge

    Die Abschaffung des Bargeldes ist ein Mosaikstein auf dem Weg in den Totalitarismus - ein bisschen feiner formuliert es Roland Tichy:
    Verteidigt das Bargeld

    Gesundheitspolitik ist nebenbei heute ebenfalls auf dem Weg in den Totalitarismus, wie Christopher Snowdon auf NovoArgumente darlegt:
    Paternalismus: Eine Krankheit namens Volksgesundheit

    Sehr bedenkenswert beantwortet Llewellyn H. Rockwell Jr. auf dem Blog des Ludwig von Mises Institut die selbst gestellte Frage:
    Kann Anarcho-Kapitalismus funktionieren?

    Dass Jean-Claude Juncker ein Lunp ist, ist nichts Neues, jetzt greift man ihn allerdings an, weil er in seinem Leben auch ab und an was richtig gemacht hat. Nachzulesen bei Björn Düßmann auf Freitum:
    Toter Liberalismus ist die erste Voraussetzung auf dem Weg in den Totalitarismus

    arprin weist in der Diskussion um eine geforderte Zerschlagung von Google darauf hin, dass man als ersten Monopolisten den Staat - inklusive Kartellamt - zu zerschlagen hätte. Launiger Beitrag!
    Das Monopol des Kartellamts zerschlagen

    In anderen Ländern sind Universitäten nicht selten Kristallisationspunkte der Freiheit ... bei uns nicht so, wie man bei Kritische Wissenschaft – critical science nachlesen kann:
    Ein Profx, das zu Straftaten aufruft

    Nun hoffe ich, dass diese Liste ein bisschen den Ausfall der vergangenen Woche kompensiert und wünsche allen Lesern ein geruhsames und vor allem gesegnetes erstes Adventswochenende!

    Der Papsttreue

  • Google und die Freiheit der Kinder Gottes

    Ein regelmäßiger Leser meines Blogs hatte mir mal ein Feedback gegeben, dass er zweitweise befürchtet hätte, es würde ein politischer Blog werden, der nach und nach seinen katholischen Charakter verlöre. Und sicher ist mein Steckenpferd, der Libertarismus, die Freiheit generell, ein Thema, dass mich intensiv beschäftigt. Mir erscheinen die Einschränkungen, der unsere Freiheit mehr und mehr unterworfen werden als so fundamental, auch dann, wenn sie sich manchmal nur in Kleinigkeiten äußern, dass ich zunehmend allergisch auf alles reagiere, was auch nur entfernt nach Einschränkung der Freiheit – sei es meiner, sei es die anderer Menschen – riecht.

    Mit dieser Position steht man immer auch in der Kritik, weil es zu den freiheitseinschränkenden Maßnahmen immer auch vermeintlich gute Gründe gibt, von der Geschwindigkeitskontrolle nachts vor einer Schule über Glühbirnen bis zur Mülltrennung. Immer heißt es: Wenn es niemand reguliert, hält sich auch niemand daran! Offenbar ist für die meisten Menschen schwer vorstellbar, dass freie Menschen auch verantwortlich handeln könnten, dass die Mehrheit oder zumindest eine relevante, einzuhegende Minderheit, nicht in der Lage wäre, mit der eigenen – gottgeschenkten – Freiheit umzugehen.

    Nun ist es nicht so, dass es den Missbrauch von Freiheit nicht gäbe. Gott hat uns als freie Menschen geschaffen, selbst mit der Freiheit, gegen ihn zu opponieren, ihn nicht nur nicht zu lieben sondern uns sogar von ihm abzuwenden. Dabei käme heute im christlichen Umfeld niemand mehr auf den Gedanken, jemanden zum Glauben zwingen zu wollen. Die Freiheit, ja oder nein zu Gott zu sagen, ist uns von ihm geschenkt, und kein Mensch sollte diese Freiheit nehmen. Und dieser, nennen wir es nicht Missbrauch sondern falschen Gebrauch der Freiheit, zieht sich überall durch, nicht nur in Glaubensfragen.

    Es stellt sich aber die Frage, inwieweit ein Regulativ gegen einen solchen Gebrauch der Freiheit notwendig ist (zum Beispiel inwieweit ich einen Menschen davor schützen muss, sich selbst zu schaden) und vor allem, wer für dieses Regulativ verantwortlich ist. Im Beispiel des Glaubens ist es die Kirche, die durch die Evangelisierung Menschen zu Gott zu führen versucht. Zwang wendet sie dabei nicht an, insofern liegt die letzte Verantwortung, wenn sich jemand nicht Gott zuwenden möchte, bei dem einzelnen Menschen. Die Verantwortung der Kirche liegt lediglich da, den Menschen den Glauben an Gott anzubieten, zu erklären … in einem positiven und nicht manipulativen Sinn schmackhaft zu machen.

    In den meisten anderen Bereichen kommen dagegen die meisten auf einen „Regulator“, der sich eigentlich in den vergangenen Jahrhunderten als denkbar ungeeignet erwiesen hat, dessen einzige Qualifikation in der angenommenen Allgemeingültigkeit und Neutralität, insbesondere nicht in der fachlichen Kompetenz besteht: den Staat! Wer ein vermeintlich berechtigtes Interesse hat, dass er auf dem Wege der Vernunft nicht umzusetzen in der Lage ist – egal ob es an der Unvernunft der „Anderen“ oder an der Unvernunft des Anliegens liegt – ruft nach dem Staat. Und da Macht in aller Regel nach mehr Macht giert, lässt der sich nicht lange bitten. Die obigen Beispiele aus dem alltäglichen Leben geben ein Beispiel der Regulierungswut, die man nicht nur der EU sondern jeder Institution anlasten muss. Und zu denen gesellt sich derzeit die Forderung nach einem harten Markteingriff, nämlich der Forderung zur Zerschlagung des Internetkonzerns Google.

    Dem wird vorgeworfen, eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, sich zu einem Konzern zu entwickeln, dem man als Kunde kaum noch entgehen kann. Kurz gesagt: Man wirft ihm vor, erfolgreich zu sein, sich erfolgreich gegen früher aussichtsreiche Konkurrenten wie Yahoo durchgesetzt zu haben. Dieser Erfolg bietet dem Konzern Gestaltungsmöglichkeiten, eben Macht, die sich aus den finanziellen Mitteln und der Marktstellung ergeben. Dazu kommt noch eine gewisse Undurchsichtigkeit hinsichtlich des Datenschutzes, sodass selbst Google-Nutzer den Dienstleister eher als Datenkrake denn als Service begreifen.

    Erst kürzlich waren deutsche Verlage erfolgreich in einer Klage, sodass Google nicht mehr ungefragt Ausschnitte aus Onlineinhalten von Zeitungen, sogenannte „Sippets“ auf der News-Seite verwenden darf. Mit dem Erfolg, dass sich die gleichen Unternehmen nun beschweren, dass Google diese Snippets nicht mehr (nunmehr kostenpflichtig) nutzt und die Zugriffe auf die betreffenden Seiten von Google aus offenbar signifikant zurückgegangen sind. Das ist – man kann das nicht wegdiskutieren – Macht (die sich allerdings in dem Fall gegen die durchsetzt, die bislang selbst eine oligopolartige Stellung in der Bereich der Medien und Berichterstattung hatten)! Diese Macht ist allerdings nicht vom Himmel gefallen, sondern seitens des Konzerns erarbeitet worden. Es gibt im Internet quasi keine Markteintrittshürden, jeder kann seinen eigenen Suchdienst gründen und sich an den Google-Erfolg dran hängen. Das allerdings ist – gerade weil es einen so großen Player wir Google gibt – mit Risiken verbunden, die die meisten offenbar nicht eingehen wollen. Wiederum: Was man Google vorwerfen kann, ist der Erfolg!

    Wie kann man als Kunde reagieren, der dieser Macht nicht traut? Nun, es ist ein freier Markt, es gibt Konkurrenzangebote, die man nutzen kann. Je mehr Nutzer dies tun, umso mehr sinkt die Marktmacht von Google. Auch für die weiteren Dienste, inklusive der Zusammenarbeit beispielsweise mit Mobiltelefonherstellern gäbe es dann schnell Alternativen – wenn die Kunden dies wünschen und nicht eher auf die Vorteile eines einheitlichen Standards setzen. Und natürlich können auch andere Unternehmen, prädestiniert wären vermutlich Internet- und/oder Medienkonzerne, in diesen offenbar erfolgversprechenden Markt einsteigen, mit vergleichbaren oder besseren, vielleicht transparenteren Angeboten und besserem Datenschutz.

    Worauf die Staatsjünger aber wieder setzen ist der Staat! Er soll Google wegen seines Erfolges zerschlagen. Das ist nicht nur ein Widerspruch gegen die Freiheit, es ist vor allem ein Effekt, bei dem der Bock zum Gärtner gemacht wird: Der einzige gesetzlich verordnete Monopolist soll gegen ein erfolgreiches Unternehmen einschreiten, um dessen Monopol zu brechen? Wieso glaubt eigentlich jeder, gerade in der Regierung und in den staatlichen Verwaltungen seien nur herzensgute Menschen beschäftigt, die nur das Beste für die Menschen wollen? Wieso glaubt eigentlich jeder, nur in der Regierung und in den staatlichen Verwaltungen seien Mitarbeiter beschäftigt, die ausreichend kompetent sind, das Wohl der Gesellschaft zu sichern? Und das auch noch abseits der Freiheit, durch Zwangsmaßnahmen, die der Freiheit der Menschen zum Miteinander diametral entgehenstehen?

    Warum kommt eigentlich niemand auf die Frage, wieso ein Konzern wie Google nicht in Deutschland entstanden ist, und ohne staatliche Schützenhilfe hier offenbar auch nicht entstehen wird? Sind es nicht möglicherweise die regulatorischen Anforderungen an Unternehmen, die den Erfolg eines Start-ups verhindern? Und diejenigen, die den Unternehmergeist durch Regulierungen ersticken, sollen es nun richten? Ich weiß auch nicht, ob nicht Google Starthilfe beispielsweise der USA erhalten hat – offenbar steht man den geheimdienstlichen Aktivitäten der NSA nicht allzu fern – aber ein Erfolgsfaktor solcher Unternehmen ist sicher die Regulierungswut in Staaten wie Deutschland und gutmenschliche Marktbegrenzungen, wie wir sie in der EU erleben.

    Ich bin gefragt worden, ob mir die marktbeherrschende Stellung von Google als Libertärer gefallen könne. Ich muss sagen: Es ist kein Idealzustand, aber immer noch besser als das Monopol des Staates auszubauen! Weist man dagegen den Staat in seine Grenzen und nutzt man als Kunde seine Macht, hindert man nicht den Mut und Erfindungsgeist von Unternehmern, dann ist es mit der Monopolstellung von Google auf ganz natürlich Art schnell vorbei. Die Zerschlagung von Google ist ein Rezept aus der Giftküche des Sozialismus, mit dem man eine Unpässlichkeit des Marktes kurieren will, die man selbst verursacht hat.

    Ja, das war wieder so ein politischer Beitrag, der dem einen oder anderen christlichen und katholischen Leser vielleicht nicht gefallen mag. Die Grundlage meiner Freiheitsidee basiert aber weiter auf der Freiheit der Kinder Gottes. Gott traut uns einiges zu, an Erkenntnis, an Einsicht, an Umkehr zu ihm. Wir selbst misstrauen dagegen uns und der Freiheit der anderen und setzen dagegen die Mittel der Unfreiheit und des staatlichen Zwangs. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das im Sinne unseres „Erfinders“ ist!

  • Waffen gegen ungeborene Kinder

    Wenn es um Waffengesetze geht, findet sich meine Einstellung irgendwo zwischen Mahatma Gandhi und Clint Eastwood. Das muss man vielleicht erklären: Natürlich sind Waffen dazu da, anderen Menschen zu schaden, Gewehre und Pistolen eignen sich nicht so sehr zum Stoppen eines Angreifers als viel mehr zum Töten. Als Christ kann mir daher nicht gefallen, wenn alle mit einer Waffe im Haus oder in der Hand herumrennen. Andererseits ist Verteidigung, seiner selbst oder seiner Familie oder anderer Wehrlose manchmal eben notwendig, und den Waffenbesitz nur einem Gewaltmonopolisten, in unserem Fall dem Staat zuzugestehen, macht mich ebenfalls unruhig. In einer idealen Welt sollte niemand eine Waffe besitzen – bis es soweit ist, sollte der Staat und seine Organe aber nicht die einzigen Agenten des Volkes sein, der darüber frei verfügen darf!

    Dieser Einstieg hat nur oberflächlich nichts mit dem eigentlichen Thema des Beitrags zu tun: Dabei geht es nämlich darum, ob man in einer Welt, die gebrochen ist, dogmatisch an bestimmten Positionen festhalten kann. Es geht um die Freigabe der „Pille danach“. Hierzu hat die große Koalition gerade beschlossen, sie solle in Apotheken künftig rezeptfrei erhältlich sein. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme wird damit begründet, dass die Wirkung der Pille besser sei, je näher man sie an – benutzen wir mal das altmodische Wort – der Zeugung eines potenziellen Kindes anwendet. Die Apotheken sollen dabei zu einer Beratung verpflichtet werden, für nicht volljährige Mädchen soll es auch weiterhin eine Rezeptpflicht geben, nicht zuletzt auch wegen der potenziellen Nebenwirkungen des Medikaments.

    Noch immer ist dabei nicht überzeugend dargelegt, dass es sich bei der Pille nur um eine „empfängnisverhindernde“ Medikation handelt, und nicht um ein Medikament, dass auch abtreibende Wirkung im Sinne der Verhinderung der Einnistung einer befruchteten Eizelle oder der Abtötung dieses Embryos haben kann. Und insgesamt wird mit der Regelung eben nicht, wie vielfach kolportiert wird, gezielt auf kriminologische Indikationen reagiert, also auf den verständlichen Wunsch, dass eine Frau nach einer Vergewaltigung nicht das Kind des Täters austragen möchte. Im Gegenteil wird bewusst in Kauf genommen, dass auch die Folgen eines „sorglosen“ Umgangs mit der Sexualität unterbunden werden sollen – mit dem Ergebnis, dass ein gezeugtes Kind nicht das Recht auf Leben haben soll.

    Für die meisten ist das, was ich da oben geschrieben habe – machen wir uns nichts vor – hochgradig theoretisch. Für die meisten Menschen ist die befruchtete oder eben erst eingenistete Eizelle noch kein Mensch, wird es erst noch, und insofern erscheint es nicht tragisch, an dieser Stelle hindernd in eine gerade begonnene Schwangerschaft einzugreifen. All die anderen Argumente ziehen dann mehr: Soll sich denn jemand für einen unbedachten Augenblick lebenslange Konsequenzen in Form eines Kindes zuziehen? Will man wirklich für eine befruchtete Eizelle den Lebensweg eines Menschen unwiderruflich auf ganz andere als die geplanten Bahnen lenken?

    Ganz klar ist eigentlich: Wenn sowieso eine Frau aufgrund der Fristenregelung entscheiden kann, ein Kind straffrei abzutreiben, dann gibt es keinen Grund, die Pille danach zu verweigern. Und dann gibt es erst Recht keinen Argument dagegen, den Schwangerschaftsabbruch schon dann einzuleiten, wenn vermeintlich noch gar nichts passiert ist. Und wenn das wiederum der Fall ist, dann sehe ich keinen Grund, eine Hürde wie ein ärztliches Rezept aufzubauen, die am Ende sowieso nur verzögernde Wirkung hätte.

    Diejenigen, die das Lebensrecht eines Kindes erst kurz vor oder erst mit der Geburt zugestehen wollen, können vor dem Hintergrund Bedenken, wie ich sie oben geäußert haben, nicht verstehen, müssen sie als Schikanen eines religiösen Fundamentalisten verstehen. Dass aber eine vorgeblich christliche Regierungspartei sich auf einen solchen Handel einlässt, und eine Entscheidung getroffen hat, die die ethischen Konsequenzen offenbar kaum berücksichtigt, das macht mich – trotz aller negativer Erfahrungen mit dieser Partei – immer wieder betroffen.

    Es ist nämlich nicht einfach eine Entscheidung, die auf die verständlichen Bedürfnisse von zum Beispiel vergewaltigten Frauen und Mädchen reagiert. Die Entscheidung zum rezeptfreien Verkauf der „Pille danach“ ist – egal welche Beratungshürden man sonst aufbaut – vergleichbar mit der, die man schon mal mit der Fristen- und Beratungs-„Lösung“ zur Abtreibung getroffen hat: Ein zusätzlicher Baustein in der Geschichte der Geringschätzung des Lebens zu seinem Beginn! Mit „Pille danach“ und Fristenlösung gibt man Menschen eine Waffe in die Hand, eine Waffe gegen bestehendes Leben – wie sorglos man damit offenbar umgeht, macht der Vergleich zu Schusswaffen vielleicht klar, bei denen man sich scheut, sie jedem in Hand zu drücken. Ein schiefes Bild? Nicht so schief, wie man uns glauben machen will!

  • Die gute Seele Europas

    Der Papst war im Europaparlament, weitgehend außerhalb der Öffentlichkeit, immerhin mit einem kleinen Beitrag im Heutejournal des gestrigen Abends bedacht. Aufgefallen ist es wohl nur wenig, und wenn, dann wurde wieder über die Kritik des Papstes an sozialen Zuständen berichtet oder seine Hinweise auf die Ökologie, die zu berücksichtigen auch Aufgabe der Europäer sei. Es gab ein paar kleinere Proteste gegen das Auftreten des Papstes, die aber ebenfalls mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben.

    Dass die Wahrnehmung eines solchen Auftritts, immerhin mehr als 25 Jahre nach dem letzten Auftritt eines katholischen Kirchenoberhauptes vor diesem Parlament, also mit dem Begriff „historisch“ sicher nicht zu hoch bewertet, so gering ausgefallen ist, das mag daran liegen, dass der Papst mit seinen Hinweisen und Forderungen in seiner Rede (bei kath.net in der offiziellen deutschen Übersetzung wiedergegeben) exakt richtig liegt. Denn wenn er an die Parlamentarier appelliert, „daran zu arbeiten, dass Europa seine gute Seele wieder entdeckt“, dann bedeutet das doch zweierlei: die gute Seele Europas ist weitgehend verloren gegangen und bislang arbeitet niemand, mindestens zu wenige, daran, sie wieder zu entdecken – womöglich weil ihnen der Verlust noch gar nicht aufgefallen ist.

    Und dieser Schwerpunkt der Rede des Papstes ist auch unangenehm genug, dass ihn unsere Medien tunlichst ausblenden. Denn was meint er, wenn er von der guten Seele Europas spricht? Sicher keine ausufernde Bürokratie, die er aber nur in Nebensätzen ein wenig kritisiert. Sicher aber auch nicht die Fokussierung auf Technik und Wirtschaft, in die sich die EU im Wesentlichen eher als Hindernis einmischt denn als Förderer der Zusammenarbeit. Was er meint, sind die christlichen Wurzeln, aus denen heraus der europäische Gedanke, der der Friedenssicherung durch Zusammenarbeit, der der Menschenwürde, auch aber nicht nur durch soziale Sicherung und Arbeit, und der einer christlichen europäischen Identität, die nicht nationale Identitäten verwischt sondern ergänzt, genährt und gestärkt wird.

    Der Papst ergänzt dabei ein Zitat aus einem Brief an Diognet („die Christen in der Welt das sind, was die Seele im Leib ist“) mit dem heutigen Anspruch des christlichen Glaubens:

    Die Aufgabe der Seele ist es, den Leib aufrecht zu erhalten, sein Gewissen und sein geschichtliches Gedächtnis zu sein. Und eine zweitausendjährige Geschichte verbindet Europa mit dem Christentum. Eine Geschichte, die nicht frei von Konflikten und Fehlern, von Sünden immer aber beseelt war von dem Wunsch, am Guten zu bauen.

    Dass, so scheint es jedem christlichen Beobachter, das heutige „offizielle“ Europa sich seiner christlichen Wurzeln lieber heute als morgen entledigen möchte, ist nicht nur an der Person des Parlamentspräsidenten, Martin Schulz, festzumachen, der noch im Europawahlkampf dafür eintrat, Kreuze aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Er ist aber nur der Kopf, und dass christliche Werte im Kontext der Entscheidungen „aus Brüssel und Straßburg“ kaum eine Rolle spielen dürften, ist wohl kein Geheimnis.

    Das aber, und hier zieht der Papst nicht nur eine Bilanz sondern wirft damit auch einen Blick in die Zukunft, der Verlust der christlichen europäischen Seele stellt das Grundproblem dieses institutionalisierten Europas dar:

    Ebenso bin ich überzeugt, dass ein Europa, das fähig ist, sich die eigenen religiösen Wurzeln zunutze zu machen, indem es ihren Reichtum und ihre inneren Möglichkeiten zu ergreifen versteht, auch leichter immun sein kann gegen die vielen Extremismen, die sich in der heutigen Welt verbreiten – auch aufgrund des großen ideellen Vakuums, das wir im sogenannten Westen erleben, denn »es ist gerade die Gottvergessenheit und nicht seine Verherrlichung, die Gewalt erzeugt«.

    Wer also ein religiös und weltanschaulich neutrales Europa fordert, der muss nachweisen, was denn die Seele Europas sein soll? Die Konzepte, die man dazu erkennen kann sind es dagegen, die der Papst gerade als Gefahr für den Frieden und die Demokratie in Europa ausmacht: „die engelhaften Purismen, die Totalitarismen des Relativen, die geschichtswidrigen Fundamentalismen, die Ethizismen ohne Güte, die Intellektualismen ohne Weisheit.“ All das taugt nicht als Seele Europas, gefährdet am Ende nur die Initiative, ein gemeinsames christliches Fundament zur Sicherung des Friedens in Europa zu nutzen.

    Bemerkenswert daran ist vor allem, dass der Papst zwar nicht die Bibel zitiert, auch Gott selbst nur selten erwähnt, aber der Begriff des „Christentums“ als Seele Europas in großen Lettern über seiner Rede steht. Europa, die EU, egal wie es politisch und wirtschaftlich gestaltet sein soll, wird christlich sein oder es wird langfristig als Gemeinschaft gar nicht sein! Das Christentum löst nicht alle Probleme, und in der Geschichte war der Glaube oft auch Ausgangspunkt für Konflikte. Die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts waren aber bereits das Ergebnis von Ideologien ohne Gott – während die europäische Idee mit einer christlichen Identität den Frieden gesichert hat.

    Insofern kann man eine andere Ansicht als der Papst zum Thema Sozial- oder Arbeitsmarktpolitik und die Rolle der Politiker und Parlamente in diesem Umfeld haben. Ohne die christliche Seele aber wird weder ein liberales (wie ich es selbst propagiere) noch ein sozialistisches (wie es offenbar allgemein bevorzugt wird) Europa langfristig seine Ziele, die Sicherung des Friedens und der Würde der Menschen, erreichen!

  • Gesamtgesellschaftliche Aufgabe?

    Wer gestern Plasbergs „Hart aber fair“ gesehen hat, konnte sich erstaunt die Augen reiben: Da saß die als Katholikin vorgestellte Birgit Kelle, die in einer heiße Diskussion immer wieder den Versuch einer Versachlichung startete. Der ehemalige EKD-Vorsitzende Bischof Huber war sichtlich genervt über die mangelnde Auseinandersetzung der beiden Islamvertreter, Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, und Özlem Nas, offenbar dauerbeleidigtes Vorstandsmitglied im Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, mit den Themen, die doch eigentlich ihre ureigensten sein müssten. Was die Kabarettistin Lisa Fitz in der Runde ob ihrer demonstrativ zur Schau gestellten Unkenntnis jeder Sachlage, sei es die Beurteilung christlicher wie muslimischer Geschichte und Theologie, machte, wusste sie vermutlich am Ende selber nicht.

    Überraschend daran war, dass die Rollenverteilung vermutlich anders vorgesehen war. Meine Erwartungshaltung war jedenfalls eher, die beiden Vertreter des Islam in der Verteidigungs- bis Opferhaltung, Birgit Kelle auf Angriff geschaltet und Huber um Ausgleich bemüht zu sehen. Was Lisa Fitz in der Runde zu suchen hatte, war mir von Anfang an nicht klar, das war insofern die einzig wenig überraschende Wendung. Um es damit dann auch bewenden zu lassen: eine antireligiöse Vertreterin in eine solche Runde einzuladen, kann die Stimmung anheizen, die muss dann aber auch wirklich was auf dem Kasten haben und nicht ständig eingestehen, dass sie eigentlich keine Ahnung hat und erst „gestern Nacht den Koran gelesen hat“.

    Dabei hat es ansonsten in der Runde nicht an Brücken hin zum Islam gefehlt – allein, Herr Mazyek und Frau Nas mochten nicht drüber gehen. Stattdessen immer wieder die gleiche Leier: ISIS und Terror hätten mit dem Islam nichts zu tun, insofern müsse man sich auch nicht davon distanzieren. Fragen hinsichtlich der Rolle der Frauen, der Andersgläubigen oder der Homosexuellen im Islam wurden nur ausweichend bis gar nicht beantwortet, und so wurde schnell klar, warum eigentlich mehr als 40 % der Deutschen Sorge haben, dass der Islam in Deutschland weiter erstarken könnte. Man kann sie nicht fassen, stellen sich nicht den eigenen religionsinternen Themen, und sehen das Wachstum des Islamismus als „gesamtgesellschaftliche“, aber nicht als ihre persönliche Aufgabe.

    Recht hatte in diesem Zusammenhang Bischof Huber, für mich in der Tat eine der Überraschungen des Abends, der deutlich machte, dass es auch eine Aufgabe einer christlichen Gemeinde wäre, sich um Menschen zu kümmern und darauf zu reagieren, die in einen wie auch immer gearteten Fundamentalismus abdrifteten. Die immer gleiche stereotype Antwort Mayzeks: Das tue man doch, es werde nur nicht darüber berichtet.

    Wie die Ablehnung persönlicher Verantwortung mit dem nicht nachgewiesenen Bemühen um Klärung der Situation, sowohl ganz konkret hinsichtlich einzelner vom Extremismus angezogener Personen, als auch theologisch im Sinne der Klärung der Gewaltfrage im Islam und dessen Umgang mit Frauen, Ungläubigen und Minderheiten, zusammen passen soll, hat sich mir dabei nicht erschlossen. Glaubwürdig war das alles nicht, vor allem nicht vor dem Hintergrund einer der Integration und Multikultur durchaus wohlgesonnenen Medienlandschaft, als deren Opfer man sich nun sieht.

    Da halfen auch nicht die teilweise tatsächlich „unterirdischen“ Kommentare im Gästebuch der Sendung, die den Islam mit Fäkalsprache beschimpften – es mochte sich nicht so recht die Stimmung eines Islam als Opfer der Fremdenfeindlichkeit einstellen, wenn doch die diesen Stimmungen zugrunde liegenden Befürchtungen nicht ausgeräumt werden können – und die Vertreter des Islam auch ihre Aufgabe gar nicht darin sehen.

    Dabei kann man einer Argumentation durchaus etwas abgewinnen: In einer der Gesellschaft, der jede Orientierung fehlt, der man insbesondere religiöse Orientierung erfolgreich ausgetrieben hat, sind vor allem Jugendliche, die sich benachteiligt fühlen und es in vielen Fällen wohl auch sind (über die Verantwortung dafür lohnte sich ein eigener Talkshowabend) schnell zum Extremismus zu verführen. Es bleibt aber auch als Fakt, dass es eben nicht Hunderte Christen in Deutschland sind, die in einen Krieg gegen die Ungläubigen ziehen wollen, dass es eben nicht christlich dominierte Staaten sind, in denen die Menschenrechte durchgängig mit Füßen getreten werden. Der Islam ist zumindest der Kristallisationspunkt eines Problems, das nur in Teilen gesamtgesellschaftliche Ursachen hat – dass hochrangige Vertreter des Islam in Deutschland, wie Aiman Mazyek und Özlem Nas, die Verantwortung dafür ablehnen, die Diskursbrücken, die ihnen Birgit Kelle und Bischof Huber, und sogar Frank Plasberg, gebaut haben, mit dem Argument meiden, es sei gar nicht ihr Problem, muss einen im Hinblick auf eine weitere Bedeutungszunahme dieser Religion in der Tat beunruhigen!

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