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  • „Wir reduzieren niemanden auf seine Sexualität“

    Am kommenden Samstag kommt er … nein, eigentlich ist er schon da: der neue Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki. Und während sich manche Medien wie die Kölnische Rundschau noch investigativ hinsichtlich seines Umzugs geben (warum es wichtig ist, dass der Erzbischof einen Ficus Benjamini sein eigen nennt, wird wohl das Geheimnis des Redakteurs bleiben) hat der Neue bereits für Aufsehen gesorgt mit einer Aussage, die jedem Christen und Katholiken unmittelbar einleuchtet, für „die Welt da draußen“ aber tatsächlich eine Schlagzeile wert ist: „Homosexuelle gehören zur Kirche“!

    Diesen Satz hat Woelki offenbar in einem Interview mit dem WDR2 getätigt und damit gleich für ein kleines Rauschen im Blätterwald gesorgt. Ist Woelki nicht der Hardliner von der Opus-Dei-Universität, der Zögling des früheren Kölner Erzbischofs Kardinal Meisner? Manche weisen dabei darauf hin, dass Woelki bereits in Berlin auf die Lesben- und Schwulenverbände zugegangen sei und das Gespräch nicht abgelehnt, sogar gesucht habe.

    Die BILD-Zeitung zitiert Woelki nun so und bescheinigt ihm damit „Toleranz“:

    „Schwule, Lesben, Homosexuelle gehören natürlich genauso zur Kirche wie alle anderen auch. Wir reduzieren niemanden auf seine Sexualität,“ sagte Kardinal Woelki zum Radiosenders WDR2.

    Er betonte weiter: „Das sind Christen, die ebenfalls ihren Glauben leben und praktizieren. Die gehören natürlich selbstverständlich zu uns!“

    Das sozialistische Neue Deutschland äußert sogar, der Kardinal rudere gegenüber den Homosexuellen zurück.

    Man könnte meinen, hier würde seitens der Medien eine Art „Papst Franziskus vom Rhein“ installiert, denn hier wie beim Papst sind es eigentlich keine Neuigkeiten, die Kardinal Woelki verbreitet. Wer den Katechismus liest, der wird an vielen Stellen über etwas lesen, was ganz offenbar den gebrochenen Menschen ausmacht, seinen Hang zur Sünde.

    Von dieser sogenannten Konkupiszenz weiß natürlich auch Gott, und es ist gerade der „christliche Gott“ der durch seine Barmherzigkeit gegenüber den Menschen hervorsticht. Und so sieht es auch die Kirche, wenn sie jeden Sünder auch als Mitglied der Kirche betrachtet, ungeachtet möglicher anderer Konsequenzen. Jeder, der regelmäßig sein Gewissen erforscht und zur Beichte geht, weiß, dass sein Leben alles andere als fehler- oder sündenfrei verläuft. Das wäre eine kleine Kirche, wenn jeder, der sündigt, nicht mehr Teil dieser Kirche sein könnte. Und so sind wir alle eben als Sünder – wenn wir es denn noch wollen – Teil der Kirche. An dieser Stelle ist es also kein Zurückrudern, was man aus den Worten des Kardinals herauslesen kann. Im Gegenteil könnten auch ausgewiesen konservative Vertreter der Kirche diesen Satz „“Homosexuelle gehören zur Kirche“ unterschreiben.

    Jemand wie Kardinal Meisner, der von den Medien immer wieder in dieser Frage ins Spiel gebracht wird, würde diesen Satz umgekehrt nicht einfach unkommentiert stehen lassen. Denn Teil der Kirche zu sein, bedeutet auch, sich der Konsequenzen der Sünde bewusst zu sein, was wiederum bedeutet, sich der eigenen Sünden bewusst zu werden. Und hierzu hat Kardinal Woelki in dem Interview offanber (das ich selbst nicht gehört habe, ich stütze mich also nur auf Medienberichte) nichts gesagt. Es ist denn auch ein einschlägiges Homosexuellen-Magazin, das auf den – aus ihrer Sicht – Pferdefuß hinweist und so aus der Reihe derjenigen ausschert, die Neues bei Woelki entdeckt haben wollen:

    Zwar hat Woelki seine Rhetorik gegenüber Homosexuellen gemildert, allerdings hat er immer wieder klargestellt, dass er sexuell aktive Schwule und Lesben weiterhin als Sünder verurteilt. So erklärte er etwa, dass diese Homosexuellen "gegen das natürliche Gesetz verstoßen und deshalb von unserer Glaubensüberzeugung her nicht gebilligt werden können". Allerdings erkannte er an, dass es positiv sei, wenn Menschen "dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen" würden.

    Diese Sicht stößt dort wiederum auf Kritik, wenn auch die Formulierung „als Sünder verurteilt“ kaum der Sachlage entspricht. Denn sie stellt klar, was auch im Katechismus der katholischen Kirche nachzulesen ist, dass Homosexuellen „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen“ sei, homosexuelle Handlungen aber „gegen das natürliche Gesetz (verstoßen), denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. […] Sie sind in keinem Fall zu billigen.“ (KKK Nrn. 2357 f.)

    Kardinal Woelki hat in seiner Zeit in Berlin und jetzt eben auch im Interview mit dem WDR immer wieder deutlich gemacht, dass er sich nicht gegen die Lehre der katholischen Kirche wendet, sie aber auch im Sinne der Barmherzigkeit anwendet. Jeder Sünder kann Mitglied der Kirche sein, was einerseits nichts an dem Tatbestand der Sünde ändert, andererseits aber eine besondere barmherzige Hinwendung erfordert. Und es ist auch richtig, dass es durchaus graduelle Unterschiede gibt, auf die auch Woelki benennt, wenn er auf diejenigen Homosexuellen hinweist, die in einer stabilen Beziehung Verantwortung füreinander übernehmen. Das alles – also die Hinwendung zu den Sündern – ist Kernbestandteil der Kirche mit dem Ziel jeden Menschen, egal wie sündig, zu Christus zu führen.

    Die Neuigkeit, wenn man denn eine sehen will, besteht also nicht darin, dass Homosexuelle zur Kirche gehören. Sie besteht in einem anderen Satz und bezieht sich nicht auf eine Neuigkeit in der Kirche sondern auf eine andere, wenn man so will, neue Sicht der Gesellschaft auf den Menschen: „Wir reduzieren niemanden auf seine Sexualität“. Zugegeben: Nicht wenige auch in der Kirche fokussieren oft auf diesen Bereich der Sünde, und da er seitens der Lobbyvertreter immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt wird, hat er womöglich auch in diesem Blog einen zu hohen Stellenwert. Für die Kirche an sich gilt das aber nicht, und jeder, auch Kritiker der Homosexuellenlobby, sollte sich diesen Satz des Kardinals zu Herzen nehmen.

    Diese Schwerpunktsetzung ist aber in vielen Fällen auch nur eine Reaktion auf Medienberichte. Solange ein Satz wie „Homosexuelle gehören zur Kirche“ trotz mangelnden Neuigkeitscharakter noch eine Schlagzeile darstellt, ist das ein Zeichen dafür, dass in der Welt generell die Menschen eben doch zu sehr auf ihre Sexualität reduziert werden. Da kann man was von der Kirche lernen!

  • Lebensrecht: Der Papsttreue Podspot im Gespräch mit Kristijan Aufiero

    Ein neuer Beitrag des Papsttreuen Podspots ist online!

    Aus Anlass des Marsches für das Leben am 20.09.2014 in Berlin habe ich mit Kristijan Aufiero, Projektleiter von 1000plus des Vereins Pro Femina, gesprochen.

    Dabei geht es um generelle Fragen des Lebensrechts ungeborener Kinder, vor allem aber auch um die Frage, wie Frauen in Konfliktsituationen bestärkt und unterstützt werden können, ein Kind zu bekommen. Besonders ansprechend fand ich den Ansatz, mit Frauen, die eine Abtreibung planen, nicht über das Lebensrecht des Kindes zu diskutieren sondern Hilfe in den bestehenden Zwangslagen anzubieten – passt sehr gut in meine Überlegungen von vor anderthalb Wochen.

    Viel Spaß und diesmal vor allem Erkenntnisgewinn also beim Papsttreuen Podspot, dem Podcast des PAPSTTREUENBLOGs!

    Podspot

    Der Beitrag ist auch auf itunes zu finden: hier

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Zum Beginn des Wochenendes möchte ich noch mal auf eine Veranstaltung am kommenden Wochenende, genauer am Samstag, 20.09.2014 hinweisen. Die Leser dieses Blogs haben es sicher bereits mitbekommen, dass an diesem Tag der Marsch für das Leben in Berlin stattfindet. Lebensschützer aus ganz Deutschland sind eingeladen, für das unbedingte Recht auf Leben und Unversehrtheit vom Zeitpunkt der Zeugung an, im Schweigemarsch zu demonstrieren. Ich selbst werde auch dabei sein und lade meine Leser, auch die Kurzentschlossenen, ein, dort Gesicht zu zeigen gegen die Kultur des Todes und für das Leben. Mehr Informationen gibt es hier:

    marsch_2014_logo

    Und jetzt zum Wochenende wie immer ein bisschen Lesestoff aus der katholischen und der libertären Bloggerwelt:

    Katholisches

    Muss die Ehelehre immer im schwerden Gewand des Dogmans daher kommen? Marinika vom Senftopf (auch ein Blog, auf den ich erst durch den Schwester-Robusta-Preis gestoßen bin) beweist, dass es auch anders geht - und echte (!) Liebe keine Sünde ist:
    "Kann denn Liebe Sünde sein?"

    Nach dem Antwerpener Bischof Bonny hat nun ein deutscher Bischof nachgelegt: Stefan Oster aus Passau hat sich auf Facebook und in einem separaten Dokument Gedanken über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen gemacht. viasvitae hat diesen Text wunderbar kommentiert:
    Die Synode und Bischof Osters Modell “Barmherzigkeit & Wahrheit”

    Wer auch noch keine Lust auf Weihnachtsauslagen in den Geschäften hat, der findet sich mit Heidrun von Bethanien bloggt in guter Gesellschaft:
    Weihnachtsduft - oder warum wir nicht warten wollen

    Interessante Gedanken zu Hochzeiten (und auch zu Frauenfernsehsendern) liefert die Gardinenpredigerin:
    Prinzessinnen am Fließband

    Den Beitrag aus der WELT zum Thema Abtreibung hatte ich schon mal aus einer anderen Perspektrive kommentiert - hier der Versuch einer gesamtgesellschaftlichen Bewertung auf katholon:
    Die verschwiegenen Folgen der Abtreibung

    Auf Heikes Blog kann man sich Gedanken darüber machen, welche Bedeutung Facebook und die dortigen Entwicklungen haben:
    Facebook - ein Brennglas

    Eigentlich mag ich diesen Blog eher für die poetischen Inhalte, aber dieser Beitrag der Kalliopevorleserin zur Islamfrage scheint mir besonders bedenkenswert:
    Meine Grenze

    Um Benimmregeln und den Unterschied zur Political Correctness geht es bei Huhn meets Ei (hey hey, my my):
    Frau Doktor und der gute Ton

    Nochmal Peter Winnemöller von katholon, selbst Journalist, der sich über das Jammern seiner Zunft über das Sterben des "Print" aufregt:
    Print stirbt? Dann heul doch …

    In diesem Comic seines alter egos Schwester Robusta spricht mir Alipius Müller aus der Seele:
    432. Schwester Robusta

    Libertäres

    Roland Tichy echauffiert sich über unkontrollierte Kartelle:
    Piloten, Taxifahrer, Lokführer: Ein Land im Griff der Kartelle

    Der Techniknörgler aus Zettels Raum macht einen treffenden Vergleich von rechten Trupps und der sogenannten Sharia-Police auf, den ich treffend finde, auch wenn uns Islamverbände weißmachen wollen, man dürfe das nicht überbewerten:
    Und am Ende will es wieder keiner gewesen sein...

    Und noch mal Roland Tichy zu diesem Thema:
    Viele wollen es alleine – wie Schottland und Bayern bumsen könnten

    Ebenfalls in Zettels Raum werden die möglichen Konsequenzen des Unabhängigkeitsreferendums in Schottland auf den Prüfstand gestellt:
    Schottische Schimären

    Denjenigen, die glauben, die Zins- und Geldpolitik in Eurpoa habe nichts mit ihm zu tun, empfehle ich den Beitrag von Gunnar Beck im Blog des Ludwig von Mises Institut in Deutschland:
    Zum Schaden der Sparer

    Und wer sich über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk fundiert aufregen möchte, wird bei NovoArgumente im Beitrag von Benjamin Buchwald und Alexander Fink fündig:
    Öffentlich-Rechtliche: Mord, Liebe, Ärzte und Tiere

    Und damit wünsche ich allen Lesern ein schönes, erholsames und vor allem gesegnetes Wochenende!

    Der Papsttreue

  • Es geht nicht nur um Geld in „Nicht mit unserem Geld!“

    Rezensionen

    Wieder ein Wirtschaftsfachbuch im PAPSTTREUENBLOG. Die Wirtschaft hat enorme Auswirkungen auf unser aller Leben, und man sollte sich nicht einbilden, der Mammon, auch wenn man ihn nicht anbetet, wäre ganz einflusslos auf unser geistliches Leben. Soweit würde ich bei den Implikation des Buches von Frank Schäffler unter dem Titel „Nicht mit unserem Geld! Die Krise unseres Geldsystems und die Folgen für uns alle“, das heute erscheint nicht gehen. Trotzdem ist es gut, sich auch mit Wirtschaftsthemen auszukennen, nicht alles zu glauben, was uns Medien und Parteien so erzählen und sich darüber klar zu sein, in welche Lebensbereiche das Geld alles hineinwirkt.

    Im Buch geht es um die Ursachen, den Ablauf – mit einem Schwerpunkt auf den deutschen parlamentarischen Reaktionen – und die weiteren Folgen der diversen Wirtschaftskrisen, die uns in den vergangenen Jahren mit steigender Schlagzahl eingeholt haben. Das ist durchaus keine leichte Kost, auch wenn es Frank Schäffler schafft, anhand von prägnanten Beispielen und zwischengestreuten Ausflügen in die Wirtschaftswissenschaften, vor allem die Österreichische Schule der Nationalökonomie, auch für Laien zu verdeutlichen, woran unsere Wirtschaft, in Deutschland, in Europa und weltweit, krankt.

    Da ist – als ein Schwerpunkt – das staatliche Geldmonopol mit der beinahe unbegrenzten Möglichkeit der ungedeckten Geldschöpfung (Stichwort „Fiat Money“) zu nennen, die aber noch verstärkt – man könnte auch sagen „verschlimmbessert“ – wird, durch staatliche und überstaatliche europäische Interventionen, die zu den bekannten Investitionsblasen und deren Platzen führen. Die Reaktionen der EU wie auch der Bundesregierung bzw. des Bundestages werden von Schäffler sehr detailliert dargestellt, was einerseits die Entscheidungswege und deren Dynamiken verdeutlicht. Andererseits habe ich mich bei der Breite der Beschreibungen, der vollständigen Wiedergabe von Redemanuskripten inkl. Zwischenufen und Briefen, deren Aussagen sich teilweise auch wiederholen, durchaus dabei erwischt, einzelne Abschnitte nur noch überflogen zu haben. Ich meine, das hat dem Verständnis nicht geschadet, ein bisschen mehr „Kürze“ hätte dem Buch an dieser Stelle gut getan.

    Grund für diese vertiefte Darstellung der Abläufe mag aber auch die Auseinandersetzung Schäfflers mit seiner eigenen Partei, der FDP sein, für die er bis 2013 im Bundestag saß und der er deutlich ihren Kuschelliberalismus vorwirft, der nicht nur zur Abstrafung durch den Wähler bei den letzten Wahlen geführt hat, sondern mit dem die Partei auch die wirtschaftsschädlichen Interventionen der EU und des Bundes mitgetragen hat. In dieser Hinsicht wurde für mich bei der Lektüre wieder deutlich, dass eine liberale Partei, wie sie Schäffler und vielen anderen wirklich liberalen Politikern mit der FDP vorschwebt, in der Tat ein Wählerpotenzial von – wie Studien und Umfragen belegen – bis zu 25% haben mag, eine FDP wie sie sich zur Bundestagswahl 2013 präsentiert hat, aber wirklich niemand braucht. Stellt sich die Frage, ob diese Partei ihre Lektion gelernt hat oder – wie es im Moment aussieht – weiter nach links schielt. Dabei wird auch die Frage des Umgangs der Partei mit ihrem „Rebell“ Schäffler sprechend sein: Sägt sie ihn ab, betrachtet sie das Buch als „parteischädigend“, wird sie vermutlich untergehen ... zu Recht! Sind die Parteistrategen dagegen mutig genug, sich in Richtung mehr wirtschaftlichem und politischem Liberalismus zu bewegen, könnte sie eine echte Alternative zur bestehenden etablierten Parteienlandschaft bieten (von sogenannten „Alternativen“ ganz zu schweigen).

    Für wesentlich interessanter halte ich aber dennoch die Teile des Buches, die sich mit den Folgen der gegenwärtigen politischen Richtung und den Alternativen beschäftigen. In plastischen Beschreibungen macht Schäffler im Kapitel „Die Folgen der falschen Politik“ deutlich, wohin die Reise gehen könnte – die Stichworte, die er nennt sind eindringlich, erscheinen plakativ, sind nach der Lektüre aber auch nachvollziehbar: Interventionismus, Schuldenwirtschaft, Zentralismus, Kungelwirtschaft, Steuererhöhungen, Überwachungsstaat, Enteignung der Sparer und letztlich eine Gefährdung von Demokratie und Freiheit. Das sind große Kaliber, mit denen Schäffler da schießt, er bleibt den Nachweis aber nicht schuldig, sodass dem Leser eigentlich nur die Frage bleibt, ob – oder besser warum – er als Wähler und Souverän des Staates eine solche Entwicklung mittragen will, mit der die Politik an dem Ast sägt, auf dem wir alle sitzen.

    Denn es gibt durchaus Alternativen, die nur zurzeit jedenfalls parteipolitisch von niemandem vertreten werden. Insofern ist das Buch Frank Schäfflers auch programmatisch im Hinblick auf die bestehende FDP, womöglich aber auch für neue, sich liberal aufstellende Parteien, zu nennen. Dazu, und das ist eines der Resümees Schäfflers, braucht es in aller erster Linie mal Mut: Den Mut, sich gegen den wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Mainstream zu stellen und die Dinge anders anzugehen, als es die Mehrheit tut und verlangt. Im Kapitel „Was jetzt zu tun ist“ verdeutlicht Schäffler, wie eine Politik und eine Gesellschaft aussehen müsste, die sich am langfristigen Gemeinwohl und nicht an Wahlerfolgen und kurzfristigen Wählerberuhigung orientiert. Mehr Freiheit, mehr Vielfalt, mehr Marktwirtschaft, weniger Politik, weniger Umverteilung, Gleichheit der Regeln für alle (insbesondere aber nicht nur im Steuerrecht), eine Sparkultur, die Zulassung von Privatwährungen und damit die Möglichkeit einer marktwirtschaftlichen Geldordnung (was die Phantasie der meisten schon erheblich strapazieren dürfte) – letztlich die wirklich freie Gesellschaft, in dem Sinne, dass der Staat die Menschen in Ruhe lässt und keinen Zwang über das Maß der Freiheitssicherung hinaus ausübt – das alles sind die in Überschriften gepressten Empfehlungen Schäfflers, die eine solche sowohl wirtschaftlich als auch politisch freie Gesellschaft ausmachen. Unnötig zu sagen, dass er es nicht bei Stichworten belässt, sondern durchaus auch das Für und Wider, die Chancen und Gefahren der Alterantiven auslotet - mit dem Ergebnis, dass eine freie, liberale Gesellschaft in jedem Fall der Vorzug zu geben ist vor dem bestehenden politischen Mainstream.

    Darin steckt Sprengstoff und neben ein paar Kleinstthemen, bei denen schon der gesunde Menschenverstand die Rebellion gegen staatliche Gängelung eingibt, ist die Entwicklung zu mehr Freiheit trotz des überwiegend positiv besetzten Begriffs alles andere als gesellschaftlicher Konsens. Damit ist das Buch auch eine Herausforderung an den Leser, egal ob er politisch engagiert ist oder nicht. Freiheit, das wird deutlich, bietet wesentlich mehr Chancen als staatlicher Interventionismus, beinhaltet aber auch die Freiheit zu Fehlentscheidungen – und sie beinhaltet das Tragen der Konsequenzen durch jeden Einzelnen. Das erfordert, ich habe es oben schon erwähnt, Mut – und so stellt sich mir am Ende der Lektüre die Frage, ob ich selbst – bei aller zur Schau gestellten Liberalität – tatsächlich selbst diesen Mut habe, den ich von der Politik und der Gesellschaft als Ganzes erwarte. Mir erscheint aber – und das nicht erst nach der Lektüre des Buches – in Abwandlung einer stehenden Redensweise unserer Bundeskanzlerin dieser Mut tatsächlich als alternativlos.

    Andererseits - darauf weist Schäffler auch in seinem letzten Kapitel „Jetzt sind Sie dran!“ hin - sollte man sich auch nicht der Illusion hingeben, dass der beschriebene Wandel, bei noch so viel Mut der einzelnen Akteure von heute auf morgen umzusetzen wäre. Es braucht neben Mut eben auch Ausdauer, Ausdauer auch, um die Konsequenzen einer unfreien Gesellschaft zu verdeutlichen, die erst klar machen, warum eine Alternative notwendig ist. Für Leser dieses Blogs wird auch ein Zusammenhang wesentlich sein, in dem Schäffler die Auswirkung von Finanz- und Steuerpolitik auf Familien und Kirchen betrachtet:

    Der überbordende Wohlfahrtsstaat zerstört die Familien, indem dieser die Erziehungsaufgabe für die Eltern übernimmt. Selbst die Kirche ist in Gefahr. Sie ist nicht unabhängig vom Staat. Die Koppelung der Kirchensteuer an die Einkommensteuer führt zu einer nibelungentreuen Abhängigkeit der Kirche vom Staat. Die Amtskirche hängt am Tropf des Staates und seinem stetigen Einnahmenzuwachs. Dieses süße Gift infiziert fortwährend auch die Budgets der Amtskirchen.

    Um hier einen Wandel zu initiieren ist mehr notwendig als die Einflussnahme einzelner Politiker im Parlament. Schäffler macht deutlich, dass ein Bewusstseinswandel eingeleitet werden muss in einer Gesellschaft, die ganz offensichtlich keine Vorstellung mehr davon hat, was Freiheit von staatlichem Zwang, damit auch Freiheit zu mehr Eigenverantwortung, eigentlich bedeutet, diese Freiheit im Zweifel aufgrund des Risikos für die persönliche Situation sogar ablehnt. Aus diesem Grund hat Frank Schäffler aktuell einen neuen „Think Tank“ unter dem Namen Prometheus gegründet, der sich der an der notwendigen Veränderung des Meinungsklimas in Richtung Freiheit und Rechtsstaatlichkeit widmen soll. Im Rahmen seiner Möglichkeiten engagiert sich also Frank Schäffler, und ich bin sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von diesem Institut hören werden. Das alleine wird aber nicht helfen, und so steht am Schluss der Appell Schäfflers, den ich gerne wiedergebe und den ich den Lesern ebenfalls mit auf den Weg geben möchte:

    Machen Sie sich bemerkbar, stehen Sie auf, nehmen Sie nicht alles hin, engagieren Sie sich und wehren Sie sich. Sorgen Sie dafür, dass die Sozialisten in allen Parteien – die Herz-Jesu-Sozialisten, die Ökosozialisten, sozialen Zentralisten, die nationalen Sozialisten, die Steuererhöher, die Subventionsgrabscher, die Ober-Planer, die konservativen Beckenrandschwimmer, die ewigen Geldausgeber und die nimmersatten Umverteiler – endlich eine wirkliche Gegenmacht verspüren, die sich gegen sie stellt.

    Deshalb müssen Sie sich einbringen. Es geht nicht nur um unser Geld, es geht um viel, viel mehr: Es geht um unsere Freiheit und die Freiheit unserer Kinder. Fangen Sie an. Jetzt!

    Zu guter Letzt noch ein kleiner Kritikpunkt: Der Titel des Buches! Natürlich ist der Untertitel „Die Krise unseres Geldsystems und die Folgen für uns alle“ zu sperrig um Verkaufszahlen in nennenswerter Größe zu generieren, und ich bin kein Werbefachmann um einen passenden Titel zu erfinden. Aber der Haupttitel „Nicht mit unserem Geld!“ suggeriert eine Fokussierung auf den Mammon, der sich im Buch zum Glück nicht wiederfindet und der bei mir einen schalen Beigeschmack hinterlassen hätte. Wie Schäffler schreibt, „Es geht nicht nur um unser Geld“, es geht nicht um „mein Geld“ – es geht um das Gesellschaftsmodell und das Menschenbild in der Politik, es geht um unsere Freiheit – da hätte ein bisschen mehr Investition von Kreativität in den Buchtitel schon noch gelohnt. Ich kann nur hoffen, dass der Titel nicht Leser abschreckt, die mit den vertretenen Thesen durchaus einverstanden sein könnten, sich aber keine auf dem Mammon basierende Gesellschaft vorstellen mögen.

    Abgesehen von dieser Kleinigkeit aber von meiner Seite ein klarer Lesebefehl für alle an Politik, an der Wirtschaft, aber vor allem für an der Freiheit interessierte Leser.

    Frank Schäfflers Titel „Nicht mit unserem Geld! Die Krise unseres Geldsystems und die Folgen für uns alle“ ist im September 2014 im FinanzBuch Verlag erschienen:

    Nicht mit unserem Geld

  • One more thing ... iGod?

    Ich gebe zu, ich bin ein Apple-Fan! Ich nutze iTunes zum Musikdownload, besitze zwischenzeitlich mein zweites iPhone (allerdings noch ein 4er …) und ein iPad. Zu mehr Apple- und Mac-Technik hat es nicht gereicht, was aber eher an meiner finanziellen Ausstattung und der generellen Fixierung auf Windows- und Office-Produkte im Geschäftsbereich liegt denn an der Überzeugung, dass diese besser wären als die Produkte aus dem Hause Jobs Erben.

    Andererseits bin ich kein Apple-und-Jobs-Jünger! Der Tod des Apple-Gründers hat mich betrübt, an der damaligen medialen Heiligsprechung mochte ich schon weniger teilhaben. Und – um den Unterschied deutlich zu machen – ich habe zwar immer mal wieder gehört, dass ein neues iPhone und so was wie eine iWatch, also eine Apple-Uhr in Planung war, habe aber erst Dienstag Nachmittag erfahren, dass die Präsentation der neuen Produktgeneration am gleichen Abend (mitteleuropäischer Zeit) stattfinden würde. Bei mir also kein Hype, wohl aber Interesse. Ich mag das Apple-Design, bin davon überzeugt, dass Steve Jobs und sein Team visionäre Geister waren bzw. sind, die unser Leben mehr beeinflussen, als uns vielleicht bewusst, und vielen möglicherweise lieb ist.

    Insofern ist auch die Apple-Uhr ein interessanter Aspekt. Eigentlich braucht kein Mensch eine solche Uhr – aber eigentlich braucht auch kein Mensch ein iPhone oder ein anderes Smartphone. Und vor deren Auftreten gab es eine Zeit, in der Menschen mit einem Mobiltelefon schräg angesehen wurden, weil so was die meisten für unnötig gehalten haben. Produzenten reagieren aber nicht nur auf Kundenbedürfnisse, sie wecken sie auch. Anders ist kaum zu erklären, weshalb Menschen einen Apple-Aufschlag bei Telefonen bezahlen, die sie von der Funktionsfähigkeit her auch günstiger bekommen könnten. Ich selbst beruhige mich mit dem Gedanken, diese Kaufentscheidungen doch einigermaßen bewusst zu treffen – aber sicher bin ich mir nicht!

    Die Uhr liefert also einiges, was eine normale Uhr wie Sie und ich sie am Handgelenk tragen, nicht hat: neben der Zeitanzeige ist das zum Beispiel die Ausstattung mit bekannten Apps, herausragend soll beispielsweise eine Navigation sein, die einen durch Vibrationen der Uhr den rechten Weg weist (bzw. auf den falschen eingeschlagenen aufmerksam macht). Auch Gesundheitsdaten soll die Uhr über die Haut erfassen können – was mich schon eher hinsichtlich der Möglichkeiten der Überwachung beunruhigt, und sie hat integriert das neue Online-Bezahlsystem von Apple: Bezahlen mit der Uhr, die man ohnehin immer am Handgelenk hat (wenn ich es recht gelesen habe, gibt’s dieses Feature erst mal nur für den amerikanischen Markt, wird aber auch hierzulande nicht lange auf sich warten lassen). Selbstverständlich kann man mit der Uhr auch Musik hören, Mails lesen (und schreiben?) oder andere Apps wie Twitter, Facebook etc. nutzen.

    Ernüchternd in dem Zusammenhang: die Uhr erscheint Anfang Januar zu einem Preis von voraussichtlich rund 350 bis 400 € - nicht eben wenig, wenn man vom Preis einer „normalen“ Uhr ohne besondere Funktionen und nicht aus einer Edelmanufaktur ausgeht.

    Und – braucht man sowas? Eigentlich nicht, so wenig wie ein Smartphone, so wenig wie man früher ein „Handy“ benötigte. Und trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass in wenigen Jahren jeder mit so was wie einer Smartwatch durch die Gegend laufen wird, sei es von Apple, sei es von einem anderen Hersteller. Ich müsste bald mal ein neues Handy haben, mein Home-Knopf auf dem alten iPhone lässt langsam deutlich nach (scheint ein nicht seltenes Problem zu sein) und ich liebäugle mit dem neuen iPhone 6 – was rein finanziell erst mal die Anschaffung der Uhr ausschließt. Aber ich habe doch das Gefühl, dass auch ich in ein paar Jahren eine solche Uhr am Handgelenk tragen werde.

    Warum ich das alles hier in einem katholischen Blog schreibe: Wenn Apple es schafft, Millionen Menschen für etwas Profanes wie ein Mobiltelefon oder die angebliche Neuerfindung der Uhr zu begeistern, wenn so viele Menschen auf das „one more thing“ warten, als sei es ein Heilsbringer (Sie sehen, ich komme zum Punkt), wieso gelingt uns das nicht mit unserer Nachricht von der Erlösung der Welt? Ist es Marketing, ist es Design? Es ist leicht, das auf den „Markt“, also die Menschen zu schieben, wie Schreibmaschinenhersteller die auf die Nutzer von PCs schimpfen. Erfolgversprechender scheint mir zu sein, unser Herzblut bei der Vermittlung unserer Botschaft in Frage zu stellen. Man sagt von Apple-Mitarbeitern, dass sie stolz seien, für ihr Unternehmen zu arbeiten. Sie verstehen ihren Beruf als etwas Besonderes, ihre Produkte als etwas, auf das die Welt gewartet hat, auch wenn sie es noch nicht weiß – Ich finde, das klingt ähnlich wie bei Kirchens: Viele meinen, ohne sie auskommen zu können, aber was wirklich fehlt ist derjenige, der bewusst macht, dass es doch ein Bedürfnis nach „mehr“ gibt, das nur Gott befriedigen kann.

    Solange wir als Christen im Grunde immer noch glauben, eine Smartwatch oder das neue iPhone sei in den Augen der Menschen wichtiger als deren Seelenheil, solange wird das auch so sein. Wenn Apple glauben würde, die Menschen könnten eine Smartwatch nicht brauchen, würden sie sie nicht produziert haben. Sie haben sie hergestellt und wir werden vermutlich in ein paar Jahren nicht mehr wissen, wie wir ohne ausgekommen sind. Sollte uns das nicht irgendwie als Vorbild dienen?

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