szmmctag

  • Kleine Blogpause

    Pause

    In den kommenden zwei bis drei Wochen wird es auf dem Papsttreuen Blog in jedem Fall ein wenig ruhiger, vielleicht sogar ganz still werden. Ich werde eventuell mal die eine oder andere „Kleinigkeit“ einstellen, ansonsten mich aber ganz der Erholung widmen, um anschließend wieder durchzustarten.

    Die geplante und gestartete Reihe von Rosenkranzbetrachtungen wird daher bis zum Ende des Marienmonats unterbrochen, ich habe mir aber vorgenommen, die Serie in loser Folge auch in den kommenden Monaten fortzusetzen – es ist ja nicht so, dass es nur im Mai gut wäre, den Rosenkranz zu beten.

    Allen Lesern wünsche ich eine gute Zeit – bleiben Sie mir gewogen, hieß es oft in Fernsehshows der 70er und 80er bei der Verabschiedung des „Showmasters“ – und wünsche allen Gottes reichen Segen!

  • Hoffentlich sehen wir Kermit Gosnell im Himmel

    Bislang habe ich zum Fall des amerikanischen Abtreibungsarztes, der gerade in drei Fällen des Mordes für schuldig befunden wurde und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, keine Stellung genommen. Ich gebe zu: die ihm nachgewiesenen Verbrechen schmerzen in meinem Herzen, müssen in jedem Herzen eines Christen schmerzen, der es ernst meint damit, dass ein Menschenleben mit der Zeugung beginnt. Leser dieses Blogs wissen, wie die katholische Sicht auf dieses Thema ist, dass eine Abtreibung in jedem Fall dem Willen Gottes wiederspricht. Im Fall Gosnell ging es aber nicht nur um „normale“ Abtreibungen, es ging um Abtreibungen gegen den Willen der betroffenen Frauen und es ging um die Tötung nach einer Abtreibung lebend geborener Kinder, die Gosnell offenbar – man möge mir den Ausdruck verzeihen – hat verrecken lassen. Wer sich die Beschreibungen der Taten antun will, wird sicher in den Lebensrechtsforen fündig, ich möchte sie hier nicht wiederholen: die Verbrechen, die Gosnell vorgeworfen werden, die ihm nachgewiesen wurden und für die er nun verurteilt wurde, sind so widerlich, so menschenverachtend, dass ich eine detaillierte Beschreibung meinen Lesern nicht zumuten möchte.

    Nun ist er also verurteilt und – in den USA aber auch teilweise in Deutschland – geht die Diskussion weiter, ob denn jemand wie Gosnell angesichts seiner Taten nicht die Todesstrafe verdient hätte. Das amerikanische Rechtssystem sieht diese Strafe ja durchaus vor und im Vergleich wurden Menschen in den USA sicher schon für weniger hingerichtet. In diesem Blog kann es nun nicht um eine positivistische Rechtseinschätzung gehen nach dem Motto: hätte Kermit Gosnell nach US-amerikanischen Rechtsverhältnissen zum Tode verurteil werden müssen?

    Betrachten wir dagegen die Lehre der katholischen Kirche, so ist der Katechismus im Hinblick auf die Todesstrafe nicht ganz, aber doch wie ich finde ausreichend eindeutig:

    2266 Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, dass der Angreifer außerstande gesetzt wird zu schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen. Aus analogen Gründen haben die Verantwortungsträger das Recht, diejenigen, die das Gemeinwesen, für das sie verantwortlich sind, angreifen, mit Waffengewalt abzuwehren.

    Die Strafe soll in erster Linie die durch das Vergehen herbeigeführte Unordnung wiedergutmachen. Wird sie vom Schuldigen willig angenommen, gilt sie als Sühne. Zudem hat die Strafe die Wirkung, die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Personen zu schützen. Schließlich hat die Strafe auch eine heilende Wirkung: sie soll möglichst dazu beitragen, dass sich der Schuldige bessert [Vgl. Lk 23,40-43.].

    2267 Soweit unblutige Mittel hinreichen, um das Leben der Menschen gegen Angreifer zu verteidigen und die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Menschen zu schützen, hat sich die Autorität an diese Mittel zu halten, denn sie entsprechen besser den konkreten Bedingungen des Gemeinwohls und sind der Menschenwürde angemessener.

    Kurz gesagt: die Todesstrafe ist aus katholischer Sicht nur dann zu rechtfertigen, wenn andere Mittel zum Schutz des Gemeinwohls nicht ausreichen. Unzweifelhaft: Taten wie die von Gosnell schaden dem Gemeinwohl (jedenfalls aus christlicher Sicht, die Art der Abtreibungen wird sicher aber auch Abtreibungsbefürworter abstoßen), durch seine Inhaftierung ist er aber ausreichend daran gehindert, sein Treiben fortzusetzen, und er hat die Möglichkeit, zu bereuen, die Strafe als Sühne anzunehmen und sich zu bessern. Aus katholischer Sicht kann also nicht von einer Legitimität der Todesstrafe ausgegangen werden – Gott sei also Dank, dass sie hier auch nicht verhängt wurde!

    Zu Ende gedacht hat den Gedanken des „Pro-Life“, des unbeschränkten Lebensrechts von der Zeugung bis zum natürlichen Tod eines Menschen, und den Gedanken der Liebe und der Barmherzigkeit unter den Menschen, ein Autor der amerikanischen Pro-Life-Internetseite „LifeNews.com“, Josh Brahm, unter dem Titel „Why I Hope Convicted Abortionist Kermit Gosnell Doesn’t Go to Hell“ (Warum ich hoffe, dass der verurteilte Abtreibungsarzt Kermit Gosnell nicht in die Hölle kommt) der sich nicht nur zufrieden damit zeigt, dass der Gerechtigkeit durch den Prozess und die verhängte Strafe genüge getan wurde ohne ein Urteil Gottes vorwegzunehmen („I’m glad limited justice has been served.) und dass Gosnell zur Gefängnisstrafe und nicht zur Todesstrafe verurteil wurde („I’m glad he’s going to prison.“) sondern sich darüber hinaus wünscht, dass Gosnell nach seinem natürlichen Tod nicht in der Hölle landen soll, sondern ihn lieber im Himmel wiedersehen möchte („Yet, I don’t want Gosnell to go to Hell. I’d rather spend time with him in Heaven.“).

    Ich gebe zu, mein Herz wehrt sich gegen den Gedanken – kann so ein „Monster“, das keine Hemmungen hat, geborenen Babys zu ermorden und dies hinterlistig als „Abtreibung“ zu tarnen, tatsächlich in den Himmel kommen, und will ich das eigentlich?

    Josh Brahm bringt es auf den Punkt: nach allem, was von Pro-Life-Seite gegen Gosnell vorgebracht wurde, nach allen expliziten Vorwürfen die gemacht werden mussten und die nun zu seiner Verurteilung geführt haben, die auch notwendig gewesen sind, um aufzeigen zu können, dass es keinen wesentlichen moralischen Unterschied gibt zwischen dem, was Gosnell getan hat und was bei „normalen“, gesetzlich zugelassenen Abtreibungen passiert, ist nun der Gerechtigkeit Genüge getan und auch wir müssen nun einen Schritt zurück treten und Gott wieder das Ruder überlassen:

    But now that justice has been served, I think this is a moment where we need to encourage our people to have a heart like Christ does.

    Jetzt, wo der Gerechtigkeit Genüge getan wurde, ist glaube ich der Moment gekommen, wo wir uns selbst ermutigen sollten, ein Herz wie Jesus zu haben.

    Auch ein Kermit Gosnell kann umkehren – ob er es tut, ob er im Gefängnis sein Gewissen entwickelt, seine Schuld erkennt und sie Christus übergibt, im Vertrauen darauf, dass er ihm vergibt – das alles ist nicht unsere Entscheidung, es ist etwas zwischen Gott und ihm. Niemand sollte verloren gehen und die Freude im Himmel über eine bekehrten Sünder wird riesig sein, so beschreibt es Jesus selbst, sodass auch wir mit jubeln sollten, wenn es denn passierte und wir – die wir hoffen, eines Tages in den Himmel zu kommen – dort auf Kermit Gosnell treffen. Der Gedanke scheint uns abwegig, wie gesagt, mein Herz wehrt sich – aber bei näherem Nachdenken muss ich auch zugeben, dass dies das versteinerte Herz des alten Menschen ist, nicht ein Herz, das Jesu Herz gleichgeformt ist.

    Natürlich, so beschreibt es auch Brahm, gibt es auch pragmatische Gründe, nicht für die Todesstrafe für Gosnell zu plädieren, am Ende ist es aber das Beispiel Jesu, dass uns anleiten muss, ein Herz wie seines zu entwickeln und Barmherzigkeit für einen Menschen wie Gosnell zu entwickeln, egal ob das in der Gesellschaft – und bestimmten Flügeln der Pro-Life-Bewegung – auf Zustimmung stößt:

    My pragmatic reason for that is this is one of those news stories that puts abortion to the front, which is rare right now. People are watching what pro-lifers say about this. That reason alone I think is sufficient for us to act as Christ-like as possible. My principled reason is that we are supposed to have a heart like Christ does, regardless of whether it gains us any public traction.

    Mein pragmatischer Grund für meinen Wunsch ist, dass durch die Geschichte um Gosnell das Thema Abtreibung wieder auf die Tagesordnung gekommen ist, was selten genug vorkommt. Die Menschen schauen jetzt darauf, was Lebensrechtler dazu sagen. Dieser Grund alleine sollte wie ich finde ausreichend für uns sein, so christusgemäß zu handeln, wie es eben geht. Mein prinzipieller Grund für meinen Wunsch ist aber, das wir alle ein Herz wie Christus ausbilden sollten, egal ob es in der Gesellschaft auf Zustimmung stößt.

    Fragen wir uns, jeder einzelne, ob wir dem folgen können, was Brahm hier schreibt: Würde ich Kermit Gosnell gerne – nach seiner Bekehrung und nach dem Richterspruch Gottes – im Himmel sehen? Oder ist mein Herz ihm gegenüber so verhärtet, dass ich ihm wünsche, „in der Hölle zu brennen“? Ersteres entspricht dem Herzen Jesu, letzteres ist das Herz der Welt. Wir haben die Wahl – und sprechen damit das Urteil über uns selbst!

  • Rosenkranzbetrachtung: Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat (& Eucharistischer Kongress)

    Rosenkranzbetrachtungen

    Für den Donnerstag schlägt uns die Kirche den vom seligen Papst Johannes Paul II. eingeführten „Lichtreichen Rosenkranz“ zum Gebet vor, in dem wesentliche Punkte aus dem Leben Jesu betrachtet werden. Beginnend mit der Taufe im Jordan wird seine Offenbarung bei der Hochzeit in Kanaa betrachtet, anschließend seine Verkündigung des Reiches Gottes und seine Verklärung auf dem Berg. Abgeschlossen wird dieser Rosenkranz mit dem für uns Katholiken – neben dem nachfolgenden Heilsgeschehen – wichtigen Ausschnitt aus dem Gründonnerstag: Jesus stiftet, schenkt uns quasi die Eucharistie.

    Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

    Mit der Eucharistiefeier bezeichnen wir Katholiken jede Heilige Messe, DIE Eucharistie ist aber letztlich das gewandelte Brot, von dem uns Jesus sagt, dass es „sein Leib“ sei. Ganz wesentlich zum Verständnis ist dabei, dass Jesus das Brot nicht als ein Symbol seines Leibes benennt sondern es damit identifiziert: in dem Augenblick in dem Jesus diese Worte spricht, ist das in seinen Händen gehaltene Brot nicht mehr Brot sondern sein Leib! Dabei unterscheidet sich das Brot anschließend chemisch überhaupt nicht von dem Brot vor dem Aussprechen dieser Worte: Jesus hält nicht plötzlich ein Stück Fleisch in der Hand, er ist kein Zauberkünstler oder Magier, der uns durch eine physische Verwandlung eines trockenen Stück Brotes in ein blutiges Stück Fleisch überrascht.

    Insofern ist die Eucharistie, die Wandlung des Brotes in den Leib Christi, eine der wesentlichen Glaubensfragen für Katholiken (und in deren Abgrenzung zu allen anderen Konfessionen, die daran nicht glauben). Denn wenn das Brot gewandelt ist, also anschließend in den Händen Jesu, und in seiner Nachfolge in den Händen der Priester, nicht mehr ein normales Stück Brot liegt sondern Jesu eigener Leib, dann ist dieser Leib eben auch Gott! Dann ist es gut, dieses Stück Brot, dass der Leib Christi ist, anzubeten und es mit Ehrfurcht zu behandeln.

    Unter Protestanten (auch da gibt es Unterschiede) ist also in weiten Teilen die Ansicht verbreitet, die Anbetung der Eucharistie sei Götzendienst. Diese Einschätzung ist nachvollziehbar, wenn man nicht daran glaubt, dass es sich um den Leib Christi handelt. Wer die Eucharistie nur als Symbol sieht, der kann zwar dieses Symbol betrachten und sich dadurch Gott nähern, ein solches Gottessymbol aber – an und für sich, also nicht mehr als Symbol – anzubeten, das ist nicht besser als die Anbetung des goldenen Kalbs durch die Israeliten, die nach dem Auszug aus Ägypten etwas zu brauchen meinten, das sie neben Gott, statt Gott anbeten können.

    Um es klarer zu machen – und vielleicht hilft das dem einen oder anderen, mir jedenfalls bringt es Klarheit: wenn ich vor dem Kreuz, ob zu Hause oder in der Kirche, niederknie oder mich bekreuzige, es vielleicht sogar küsse, dann ist dieses Kreuz nur ein Symbol. Ich bete nicht das Kreuz an sondern das, wofür das Kreuz steht, eben Gott, Jesus. Bei der Eucharistie ist das anderes: ich bete tatsächlich genau dieses – vermeintliche – Stück Brot an, eben weil es kein Stück Brot mehr ist sondern Jesus selbst. Ich knie mich vor einem Stück Brot nieder, viele, zu denen auch ich gehöre, nehmen es bei der Kommunion nicht mal in die Hand sondern lassen es sich vom Priester in den Mund legen. Bei der Aussetzung der Eucharistie, das heißt wenn das Brot in der Kirche zur Anbetung in einer Monstranz ausgestellt wird, machen die meisten Menschen nicht nur eine kleine Verbeugung sondern knien sich tatsächlich auf beide Knie nieder und verbeugen sich vor diesem Leib Christi. Das ist Ehrerbietung, das ist Anbetung, wie sie nur Gott gebührt und insofern ist es ein wesentliches Merkmal von Katholiken an die Wandlung zu glauben und bei aller gewünschten Einheit zwischen Christen ein nicht zu unterschlagendes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Konfessionen und Gemeinschaften.

    Dennoch: wie würde ich mich heute Christus nähern, wenn ich ihm auf der Straße begegnen würde? Würde ich mich, müsste ich mich tatsächlich auf den Boden werfen? Oder wäre es nicht eher die reine Freude, die einen überkäme? Würde ich ihm nicht eigentlich lieber um den Hals fallen, wie es Petrus bei der Erscheinung Jesu am See (nach seiner Auferstehung) getan hat, oder meinen Kopf an seine Schulter legen wie Johannes beim letzten Abendmahl getan hat. Ich muss zugeben, ich kann mir für eine solche Situation nicht vorstellen, einfach nur in Stille niederzuknien – vielleicht täte ich auch das, aber meine Vorstellung geht eher in Richtung der beiden ersten Optionen.

    Ist in dieser Hinsicht die „gängige“ Anbetung in der Eucharistie eigentlich im Sinne Jesu? Ich glaube: ja! Wenn, und das ist wichtig, wenn ich diese Anbetung nicht mit einer ungesunden Trennung zwischen mir und Jesus verbinde, nicht durch die Anbetung die Distanz zwischen ihm und mir vergrößere. Die Eucharistie ist – so beten wir es im Rosenkranz – ein Geschenk Jesu an uns. Nicht genug, dass er Mensch geworden ist, nicht genug, dass er das Leben eines Menschen gelebt hat, nicht genug, dass er sich für uns am Kreuz geopfert hat, sich so mit uns gemein gemacht hat, dass er sogar unsere Sünden auf sich genommen hat, nein, jetzt macht er sich so klein, dass er den äußeren Anschein eines Stückes Brot vermittelt. Auf diese Weise kann er nicht nur körperlich in unserer Nähe sein (in jeder katholischen Kirche), auf diese Weise können wir sogar „kommunizieren“, ihn aufnehmen sodass er leiblich in uns ist.

    Wem das bewusst ist, der betet gerne an, in aller Stille und Demut und doch in innerer Freude, die so groß ist, dass ein Jubel es nicht ausdrücken kann!

    Hinweis

    Ein Fest der Eucharistie wird vom 05. bis 09. Juni in Köln beim Eucharistischen Kongress gefeiert. Der Begriff Kongress ist leicht irreführend, es ist viel mehr ein Fest des Glaubens und ein Fest der Anbetung – was der Freude aber in dem oben beschriebenen Sinne keinen Abbruch tut! Wir sehen uns hoffentlich in Köln!

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    Informationen gibt es im Internet unter http://www.eucharistie2013.de. Dort ist auch das reichhaltige Programm dieser Tage zu finden. Zusätzliche Informationen sind auch auf der eingerichteten Facebookseite zu finden – und natürlich werde ich über den Kongress im Rahmen meiner Möglichkeiten in diesem Blog berichten!

  • Bloggertreffen 2013 - Nachtrag

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    Über das Treffen katholischer Blogger in Bonn vom vergangenen Wochenende hatte ich bereits am Montag berichtet. Die katholische Journalistin Monika Metternich, die ebenfalls als Gast vor Ort war, hat dazu ebenfalls einen feinen Artikel in der Tagespost veröffentlicht, der auch für Nicht-Abonnenten frei zugänglich ist und den ich Interessierten zur Lektüre ans Herz lege:

    Miteinander reden, statt übereinander zu schreiben

  • Rosenkranzbetrachtung: Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat

    Rosenkranzbetrachtungen

    Nachdem ich demnächst in eine kleine Blogpause gehe, in der ich maximal nur kleinere Beiträge werde verfassen können, möchte ich meinem Vorsatz entsprechend wenigstens aus jedem der gängigen Rosenkranzgeheimnisse ein Gesätz betrachten. So ist es eben heute – abweichend zu den am Wochentag vorgeschlagenen Geheimnissen – der schmerzhafte Rosenkranz, über den ich hier schreiben möchte, dort das erste Gesätz über Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat.

    Wieso dieses Gesätz? In den bekannten Jesusverfilmungen tauchen die anderen Themen, die Geißelung, die Krönung mit Dornen, der Weg nach Golgatha und die Kreuzigung selbst, meist mehr oder weniger detailliert auf. Die Zeit am Ölberg dagegen, begleitet von seinen Lieblingsaposteln, vor der Verhaftung, sie wird eher stiefmütterlich behandelt, oft nur reduziert auf ein kurzes Gebet und dann den Verrat durch Judas. Dabei hat uns die Formulierung, dass Jesus Blut geschwitzt hat, die auf Lukas 22, 44 basiert, einiges zu sagen:

    Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.

    Ich will das hier gar nicht medizinisch betrachten (offenbar gibt es ein Krankheitsbild bei Menschen, die dazu führt, dass man tatsächlich Blut schwitzen kann) sondern den Hintergrund dieses Schwitzens: die Angst! Vielleicht ist es gut, den Text noch mal im Zusammenhang zu sehen:

    Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm. Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet darum, dass ihr nicht in Versuchung geratet! Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.
    Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und gab ihm (neue) Kraft.
    Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.
    Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft. Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet.

    Jesus weiß, was ihm bevorsteht, er weiß, dass ihn Judas verraten wird, er weiß – so hat er es seinen Jüngern berichtet – dass er getötet werden wird und kennt auch die Umstände seines Todes. Dies alles vor Augen ist es kein Wunder, wenn einen Menschen Angst überkommt. Aber genau das ist der Punkt: Jesus ist zwar auch Gott, aber eben auch ganz Mensch! Er hat von Geburt an alle Phasen des Menschseins durchlaufen und steht nun vor seinem Tod, und er weiß, dass es ein grausamer Tod sein wird. Und wie jeder Mensch ist auch er versucht, diesem Tod, den Qualen dieses Todes auszuweichen: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir!“ – der Unterschied besteht wohl vor allem darin, dass er dies im Gebet sagt, nicht menschlich gegen das Schicksal ankämpft (dann wäre Flucht die „bessere“ Alternative als Gebet) sondern sich an Gott selbst wendet. Und er bleibt seinem Auftrag treu, bittet zwar um Erleichterung, ist aber bereit, das Leiden auf sich zu nehmen: „Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ Wenn wir an dieser Stelle beides in Erinnerung rufen, Jesu Menschsein und diese Art, mit dem Leiden, mit der Angst und mit den Versuchungen umzugehen, ist dies wiederum ein Beispiel dafür, wie das geht, ganz Mensch zu sein. In Gott sind diese Dinge möglich, selbst dann, wenn sie uns unmöglich oder unmenschlich erscheinen.

    Ergänzend möchte ich noch auf einen Aspekt hinweisen: es ist nicht nur der rein menschliche Tod, so qualvoll er auch werden wird, den Jesus hier vor Augen hat: es ist die Erlösung die daraus erwirkt wird, damit die Sünden, für die er leidet. Man muss es sich vielleicht so vorstellen: in den Momenten des Gebets am Ölberg, bei seinem Weg zum Kreuz und am Kreuz selbst, hat Jesus, der auch als Mensch ohne Schuld geblieben ist, die Schuld der Welt aller Zeiten vor Augen! Er hat vor Augen alle Situationen seit Anbeginn der Welt bis zu deren Ende, in denen sich Menschen von Gott ab- und der Sünde zugewandt haben. Es ist die Entscheidung Gottes gewesen, diese Sünden auf sich zu nehmen, sich selbst als Opfer hierfür hinzugeben, darum muss es uns nicht schwer werden ums Herz, wenn er dies tut … und dennoch: jede meiner Sünden hat er in diesem Augenblick vor Augen gehabt. Für jede meiner Sünden hat er die Verantwortung übernommen und sie mit auf’s Kreuz getragen. Unsere Schuld, meine persönliche Schuld ist es, die Jesus in diesem Augenblick den Blutschweiß schwitzen lässt. Es ist schwer und dennoch notwendig, dabei nicht in einen ungesunden Schuldkomplex zu verfallen: es geht nicht mehr darum, dass Jesus meine Schuld auf sich nimmt, es geht heute darum, diese Wahrheit allen Menschen zugänglich zu machen, als frohe Botschaft, dass sie bereits gerettet sind. Wenn dieser Aspekt dazu führt, dass wir unser Gewissen besser prüfen und ausbilden, um Jesus nicht noch mehr Schuld „aufzuladen“ so ist das sicher ein guter „Nebeneffekt“ – es geht aber in dieser Betrachtung, sollte es jedenfalls, nicht darum, „Schuldgefühle“ zu schüren, sondern darum, dass wir uns der Schuld bewusst werden, bewusst werden auch dessen, was Jesus für uns getan hat – und dann hoffnungsvoll mit dem Leben weiter zu machen, im Vertrauen darauf, dass Gott selbst unsere Schuld, wenn wir sie bereuen und beichten, tilgen wird, schon getilgt hat.

  • Das Kreuz im Gericht

    Kruzifix

    Die armen Christen! Völlig fixiert sind sie, können ihren Blick nicht abwenden, von einem Thema, das viel unangenehmer eigentlich nicht sein kann. Und nicht genug, dass es für sie selbst zu einer quasi fixen Idee geworden ist, sie belästigen auch noch alle anderen mit diesem Symbol ihres Glaubens, das sich so gar nicht als Motivationsinstrument eignet. Worüber ich spreche sollte klar sein: das Kreuz!

    Dieses Schandsymbol der römischen Besatzungsmacht im antiken Israel, womöglich noch versehen mit einer plastischen Darstellung des daran genagelten christlichen Religionsgründers – davon kann man sich doch nur mit Grausen abwenden! Und doch …

    Für Christen ist das Kreuz eben nicht mehr das Schandsymbol sondern ein Zeichen für die durch Jesu Leiden und Tod erwirkte Erlösung. Der Tod hat keine Macht mehr über uns, letztlich hat die Sünde im Angesicht des Todes und der Auferstehung Jesu keine Macht mehr über uns! Und die Symbolik geht noch weiter: Jesus hat an diesem Kreuz seinen Peinigern vergeben, sich bei Gott für sie eingesetzt! Die höchste Form der Liebe ist es, das eigene Leben für den anderen zu geben, so hat Jesus es gesagt und uns vorgelebt. Er ist damals nicht für die Heiligen am Kreuz gestorben, sondern für die, die Gott ablehnen, die ihn nicht recht erkennen können, die ihn an dieses Kreuz gebracht haben. Es stimmt, wir haben die Entscheidung selbst in der Hand, dieses Gottesgeschenk anzunehmen, doch er hat es uns in die Hand gelegt! Das Kreuz ist also, neben der Symbolik, die es mit dem christlichen Glauben als Ganzes identifiziert, ein Zeichen vor allem für diejenigen, die das Kreuz ablehnen! Nur scheinbar ein Widerspruch!

    Dieses Zeichen des Christentums, aber eben auch dieses Zeichen der Liebe und der Barmherzigkeit, dieses Zeichen der Vergebung Gottes, egal wessen wir uns schuldig gemacht haben – dieses Zeichen begleitet mich persönlich durch den Tag, es hängen Kruzifixe in jedem Raum unseres Hauses, ein Kreuz steht auf meinem Schreibtisch im Büro, ein Kreuz hängt (in der Regel) in prägnanter Position der Kirchen, die ich besuche, ich mache ein „Kreuzzeichen“ zum Beginn und Ende meiner Gebete. Das Kreuz – als Symbol – prägt meinen Alltag und ist insofern tatsächlich ein Instrument der „Motivation“ oder besser, eines, das mir bewusst macht, wer Christus ist, was er für uns alle und mich konkret getan hat, an wen ich da glaube. Und so ein Zeichen der Liebe und Barmherzigkeit ist in einem Gerichtssaal eines Staates, in dem Staat und Religion zwar getrennt sind, der sich aber zu den christlichen Wurzeln (so dünn sie auch geworden sein mögen) bekennt, genau richtig aufgehoben!

    Ein deutsches Gericht ist aufgefordert, nach Rechtslage Recht zu sprechen. Dabei hat es sich an den in Deutschland geltenden Gesetzen zu orientieren, die zwar grundsätzlich auf einem christlichen Weltbild basieren, aber keine religiöse Gesetzgebung wie bspw. die Scharia im Islam repräsentiert. Insbesondere in Strafprozessen haben Richter in Deutschland aber einen Entscheidungsspielraum, der ihnen auch die Möglichkeit gibt, im besten Sinne „gnädig“ zu sein und von einem höheren Strafmaß anzusehen, wenn ihnen das angesichts der Tat, des Täters, der Opfer, der Umstände oder der Zukunftsaussichten richtig erscheint. Das Kreuz erinnert hoffentlich den einen oder anderen Richter daran, das letzte Urteile nur Gott zustehen und dass wir alle aufgefordert sind, barmherzig zu sein, auch die „Iudikative“ selbst. „Justizia ist blind“, so soll ein Bild dieses mythischen Symbols deutlich machen, doch unser Rechtswesen ist eben nicht blind für das, was auch in Gottes Augen recht ist und vielleicht mit Gesetzen nicht abgebildet werden kann.

    Letztere Erläuterungen sollten deutlich machen, das mit dem, was das Kreuz repräsentiert, auch ein Nicht- oder Andersgläubiger leben können sollte – so er sich denn an das dahinterstehende Welt- und Menschenbild gebunden fühlt. Wer das allerdings nicht tut, wer in einem Kreuz im Gerichtssaal nur ein Symbol der Verflechtung von Staat und Religion zu sehen vermag oder ein Zeichen der Missionierung durch einen nur scheinbar säkularen doch eigentlichen Gottesstaat, der macht sein eigenes Weltbild, entweder eines radikalen Säkularismus oder eines gegensätzlichen Religionsverständnisses, das er durchsetzen will, deutlich.

    So sind auch Forderungen türkischer Politiker und aktuell eines Nebenklägers im sogenannten „NSU-Prozess“ zu interpretieren, die die Entfernung des Kreuzes aus dem Gerichtssaal fordern. Bislang, so habe ich es jedenfalls der Presse entnommen, ist das Gericht, dem die entsprechende Entscheidung obliegt, dieser Forderung nicht nachgekommen, und – kein Wunder – dabei sollte es in meinen Augen auch bleiben. Das Kreuz in dem Gerichtssaal gilt – wie oben beschrieben – als Symbol der Liebe und Barmherzigkeit, wenn man so will als Korrektiv gegen eine positivistische Gesetzesanwendung. Insofern ist es ein Schutzsymbol sowohl für die Angeklagten wie auch für Opfer und Nebenkläger. Die Türkei verfolgt in ihrer Staatauffassung einen anderen Ansatz, den eines (scheinbar) radikalen Säkularismus bzw. Laizismus, der vielen auch hierzulande nachahmenswert erscheint. Vielleicht sollte man aber auch darüber nachdenken, dass die Bestrebungen der Türkei zu einem Beitritt zur EU mit schöner Regelmäßigkeit auch daran scheitern, dass die Menschenrechtssituation in diesem Staat noch immer … sagen wir mal „undurchsichtig“ ist. Und – so meine These – das nicht trotz sondern gerade wegen einer gewissen „Gottvergessenheit“ in Politik und Justiz (nicht bei den Bürgern dieses Landes).

    Ein Richter in Deutschland ist sich – ob gläubig oder nicht – hoffentlich seiner hohen Verantwortung bewusst, die sich nicht in der kalten Anwendung von Gesetzen erschöpft. Wem dieses Bewusstsein ausgetrieben wird, der entscheidet mechanistisch und hat das Maß der Menschlichkeit verlassen. Das zu verhindern, die Wurzeln von Recht und Rechtsprechung, die in Gerechtigkeit aber auch in Barmherzigkeit und Liebe liegen sollten, zu verdeutlichen, ist Aufgabe und Sinn von Kreuzen und Kruzifixen in deutschen Gerichten. Das hat nichts mit religiöser Rechtsprechung oder einer fehlenden Trennung von Staat und Religion zu tun, aber viel mit dem Selbstverständnis unserer Gesellschaftsordnung.

    „Das Kreuz gehört dahin, wo es hängt: in den Gerichtssaal.“ zitiert die BILD den Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der dafür allerlei Anfeindungen auszuhalten hat. Recht hat er!

    Nachtrag: einen Beitrag des Bloggers Josef Bordat, wesentlich differenzierter als meiner, empfehle ich hier gerne zur Lektüre (schon alleine deshalb, weil er meinen Kommentar ebenfalls verlinkt hat :) )

  • Rosenkranzbetrachtung: Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast

    Rosenkranzbetrachtungen

    Irgendwie scheint mir dieses Geheimnis des freudenreichen Rosenkranzes, das die Geschehnisse um den zwölfjährigen Jesus im Tempel in aller Kürze wiedergibt (Lukas 2, 41-52), passend zum gestrigen Muttertag:

    Jesus geht mit seinen Eltern in den Tempel und wird dort „vergessen“. Vergessen natürlich nur in dem Sinne, dass Maria und Josef der Annahme waren, dass er in der Gruppe der Pilger und den Verwandten sicher war. Offenbar war also die „Eigenständigkeit“ Jesu im Tempel für seine Eltern keine Besonderheit.

    Als er dann jedoch nicht auftaucht, beginnen sie ihn zu suchen – und waren in der Tat noch drei Tage auf der Suche nach ihm, bis sie ihn im Tempel fanden. Es hinterlässt einen heute ein wenig ratlos, wie der Ablauf wohl gewesen sein könnte, wo war Jesus über Nacht, wo hat er gegessen, wer hat ihn über die drei Tage aufgenommen? Kein Wunder also, wenn Maria, als sie ihren Sohn endlich findet, unter den Lehrern mit denen er diskutierte, ausruft:

    Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

    Das ist die Seele einer Mutter, die hier deutlich wird: Irgendwie gelingt es mir nicht, in diesem Satz von Maria einen Vorwurf herauszuhören (was dem Wortlaut nach durchaus möglich wäre); ich höre die Sorge, die Erleichterung, den Sohn wiedergefunden zu haben, ich höre den Wunsch heraus zu verstehen. Papst Benedikt XVI. erläuterte in seinem dritten Band des Jesusbuches, dass dieses Bleiben im Tempel ein Akt des Gehorsams gegenüber Jesu eigentlichen Vater bedeutet:

    Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?

    Beide, Maria wie auch Josef, wussten, wer ihr Sohn bzw. Ziehsohn wirklich war, dass er kein normaler Junge war, an den man die „normalen“ Erziehungsmethoden der damaligen Zeit hätte anwenden können. Mit ihm zu schimpfen oder schlimmeres: es kam Maria und Josef offenbar nicht in den Sinn. Und auch wenn er anschließend mit ihnen nach Hause zieht, es bleibt bei ihnen doch das Bewusstsein, dass Jesus anders war, als die anderen Kinder in der Nachbarschaft in Nazareth. Und Maria „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.“ Egal wie Jesus gezeugt wurde, sie bleibt seine Mutter: die Sorge um ihren Sohn, die Freude ihn wiederzufinden, sein Argument, in Haus seines Vaters sein zu müssen, das alles lässt sie nicht los. Sie ist bestimmt keine Analytikerin, und doch wird ihr bewusst geworden sein (wenn es nicht schon so war), dass auch die Zukunft Jesu anders aussehen würde als die eines normalen Sohnes eines Zimmermanns.

    Marias Leben wird anschließend nie mehr so gewesen sein, wie vorher. Und man darf annehmen, dass auch weiterhin die Sorge um ihren Sohn sie angetrieben hat. Eine Sorge, die eine Mutter niemals loslässt, selbst dann nicht, wenn der Sohn, das Kind, längst erwachsen geworden ist. Und so wie sie die Sorge um Jesus, bei allem Bewusstsein, wer er eigentlich ist, nicht losgelassen hat, so lässt sie auch die Sorge um uns, ihre Kinder nicht los. Sie wird nicht aufhören, uns zu suchen, wenn wir uns vom Vater entfernen, um uns zu ihm zurück zu führen. Sie wird nicht aufhören, sich um uns zu sorgen, wenn wir versuchen, unsere eigenen Wege zu gehen.

    Das macht sie zur Mutter, sie ist so, weil sie Mutter ist, und vielleicht ist das ein zusätzlicher Grund, warum Gott sich bei der Menschwerdung für die Geburt durch eine Frau, die Mutter, entschieden hat. Die Liebe und die daraus resultierende Kraft und Sorge einer Mutter sind so groß, dass man sie nur als „göttlich“ betrachten kann. Nein, Maria ist nicht Gott, Mütter sind nicht gottgleich, aber was sie tun repräsentiert Gottes mütterliche Liebe und Sorge um uns. Wenn Mann und Frau Abbilder Gottes sind, und dabei unterschiedliche Wesenseigenschaften Gottes wiedergeben, dann ist die Mutter sicher ein besonders eindringliches Abbild Gottes! Und so bietet der Blick auf das sorgenvolle Gesicht Marias auch einen „Blick in Gottes Gesicht“ – ihn treibt auch die Sorge um uns um, gespeist aus unendlicher Liebe, die für uns nur das Beste will, und was sollte besser sein für uns, als bei ihm zu sein; wie es für ein Kind keinen sichereren Ort gibt als die Arme der Mutter.

  • Bloggertreffen 2013 – kleiner persönlicher Rück- und Ausblick

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    Da haben wir uns also eingefunden, mehr als 20 katholische Blogger aus ganz Deutschland sind am vergangenen Wochenende nach Bonn gekommen, um sich auszutauschen, sich persönlich kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und auch um Kontakt mit dem, was in Deutschland so „Amtskirche“ genannt wird, aufzunehmen, zu vertiefen und gegenseitig Verständnis zu entwickeln. Ich sag es gleich, ich war nur einen Tag dabei, den Vorabend der Veranstaltung mit Kennenlernrunde und Themensammlung und den Abschluss am Samstagabend und den Sonntagvormittag musste ich familiär bedingt schwänzen … und trotzdem war es beeindruckend!

    Über die Inhalte will ich in diesem Blog gar nicht viel schreiben, ist es doch für die meisten Leser (da ich hoffe, dass sie sich nicht nur aus wohlwollenden Mitbloggern rekrutieren) eher langweilig und dürfte an eine Nabelschau erinnern. Dennoch: deutlich wurden für mich die unterschiedlichen Ansätze des Bloggens, von der theologischen Betrachtung, über die Problematisierung von kirchenpolitischen Themen bis hin zum Instrument der Evangelisierung (womit sich dieser Blog wohl im Mittelfeld wiederfinden dürfte, hoffentlich nicht „stuck in the middle“). Vom Ablauf her stand zunächst der Austausch mit den „Kollegen“ von katholisch.de im Mittelpunkt – an dieser Stelle vielen Dank auch an den Organisator des Treffens, Norbert Kebekus, der bei der zwischendrin durchaus in Aussicht stehenden Eskalation die Nerven bewahrt hat und auch sonst einen tollen Job gemacht hat – was sich nicht immer einfach gestaltete. Um mal zu frotzeln: dass der Geschäftsführer von katholisch.de, Dr. David Hober, sich zum Austausch bereit gefunden hat, ist ihm hoch anzurechnen, dass er seine Einführung mit dem Hinweis, sich bislang nicht mit anderen Bloggern beschäftigt zu haben begann um sich anschließend zu beklagen, dass einige Blogger die Inhalte von katholisch.de nicht kannten, war allerdings der Gesprächsstimmung weniger zuträglich. Beide Seiten schafften es dann aber, doch noch auf Augenhöhe die Positionen auszutauschen, und zumindest für mich ist die Problematik für die Contentgestaltung für eine Seite wie katholisch.de noch mal deutlich geworden. Es sind eben keine freien Blogger, die mal schnell schreiben können, was sie wollen und die bei Fehlern schnell eine Korrektur hinterher schieben können, einigermaßen konsequenzenfrei, sondern es ist DAS Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland.

    Seine beiden Kollegen, Stefan Zimmermann und Christoph Meurer, zeigten sich in ihrer Vorstellung des Portals denn auch aufgeschlossen für die Probleme, die die Blogoezese-Blogger in Teilen mit den auf katholisch.de vermittelten Inhalten haben, als auch für eine mögliche, punktuelle Zusammenarbeit. Wie so oft: Miteinander reden hilft mehr als übereinander reden und ich bin guter Dinge, dass man sich bei gutem Willen gegenseitig befruchten kann und aus einer Zusammenarbeit einiges fruchtbares hervorgehen kann.

    Ein Highlight waren sicher die Kurzimpulse der und die sich anschließende offene Diskussion mit den beiden eingeladenen Referenten, Andreas Püttmann, Journalist und Publizist, und Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. In erfrischend offenen Worten und Diskussionen konnten sich Blogger wie ich, die ab und an mit der Kritik an der „offiziellen Kirche“ nicht sparen, austauschen und – auch dies ist wiederum nur ein persönliches Zeugnis – ein Bild von der Komplexität der Aufgabenstellung beispielsweise des Pressesprechers der DBK machen, dessen Sisyphosarbeit darin besteht, ein einheitliches Bild aller Bistümer in Deutschland zu geben. Gegenseitiges Verständnis – das ist vielleicht als Fazit zu ziehen – war Ziel und Ergebnis des Treffens, und so bin ich nach nur einem Tag Teilnahme guter Dinge abends wieder nach Hause gefahren.

    Die anschließende, von Journalist und Blogger Peter Winnenmöller vorgestellte, Rück- und Vorausschau auf Projekte wie den gemeinsamen Ja-des-Glaubens-Blog, die Netzvisualisierung #blognetz und das integrierende Internetprojekt reclaim rundeten das Bild für mich genau so ab wie auch die spirituellen Inhalte wie Heilige Messe und Vespergebet.

    Hat die Teilnahme an dem Treffen denn nun Konsequenzen für diesen Blog? Nun, um ehrlich zu sein: Ich weiß es noch nicht! Möglicherweise ist es notwendig, die Zielsetzung dieses Blogs, die analog zu katholisch.de eher in einer Erklärung katholischer Themen liegt denn in der Auseinandersetzung mit kirchenpolitischen Themen, noch ein wenig mehr zu schärfen. Nicht jeder Beitrag muss evangelisierend sein, kritische Themen wie Weltbild, mediales Auftreten unserer Bischöfe und unklare Positionierungen unserer „offiziellen Kirche“ in Fragen der kirchlichen Lehre werde ich auch zukünftig nicht auslassen, und auch – quasi als Hobby – politische Themen, die meinen Blutdruck hochtreiben, werden ihren Platz weiter in diesem Blog finden. Aber die Grundtendenz sollte eben doch sein, den Lesern die Schönheit des katholischen Glaubens näherzubringen. Und bezüglich dieser kritischen Themen habe ich in den Stunden in Bonn ein bisschen was gelernt hinsichtlich der Schussgeschwindigkeit, die ich dabei an den Tag legen sollte; getreu dem alten Bundeswehrmotto: „Erst eine Nacht drüber schlafen, dann beschweren“. Immerhin kamen sich alle Beteiligten des Treffens mit Neugierde entgegen, der eine kritischer der andere wohlwollender, aber alle erkennbar in dem Bemühen, für unsere Kirche, und diesmal meine ich den mystischen Leib Christi, einen Dienst zu leisten, was gemeinsam sicher besser geht als gegeneinander.

  • Mütter - die Seelen der Familien

    Muttergottes

    Natürlich, es ist Muttertag, und der eine oder andere wird es vielleicht für ein bisschen pathetisch halten, gerade heute einen Beitrag über Mütter zu schreiben. Ich habe ja auch schon an vielen verschiedenen Stellen meine Bewunderung für die Leistungen von Müttern zum Ausdruck gebracht (und meine Verwunderung über die mangelnde gesellschaftliche und politische Anerkennung dieser Rolle). Daher will ich es hier auch in aller Kürze bewenden lassen. Bei allem, was uns Männer auszeichnet, ist eines ganz sicher nicht von der Hand zu weisen: wir könnten all das nicht tun, wenn wir nicht von den Müttern unserer Kinder den Rücken frei gehalten bekämen. Und wir hätten all das nie geleistet, wenn nicht unsere eigenen Mütter viel ihres eigenen Lebens aufgegeben hätten.

    Es ist heute nicht der Tag um über Rollenmodelle zu streiten, es ist der Tag, denjenigen Menschen auf der Welt zu danken, die uns neun Monate getragen haben, uns unter Schmerzen geboren haben, die uns gestillt und gefüttert und gewickelt und getröstet haben, die uns bei unseren ersten Schritten begleitet haben, die uns aufgeholfen haben, wenn diese Schritte gescheitert sind, die uns nahe waren auch in Zeiten, in denen wir uns von ihnen – bewusst oder unbewusst – abgewandt haben, die unser ganzes Leben mit einem liebevollen Blick begleiten und denen es dabei für ihre Liebe ganz egal ist, ob wir erfolgreich sind oder nicht; die auch dann noch um uns bangen, wenn wir lange schon erwachsen sind und auf eigenen Füßen stehen – und uns wieder aufnehmen, wenn uns das nicht gelingen sollte.

    Und es ist der Tag, denjenigen Menschen zu danken, die uns unsere gemeinsamen Kinder geschenkt haben, die sie ausgetragen, geboren haben, die diesen Kindern näher sind, als wir Väter das oft fertig bringen. Die jeden Tag alles leisten, um unseren Kindern und uns ein Heim zu schaffen, in das wir gerne zurück kommen, die sich nebenbei auch noch um uns Männer kümmern, wenn wir mal wieder Trost brauchen oder krank (und wir Männer können richtig krank sein, selbst wenn es nur ein Schnupfen ist) sind; die das Herz unserer Familien darstellen, ohne die es keine Familien wären, selbst wenn wir Männer uns noch so bemühen würden.

    Ein Priester hat mal von seinem Verdacht berichtet, dass hinter dem barmherzigen Vater aus Jesu Gleichnis eigentlich ein Mutterherz steht, dass das Herz des Vaters in die richtige Richtung gesteuert hat – sicher eine Erweiterung des Gleichnisses, die wir der Bibel nicht entnehmen können, aber ist das so abwegig?

    Danken wir also als Männer nicht nur heute sondern an jedem Tag unseren Müttern und den Müttern unserer Kinder für ihr wunderbares Werk und danken wir Gott, dass er uns so unterschiedlich geschaffen hat, Männer und Frauen als sein Abbild, aber die Frauen vor allem als das Abbild seines Herzens und seiner Schönheit! Ich danke jedenfalls meiner Frau heute besonders und hoffe, dass ich das auch an den anderen 364 Tagen des Jahres nicht vergesse!

  • Libertarismus und katholischer Glauben – Versuch einer Annäherung

    Ich hatte, das ist schon eine Weile her, mal einen recht umfangreichen Artikel zur Frage des Zusammenspiels von katholischem Glauben und Libertarismus geschrieben. Kernthese, der ich bis heute nachfolge ist, dass in einer Gesellschaft wie der, die wir vor uns haben, der Libertarismus nur funktionieren wird unter der Maßgabe des katholischen Glaubens. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen:

    Wenn ein bislang ausufernder Sozialstaat, der die Leistungsträger der Gesellschaft bis an deren Belastungsgrenze und darüber hinaus schröpft, sich dem Libertarismus zuwendet und seine eigenen Aktivitäten auf ein Minimum der Sicherung der inneren und äußeren Sicherheit beschränkt, dann läuft man dabei in der Tat in die Gefahr in einen „Raubtierkapitalismus“ zu münden, in dem jeder sich selbst der Nächste und das Leiden oder der (wirtschaftliche, psychische oder physische) Untergang eines anderen Menschen nurmehr ein „Kollateralschaden“ der Wirtschaftsordnung ist. Unser Staat (und das gilt für die meisten westlichen Staaten) hat Solidarität und Mitgefühl, Hilfeleistungen und Unterstützung von in Not geratenen, in einer Art und Weise institutionalisiert und verstaatlicht, dass Eigenverantwortung in weiten Teilen unterdrückt wird: Wenn der Staat doch durch meine Steuern für jeden sorgt, wieso sollte ich mich dann um ihn sorgen? Dieses System ist also nicht einfach umzukehren ohne dass man befürchten muss, dass diese Mentalität auch dann weiter greift, wenn diese Institutionalisierung nicht mehr gegeben ist.

    Der libertäre Staat zwingt – systemimmanent – niemanden zur Solidarität, die damit zu einer Frage des aus Solidarität erwarteten Vorteils, oder der selbst wahrgenommenen gesellschaftlichen Verantwortung wird. Letztere speist sich aus dem Menschenbild des Einzelnen und es ist hoffentlich richtig anzunehmen, dass ein gläubiger Katholik hier einen recht hohen Anspruch an sich selbst hat. Christlicher Glauben wird dann zu einem Träger einer libertären Gesellschaftsordnung, die aber ansonsten zwangsfrei bleibt.

    Zu Ende gedacht führt der Libertarismus aber zu weiteren Konsequenzen hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Staat und Religion. Hierzu möchte ich Ludwig von Mises (1881 – 1973) zitieren, von vielen als Vater der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und des Libertarismus betrachtet:

    Die Neigung unserer Zeitgenossen, obrigkeitliche Verbote zu fordern, sobald ihnen etwas nicht gefällt, und die Bereitwilligkeit, sich solchen Verboten selbst dann zu unterwerfen, wenn sie mit ihrem Inhalt durchaus nicht einverstanden sind, zeigt, dass der Knechtsinn ihnen noch tief in den Knochen steckt. Es wird langer Jahre der Selbsterziehung bedürfen, bis aus dem Untertan der Bürger geworden sein wird. Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.

    Der Text stammt – das mag erstaunen vor dem Hintergrund, was wir in den vergangenen Jahren an staatlichen Gängelungen über uns ergehen lassen mussten – aus einem 1927 veröffentlichten Buch von Mises (Libertarismus) und zeigt deutlich auf, wohin die Reise mit dem Libertarismus gehen wird – und stellt unsere, bzw. meine Vorstellungen von einem guten Staat, der die Religion, die christlichen Grundlagen des Abendlandes in seine Entscheidungen einbezieht, in Frage.

    Nehmen wir auch dazu ein Beispiel: die Regulierung der Ladenöffnungszeiten. Nach christlichen Vorstellungen sollten Menschen am Tag des Herrn, am Sonntag, keiner Arbeit nachgehen. Ausnahmen davon gelten für den Bereich der Seelsorge für Kranke etc. aber gemeinhin ist auch gemeint, dass an dem Tag kein Handel betrieben werden sollte. Diese Vorstellung hat ihren Niederschlag in der Gesetzgebung zu Ladenöffnungszeiten erhalten in denen geregelt ist, dass Geschäfte am Sonntag nur in Ausnahmefällen geöffnet werden dürfen. Diese Regulierung ist von einem libertären Standpunkt nicht vertretbar: Niemand sollte gezwungen sein, am Sonntag sein Geschäft zu öffnen, niemandem sollte aber auch verboten werden, dies zu tun.

    Unter den Bedingungen des Libertarismus wird ein katholischer Ladenbesitzer aufgrund seiner religiösen Überzeugungen sein Geschäft geschlossen halten, sein Nachbar und Konkurrent sein Geschäft dagegen öffnen dürfen. Die Nachteile, die der katholische Geschäftsmann dafür in Kauf nimmt, „rentieren“ sich für ihn über sein Seelenheil. Ein katholischer Konsument wird nun alleine deshalb nicht am Sonntag einkaufen gehen, um nicht (gläubige oder nichtgläubige) Geschäftsleute zum Verstoß gegen das Gebot der Würdigung des Sonntags zu verleiten. Nichtglaubende Konsumenten hätten dagegen weiterhin die Möglichkeit, bei nichtglaubenden Geschäftsleuten einzukaufen. Der nichtglaubende Geschäftsmann wird entsprechend seine Entscheidung, das Geschäft am Sonntag zu öffnen oder nicht, treffen nach seiner Erwartung, ob er trotz ausbleibender (gläubiger) Kundschaft an dem Tag ausreichend Gewinn erwirtschaften kann.

    Problematisch wird dies spätestens dann, wenn Angestellte ins Spiel kommen: in einem libertären Markt kann niemand gezwungen werden, am Sonntag zu arbeiten, es kann aber auch niemand gezwungen werden, jemanden, der am Sonntag nicht arbeiten will, einzustellen oder zu behalten. Wer also am Sonntag aus religiösen (oder auch anderen) Gründen nicht arbeiten will, der muss einen Arbeitgeber finden, der sich damit einverstanden erklärt, das so im Arbeitsvertrag zu vereinbaren. Je nach Markt- und Mehrheitsverhältnissen kann das einerseits dazu führen, dass ein Arbeitgeber, der dabei ansonsten keine Hemmungen hätte, sonntags trotzdem auf die Produktion oder Geschäftsöffnung verzichtet oder entsprechende Arbeitnehmer mit einem Lohnaufschlag für Sonntagsarbeit belohnt (wenn dies immer noch ertragreich erscheint). Andererseits kann es auch sein, dass der entsprechende Arbeitnehmer keinen adäquaten Arbeitgeber mehr findet, der auf seine religiöse Einstellung Rücksicht nimmt: der Preis, das Seelenheil, steht hier in direkter Konkurrenz zur Notwendigkeit des Arbeitsplatzes.

    Wie gesagt, vor all dem „beschützt“, mehr oder weniger gerecht und mehr oder weniger erfolgreich, derzeit der Staat mit seiner Gesetzgebung. Diese entwickelte sich aber eben nicht aus ökonomischen oder christlichen Erwägungen sondern als Ergebnis von Lobbyarbeit. Eine „christliche Lobby“ war in der Vergangenheit erfolgreich, eigene Moralvorstellungen auch in Gesetzesform gießen zu lassen. Mit abnehmender Bedeutung des Glaubens muss nun konstatiert werden, dass die entsprechenden Regelungen von vielen nur noch als Relikte aus alten Zeiten betrachtet werden. Mit Zuzug anderer Kulturen, die zudem an Einfluss gewinnen, wird dieser Konflikt noch verstärkt: der Moslem wird aus seiner Sicht fragen, wieso er am Freitag arbeiten muss, der Jude wird den Samstag in Frage stellen. Geht man bei den religiösen Interessen davon aus, dass es sich dabei nicht nur um Fragen des Geschmacks sondern der Reinheit der eigenen Glaubenslehre handelt, kann der Staat darauf eigentlich nur mit einer vollständigen Liberalisierung oder einem unüberschaubaren Wust an Regulierungen reagieren, die jedem Recht verschaffen soll, der seine Stimme laut genug zu erheben versteht: Lobbyarbeit eben.

    Eine Lösung dieses Spannungsfeldes zwischen katholischem Glauben und Libertarismus lässt sich insofern nur finden in einem gemeinsam eingegangenen, ungeschriebenen Konsens, der so aussehen könnte, dass sich Arbeitgeber, die gerne sonntags produzieren oder verkaufen lassen wollen, sich hierfür Arbeitnehmern bedienen, die dazu bereit sind, gleichzeitig aber auf die religiöse Einstellung christlicher Mitarbeiter Rücksicht nehmen und deren Einsatz an Sonn- und Feiertagen zu vermeiden suchen. Solche eine Lösung im Sinne der Mitarbeitermotivation und des Betriebsklimas oder auch eines für den Arbeitgeber sinnvollen sozialen Friedens zu suchen, ist dann unternehmerische Aufgabe, der sich aber nicht jeder Unternehmer stellen muss sondern dies nur aus Gründen der Einsichtigkeit tut. Damit wäre ich wieder bei der Grundaussage, dass Libertarismus und christlicher Glaube – zumindest ein christliches Menschenbild, dass religiöse Gefühle anderer Menschen ernst nimmt und bereit ist, sie in die eigenen Betrachtungen einzubeziehen, auch wenn man dazu nicht gesetzlich gezwungen wird – sich gegenseitig bedingen können.

    Beides allerdings scheint für den Moment illusionär: unser Land und die westliche Welt ist von einem wirklich christlichen Gesellschafts- und Menschenbild mindestens ebenso weit entfernt wie von einer libertären Gesellschaftsordnung. Mein Plädoyer geht daher dahin, sich mit beiden Gedankenmodellen auseinanderzusetzen: ein System staatlicher Gängelung entspricht einem christlichen Weltbild nämlich in keinem Fall! Der Christ ist bereit, einer Staatsordnung im gewissen Rahmen zu folgen (dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört), ein System der unsolidarischen zwangsweisen Enteignung und Umverteilung versucht aber nur, eine christliche Gesellschaft zu ersetzen, sie überflüssig zu machen und stärkt sie nicht. Der Libertäre ist also aufgefordert zu prüfen, ob der christliche Glaube, oder zumindest die Akzeptanz christlicher Moralvorstellungen, nicht der Sache des Libertarismus in komplementärer Weise dient. Und der gläubige Katholik ist aufgefordert zu prüfen, ob der Libertarismus, betrachtet durch die Brille des Glaubens, nicht viel mehr einer christlichen und freien Gesellschaftsordnung entspricht als ein pseudosolidarischer Sozialstaat mit seinen Zwangsmitteln. Für letzteren bedeutet dies aber auch, Abschied zu nehmen von einer staatlich verordneten Protektion – die aber, so meine ich, ohnehin nur noch auf dem Papier besteht und keinen Bestand für die Zukunft verspricht. Oder, um noch mal von Mises zu wiederholen:

    Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.

    Und nachdem diese Forderung natürlich nicht nur die Ökonomie sondern auch andere Fragen des Zusammenlebens betrifft, namentlich solche der christlichen Morallehre, über die ich hier noch gar nicht geschrieben habe, müssen wir uns, muss ich mir die Frage stellen: Können wir das? Wollen wir das?

    Wie im Titel angedeutet: dieser Beitrag ist ein Versuch einer Annäherung, er wirft für den einen oder anderen vielleicht mehr Fragen auf als er beantwortet, versteht sich auch nicht als Manifest in dem Sinne, dass ich mir selbst schon vollkommen klar wäre und es mag für manche auch Gründe geben, den vertretenen Thesen (ökonomischen wie religiösen) zu widersprechen. Ich hoffe trotzdem, damit ein ganz klein wenig eine Diskussion bereichern zu können, auch wenn ich nicht auf alle Fragen eine befriedigende Antwort geben kann. Christliche Demut scheint mir an dieser Stelle angemessen.

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