szmmctag

  • Aber mein Gemüsehändler …

    Wer die Nachrichten aus überwiegend islamischen Ländern und Themen, die damit zusammenhängen, in den vergangenen Tagen verfolgt, der kann nur erschrecken angesichts fast apokalyptischer Bilder : Christen und Nichtgläubige werden gekreuzigt, es wird zur Genitalverstümmelung von Frauen aufgerufen, Kirchen werden niedergebrannt, Hilfsorganisationen an ihrer Arbeit gehindert, eine islamische Terrororganisation verschanzt sich hinter Zivilisten, unter ihnen nicht wenige Kinder und krakeelt über einen Staat, der sich gegen Raketenbeschuss auf seine Zivilbevölkerung wehrt. In Deutschland und anderen europäischen Ländern wird von Islamisten gegen Juden und Israelis gehetzt, zum Genozid aufgefordert und der Holocaust geleugnet, und angeblich honorige Journalisten haben nichts Besseres zu tun, als den Vorwurf zu erheben, diese Angriffe hätten die Israelis doch selbst provoziert, während der Genozid und die Vertreibung von Christen im Irak oder dem Sudan gar nicht erst thematisiert werden.

    So einfach kann man sich die Welt machen, wenn man mal eben schnell vergisst, dass man gestern noch als Antifaschist gelten wollte und sich gegen die Unterdrückung von Minderheiten im eigenen Land stark gemacht hat.

    Was auffällt, ist ein wesentlicher Baustein dieser auftretenden Gewaltexzesse: Es sind Islamisten, die den Terror und die Gewalt anführen, andere Religionen, als wesentliche zweite Weltreligion die Christen, in den Teilen der Welt wo dies relevant ist auch Juden oder Mitglieder anderer Religionen sind die Opfer. Die Terroristen beziehen sich dabei auf islamische Lehren, auf den Koran oder sonstige Schriften und es ist müßig zu analysieren, ob es sich dabei um Verdrehungen oder schriftgemäße Wiedergaben handelt – es ist diese Religion, die die „Bullys“ der modernen Menscheit stellt. Das auszusprechen wird in seiner Pauschalität natürlich nicht allen Gläubigen des Islam gerecht – wenn ich bislang auch vergeblich auf ein hartes verurteilendes Wort von Islamverbänden gegen die Vorgänge im Irak oder die antisemitischen Ausfälle in anderen Ländern der Welt vermisse.

    Es gab Christen, und es gibt sie im Einzelfall immer noch, die die Mission „mit dem Schwert“ als probates Mittel ansehen, nur gibt es keine auch nur annähernd gesellschaftlich relevante Gruppe von Christen, die so etwas in die Tat umsetzt – ihnen würde der Rückhalt der Christenheit fehlen und jedem Christen ist instinktiv klar, dass jenseits von Rachegelüsten wenn man von Kreuzigungen und Folter an Christen hört, Gewalt kein Mittel der Wahl eines Christen sein kann. Darum blühen dort, wo Christen die Mehrheit und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen setzen Frieden und auch Wirtschaft (und bevor jetzt Einzelfälle kommen – Ausnahmen bestätigen die Regel). Umgekehrt bomben sich Islamisten in aller Herren Länder gegenseitig in die Steinzeit zurück, aus der sie von ihrem „Mindeset“ her offenbar entsprungen sind.

    Ist das ein typischer Artikel eines Islamhassers? Ich erinnere mich an die Worte von George W. Bush, der nach den Anschlägen vom 11. September davor gewarnt hat, die Terroristen und die Anhänger des Islam, einer nach seinen Worten „ehrenwerten Religion“ in einen Topf zu werfen. Das sehe ich auch heute so und möchte mich schließlich auch nicht verantwortlich machen lassen für Taten von sogenannten Christen, die sich doch auf die Seite der Gewalt geschlagen haben und zur Begründung aus dem Zusammenhang gerissene Zitate des Alten Testaments verwenden.

    Und darum: Der muslimische Gemüsehändler um die Ecke, der libanesische Bäcker, der arabische Koch – das alles sind keine terroristischen Schläfer, keine Menschen, die nur darauf warten, den Krummsäbel zu ziehen, es sind Menschen, die in Deutschland eine Kultur vorgefunden – und in großen Teilen mitgeprägt – haben, die ihnen die Freiheit, gesellschaftlich wie wirtschaftlich, bot, die sie gesucht haben. Wenn der frühere Bundespräsident Wulff gesagt hat, dass der Islam zu Deutschland gehört, dann kann man das auch so interpretieren (wie er es gemeint hat, will ich dabei gar nicht diskutieren), dass die Zuwanderer insbesondere der Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg, natürlich unsere Gesellschaft mitgeprägt haben.

    Aber, und auch das muss man dabei berücksichtigen: Viele haben – trotz ihres islamischen Glaubens – eine christliche Kultur mitgeprägt. Wenn sich Deutschland heute im Großen und Ganzen als tolerantes Land bezeichnen kann, dann nicht zuletzt auch deswegen, weil Toleranz über Jahrzehnte eingeübt wurde. Ich glaube nicht, dass der „Naturzustand“ eines Menschen der des Fremdenhasses ist, aber Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen und Religionen ist eben auch nicht in unser Stammhirn gelegt. Und die islamischen Migranten der Vergangenheit haben sich – ohne ihre Traditionen und religiösen Rituale aufzugeben – in eine christliche Kultur eingefügt. Ich sehe schon den Hinweis, dass Integration doch zwei Seiten haben müsse, die des Migranten aber auch die der bestehenden Bevölkerung. Im Hinblick auf den obigen Zusammenhang möchte ich dem aber widersprechen: Integration erfolgt durch denjenigen, der in ein Land einwandert, dessen Einwohner diese Integration durch Toleranz unterstützen. Das sind zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe.

    Wenn also heute die Kritik am international auftretenden Islamismus mit dem Hinweis auf den friedliebenden Gemüsehändler um die Ecke entkräftet werden soll, dann wird auch hier auf verschiedenen Ebenen diskutiert: Denjenigen, die befehlen, in islamischen Ländern Schaufensterpuppen zu verhüllen und Genitalverstümmelungen an Frauen vorzunehmen, wäre auch der Gemüsehändler in meiner Straße ein Dorn im Auge – nicht zuletzt bekämpfen sich in den kritischen Regionen auch unterschiedliche Ausrichtungen des Islam bis auf’s Blut. Nicht der muslimische Nachbar, nicht mal die Moschee, die um die Ecke gebaut wird, stellen eine Gefahr für unsere Gesellschaft dar – wohl aber der internationale Islamismus, der sich die Islamisierung der Welt mit den Mitteln der Gewalt auf die Fahnen geschrieben hat. Einen scharfen Blick lohnt es deshalb auf die zu werfen, die sich dazwischen positionieren: Diejenigen, die angesichts des islamischen Terrors schweigen oder auf die Verantwortung der anderen für islamistische Greueltaten verweisen.

  • Papsttreuer Podspot – der Podcast des PAPSTTREUENBLOGs

    Podspot

    Liebe Freunde des PAPSTTREUENBLOGs, kürzlich habe ich ja darüber informiert, dass ich mein Engagement beim Internetradio KingFM, bei dem ich seit Februar mit der wöchentlichen Sendung „Die Stunde des Herrn“ vertreten war, einstellen musste. Vorbereitung und Aufnahme von Interviews und Sendung waren mir über den Kopf gewachsen – und der Sender muss sich ja auf meine „Lieferung“ verlassen können, auch wenn ich die Sendung ehrenamtlich betreibe.

    Umgekehrt möchte ich den Freunden des Blogs nicht die Möglichkeit nehmen, sich auch über andere Medien über Beiträge aus dem katholischen Glaubensleben, zu informieren. Aus diesem Grund habe ich eine andere Möglichkeit geschaffen, den PAPSTTREUENBLOG auch hörend zu genießen: den Papsttreuen Podspot, den Podcast des PAPSTTREUENBLOGs!

    In Zukunft findet Ihr unter der Adresse http://papsttreuer.podspot.de/ in unregelmäßigen Abständen Audiobeiträge des Blogs. Natürlich werde ich Veröffentlichungen jeweils auch hier im Blog ankündigen, sodass Abonnenten des Blogs kein Podcastbeitrag entgehen wird. Gleichzeitig lässt sich der Podcast auch über den Link http://papsttreuer.podspot.de/rss über jeden podcatcher wie iTunes o.a. direkt abonnieren (die Hinterlegung im iTunes-Store ist ebenfalls beantragt, kann aber noch ein paar Tage dauern).

    Inhaltlich habe ich geplant, gelungene und/oder beliebte Blogbeiträge aufzuzeichnen, aber auch Interviews mit interessanten Gesprächspartnern zum Glaubensleben, besonders natürlich dem katholischen, zu veröffentlichen.

    In Zukunft kann man also den PAPSTREUENBLOG nicht nur lesen, sondern auch in Situationen, in denen man zwar keine Augen aber Ohren frei hat, wie beim Autofahren, beim Sport oder wo auch immer, einfach hören. Und der Vorteil des Podcasts: Reinhören geht, wann immer man will und so oft man will, unabhängig von Sendezeiten!

    Der erste Podcastbeitrag ist auch schon online, mit einem etwas älteren Beitrag, den ich 2012 unter dem Titel „Priester – eine männliche Betrachtung“ veröffentlicht hatte. Reinhören lohnt also schon!

    Ich hoffe Euch und Ihnen gefällt‘s – Themenwünsche nehme ich natürlich gerne entgegen! In diesem Sinne: Wir hören uns - im Papsttreuen Podspot, dem Podcast des PAPSTTREUENBLOGs!

  • Sportbeten?

    Das heutige Tagesevangelium (Johannes 15, 1-8) gehört sicher zu den Klassikern – gern gelesen, und, was mich angeht, darum auch gerne überlesen. Jaja, ohne Jesus können wir nichts tun, ich weiß schon. Darum bin ich ja katholisch, gehe mindestens sonntags in die Kirche, bete täglich – da bleibt man doch in Jesus, bleibt eine Rebe am Weinstock Gottes:

    Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

    Soweit so klar, und scheinbar einfach. Aber warum stolpere ich dann doch immer wieder?

    Warum bin ich ungerecht zu meinen Kindern, wenn sie abends zu aufgedreht sind zum Schlafen und ich meine Ruhe haben will? Warum bin ich nicht aufmerksam gegenüber den Bedürfnissen meiner Frau sondern kümmere mich oft nur um meinen eigenen Kram? Warum vernachlässige ich Eltern, Familie und Freunde um die Dinge zu tun, die ich möglicherweise lieber mache? Warum bin ich oft nicht in der Lage, meinen Glauben so zu vertreten, dass er auch für andere anziehend erscheint? Warum führe ich so oft ein Leben, das sich nicht als gutes Beispiel für ein gelungenes Leben im Angesicht Gottes eignet? Wieso fällt mir noch bei jeder Beichte etwas ein, was ich vor den Herrn tragen möchte, bei dem ich vor Gott (und vor anderen) schuldig geworden bin?

    Ich bete darum, jeden Morgen, dass ich ein besserer Vater, ein besserer Ehemann, ein besserer Sohn, ein besserer Freund, Christ … ein besserer Mensch vor Gott werde. Ab und an gelingt es, ab und an habe ich das Gefühl, das war ein gelungener Tag. Aber immer wieder, viel zu oft, tappe ich doch wieder in die Fallen, die das Leben so stellt und frage mich, warum das so ist, warum es – trotz Gebet, trotz Messe, trotz Sakramenten – wie die Amerikaner sagen – „so damn‘ hard“ ist.

    Sind das dann, wie manche vielleicht meinen, nur Schuldkomplexe – pathologische Schuldgefühle, von denen gerade dem Glauben fernstehende Menschen behaupten, die Kirche belade die Menschen mit ihnen – ein Instrument eher zum Machterhalt, nicht zum Erreichen eines besseren Lebens? Ich bestehle niemanden, töte erst recht niemanden, gehe nicht fremd, schlage meine Kinder nicht, rufe regelmäßig meine Eltern an – ist doch schon alles okay! Ist doch schon mehr, als viele anderen tun – mehr kann doch auch Gott nicht verlangen.

    Wenn ich manchen Menschen von meinem Gebetsleben berichte, halten viele das für „beeindruckend“ (manche sicher auch für völlig bescheuert), dabei ist es in meinen Augen und auch in den Augen vieler gläubiger Menschen, die ich kenne, nichts besonderes. Aber dieses „Lob“ von außen beinhaltet auch eine Gefahr: Das Gebetsleben wandelt sich zum Gebetspensum, zu einer Art Leistungsstreben – irgendwo habe ich mal den Begriff „Sportbeten“ gehört. Diese Einschätzung ist natürlich keine Aufforderung, weniger zu beten – es ist eine Aufforderung an mich selbst, mein Gebetsleben zu überprüfen. Ist mein Gebetsleben eine Kontaktpflege zu Gott, mit dem ich wie mit einem guten Freund, reden will, um zu wissen, wie er mich sieht und zu lernen, wie ich ihn sehen kann? Will ich Jesus besser kennenlernen um ihn zu sehen, wie er ist? Oder reiße ich meine Gebete ab, weil ich es muss oder weil ich denke, ich sei es irgendjemandem – mir selbst? – schuldig?

    Doch dann schaue ich in das gütige Gesicht Jesu und weiß: Mit ihm zusammen kann ich noch wesentlich mehr! Wer weiß, wie mein Leben wäre, wenn ich nicht betete, wenn ich nicht versuchte, Rebe am Weinstock zu sein, in Jesus zu bleiben, damit er in mir bleibt? Und wer weiß, wie gut mein Leben sein könnte, wenn ich diese Bindung noch intensivieren würde? Wenn ich vor eine kritischen Situation Kontakt aufnähme mit Jesus, anstatt zu glauben, es schon alleine zu können?

    „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. […]Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ – Ich glaube an diesen Satz, ich vertraue darauf, dass Jesus ihn genau so gemeint hat, wie er hier steht. Aber wie macht man das, in Jesus bleiben? Mehr beten – oder anders beten? Wohl eher letzteres, dann kommt ersteres vermutlich von alleine!

  • In eigener Sache: "Die Stunde des Herrn" auf KingFM

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    Heute habe ich eine weniger schöne Nachricht in eigener Sache: Leider musste ich mein Engagement in der Sendung "Die Stunde des Herrn" beim Internetsender KingFM einstellen.

    Zwar hat mir die Sendung viel Spaß gemacht, der Zeitbedarf für die Vorbereitung und Aufnahme der Sendung, auch hinsichtlich der Interviews, die ich für mich persönlich besonders spannend und interessant fand, wächst mir angesichts von Familie und Beruf allerdings über den Kopf, sodass ich die Reißleine ziehen musste.

    Dem Intendanten von KingFM, Dennis King, dem CEO Tom Kolbe und meinem lieben Freund und KingFM-Moderator Klaus Kelle danke ich aber für die Chance, dieses auf einem nicht ausgewiesen christlichen Sender sicher einmalige Format mit mir seit Februar getestet zu haben. Ich hoffe, es wird für diese Sendung noch einen Ersatz geben!

    Empfehlen möchte ich den Sender aber weiterhin allen Lesern dieses Blogs! Vor allem die politischen Inhalte aus Klaus Kelles Talkradio-Sendung "Kelle - Die schwarze Stunde" und dem "KingFM-Radiofrühstück" kann ich nur jedem ans Herz legen.

    Also, auch ohne "Die Stunde des Herrn" bleibt mein Votum für den Sender: Einschalten lohnt!

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  • Wende? – Und wenn ja wohin?

    Am vergangenen Freitag hat die deutsche Bischofskonferenz die aktuelle Kirchenstatistik für das Jahr 2013 veröffentlicht. Man kann die dort vorgelegten Zahlen besorgniserregend oder alarmierend oder katastrophal bewerten – alles nur Nuancen, zufriedenstellend können die Ergebnisse jedenfalls für niemanden sein. Daher zitiere ich einfach mal nur einen Ausschnitt aus der Pressemeldung der DBK:

    Mit 24.170.754 Kirchenmitgliedern machen die Katholiken 29,9 Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus (2012: 30,3 Prozent). Aufgrund struktureller Veränderungen in den Bistümern hat sich die Zahl der Pfarreien von 11.222 auf 11.085 verringert. Insgesamt haben die Sakramentenspendungen der katholischen Kirche wie auch in den vergangenen Jahren leicht abgenommen. 2013 gab es 164.664 Taufen (2012: 167.505) und 43.728 Trauungen (2012: 47.161). Die Zahl der Eintritte in die katholische Kirche liegt bei 3.062, die Zahl der Wiederaufnahmen bei 6.980 Personen.

    Kritisch ist die Zahl der Kirchenaustritte, die nach einem mehrjährigen rückläufigen Trend in 2013 auf 178.805 angestiegen ist (2012: 118.335). Der Gottesdienstbesuch ist mit 10,8 Prozent auch in 2013 rückläufig gewesen. Die Gesamtzahl der Priester in Deutschland hat sich um 146 Priester auf 14.490 Priester verringert. Die Zahl der Pastoralreferenten und -assistenten hat leicht auf 3.140 (2012: 3.119) zugenommen, die Zahl der Gemeindereferenten sank leicht auf 4.470 (2012: 4.479).

    Ob nun langsam oder schnell: Rein quantitativ geht es bergab! Wenn man nun als Katholik der Ansicht ist, dass es „außerhalb der katholischen Kirche kein Heil“ gibt (wenn man das vielleicht auch nicht so wörtlich nehmen kann), die Sakramente wesentliche Meilensteine auf dem Weg dieses Heils darstellen, in denen uns Gott mit den Gnaden „versorgt“, die wir für dieses Heil benötigen und der Messbesuch am Sonntag uns für die Woche stärkt und unser stärkster Kontaktpunkt mit Jesus ist, dann kann uns die Entwicklung nicht kalt lassen. „Reisende Leute soll man nicht aufhalten“, so sagen einige, „eine wahre Kirche der Wenigen ist besser als eine verwaschene Kirche der Vielen“ sagen andere – aber das kann doch nicht ernsthaft unsere Sicht auf ein Phänomen sein, wenn wir beobachten, dass Menschen in Scharen vor dem fliehen, was wir als das einzige Heil empfinden!

    Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, schreibt dazu u.a.:

    Die aktuellen Zahlen sind schmerzlich und alle in der Kirche müssen das ernst nehmen für ihr Handeln. Das zweite Halbjahr 2013 hat offensichtlich zu einem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust geführt. Der hohen Austrittszahl müssen wir begegnen, indem wir immer wieder versuchen, auf allen Ebenen Vertrauen zu schaffen durch gute und überzeugende Arbeit. Das gilt natürlich besonders auch für uns als Bischöfe und Priester. […]

    Aber nicht alle Ausgetretenen verlieren damit jeden Kontakt zur Kirche. Viele wollen – auf ihre eigene Art – Christen bleiben. Wir müssen das Gespräch mit ihnen suchen und deutlich machen, dass die Gemeinschaft des Glaubens für uns Christen eine wichtige Hilfe und Bereicherung ist. Die Offenheit für das Evangelium und die Suche nach Transzendenz sind ja da.

    In den Sätzen steckt viel Wahres drin, allerdings auch einiges, was zumindest deutungsfähig ist: So ist der Hinweis auf den „Vertrauensverlust“ des 2. Halbjahres 2013 ein eher ungeschminkter Hinweis auf die Vorfälle um den ehemaligen Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Nun kommt man sicher nicht umhin festzustellen, dass die Vorfälle und die Berichterstattung vielfach Auslöser für Kirchenaustritte gewesen sein werden, weshalb auch der Schluss möglich erscheint, dass mit einem Austritt nicht unbedingt eine Abwendung von den Glaubensinhalten gemeint ist.

    Andererseits erscheint es mir schon problematisch, wenn man nun mit dem Finger auf einen einzelnen Bischof zeigt, der für diese Zahlen verantwortlich sein soll. Denn was noch schwerer wiegt: Wer von der katholischen Kirche als mystischem Leib Christ, dessen Glieder wir alle sind, überzeugt ist, der tritt doch nicht aus der Kirche aus, nur weil einer der Hirten keine saubere Weste zu haben scheint! Hat man diesen Gedanken erst mal verinnerlicht, dann ist die Situation nur umso dramatischer: Von den weniger werdenden Katholiken nutzt ein geringer werdender Anteil die Sakramente (wobei bspw. von der Beichte in dem Bericht gar nicht die Rede ist) und besucht ein geringer werdender Anteil die sonntägliche Messe. Wer an die Wirkung der Sakramente glaubt, der muss davon ausgehen, dass es einen großen Anteil von Mitgliedern der katholischen Kirche gibt, die nicht an das glauben, was die Kirche verkündet und für die ein Austritt dann nur einen finalen Schritt darstellt, vielleicht auch „um den Laden nicht auch noch mit Kirchensteuern zu finanzieren“.

    „Die Offenheit für das Evangelium und die Suche nach Transzendenz sind ja da.“ Schreibt Kardinal Marx – aber ist das wirklich so? Für die Suche nach Transparenz würde ich das aus meiner persönlichen Erfahrung bejahen, aber der erste Teil des Satzes kann wohl nur in einem spirituellen Sinne gemeint sein, dass die Menschen unbewusst offen für das Evangelium sind, explizit aber eher den transzendenten Kick suchen, den sie in der Kirche nicht finden. Wenn das so ist, dann muss man konstatieren, dass eine große Menge von Menschen der katholischen Kirche eher wutentbrannt den Rücken zukehrt – und auf der Suche nach Transzendenz und dem Göttlichen sind. Und wer meint, den Kontakt zu halten oder wieder zu intensivieren, würde bei einem relevanten Anteil der Betroffenen auf Gegenliebe stoßen, kann das nur mit einer gehörigen Portion Naivität tun.

    Was also tun? Kardinal Marx spricht von der Notwendigkeit „immer wieder [zu] versuchen, auf allen Ebenen Vertrauen zu schaffen durch gute und überzeugende Arbeit. Das gilt natürlich besonders auch für uns als Bischöfe und Priester.“ und zieht das Fazit:

    Ich bin nicht entmutigt, sondern sehe die Statistik auch als hilfreichen Weckruf: Die Zahlen rütteln noch einmal auf, danach zu fragen, wie wir uns jetzt und künftig neu aufstellen müssen, damit das Evangelium weiterhin gehört und gelebt werden kann. Gerade deshalb bin ich den vielen haupt- und ehrenamtlich in der Kirche Engagierten dankbar, die zum vielfältigen Leben in unseren Gemeinden und Verbänden beitragen.

    Sagen wir es ganz offen: Der Streit daraus ist vorprogrammiert! Die Kirche, oder die äußere Wahrnehmung der Kirche, muss sich ändern, um die Menschen nicht an eine hedonistische Kultur zu verlieren, die ihnen weltliches Glück verspricht und kein Heil spenden kann. Aber in welche Richtung muss das gehen? Man sieht die Themen schon wieder fröhliche Urständ feiern: Frauenpriestertum, Zölibat, Sexuallehre, wiederverheiratete Geschiedene … die altbekannten Themen angereichert um die generelle Frage der Verbindlichkeit von Kirchenlehre und Dogmen, der Liturgie und der Sakramentenspendung. Muss das alles nicht raus, um anziehender für die Menschen zu werden?

    Oder ist es nicht so, dass das, was in der katholischen Kirche am meisten fehlt, genau die Orientierung ist, die sie seit zwei Jahrtausenden ausmacht, und die man zugunsten einer Dialogkultur und einer falsch verstandenen Öffnung zur Welt nach dem zweiten Vatikanischen Konzil in Teilen geschliffen hat? Niemand kann einen Menschen heute mehr zwingen, einer Kirchen anzugehören, und das ist in der Tat, wie auch Kardinal Marx schreibt, gut so. Aber die Menschen wollen doch wissen, worauf sie sich einlassen. Wer heute auf die Frage nach den bekannten Reizthemen aber auch nach anderen Fragen des Glaubenslebens von Kirchenvertretern unterschiedliche Antworten erhält, vielfach mit der Absicht gegeben, die Menschen nicht zu überfordern, der darf sich nicht darüber wundern, wenn keine tiefe innere Verbindung zum Katholischsein entsteht. Wenn schon die Hirten es selbst nicht so genau nehmen …

    Und dass man bei alledem nicht vergessen darf, dass es hier nicht um Marketing sondern um die Suche nach der Wahrheit geht, macht die Lösungsfindung ebenfalls nicht einfacher. „Die Wahrheit billiger machen“ ist für einen Katholiken keine Option und sollte es für einen Bischof oder Priester noch viel weniger sein. Aber die Art der Verkündigung, die Erfüllung des Zwecks der Kirche, der Evangelisierung, zu verändern, das ist wohl eine Notwendigkeit, die von jedem besorgten Katholiken gesehen wird. Vielleicht sind die letzten Besetzungen der Bischofsstühle von Passau, Regensburg und zuletzt Köln auch Fingerzeige des Papstes, wie er die Entwicklungen in Deutschland interpretiert – das ließe mich für die von mir favorisierte Lösung der Klarheit bei gleichzeitiger Offenheit für Gespräche mit jedem, der das Gespräch sucht, hoffen.

  • Freitag 23:55 Uhr - Wochenende!

    Wochenende

    Der Sommer kehrt zurück, und wer sich etwas zu lesen besorgen mag, der wird wieder in der Linkliste unter diesem Beitrag fündig. Dazu kann ich noch weitere Literatur empfehlen, die ich selbst bereits rezensiert habe. In dieser Woche war es Hans-Dieter Mutschlers „Halbierte Wirklichkeit“, es haben sich in der Zwischenzeit auch weitere Rezensionen gesammelt, die man über das folgende Symbol in der rechten Navigationsleiste findet

    Rezensionen

    So, und wer jetzt keine ganzen Bücher lesen noch möchte, für den habe ich die dieswöchige, etwas schmaler geratene, Linkrutsche mit Leseempfehlungen!

    Katholisches

    Ein Gebet der Heiligen Theresa von Avila, das wie ich finde gerade heute gut in die Welt passt, habe ich bei Betet und Wachet! gefunden:
    Wenn du traurig bist

    Wie man ein verfassungsgeschütztes Institut in Fundamentalismus umdeutet, ist auf TheoBlog nachzulesen:
    Gefährlicher Familienfundamentalismus

    Invenimus Messiam schreibt über den Priester als Beruf und Berufung:
    Der Priester: berufen

    Wo wir bei Berufungen sind: von einem interessanten Berufungsweg und die Reaktionen darauf berichtet Josef Bordat:
    Irritierende Berufung

    Ich habe bewusst hier nichts über das sogenannte Gaucho-Gate geschrieben, aber dieser Beitrag von Peter Winnemöller scheint mir lesenswert:
    Fachleute für Gesundheit feiern ihren Titel

    Ansonsten nur noch der Beitrag von Alipius Müllers Alter Ego Schwester Robusta zur Weltmeisterschaft:
    Schwester Robusta

    Dass David Berger, bekennender homosexueller und früherer Priester, Kardinal Woelki nicht mag, hatte ich schon gelesen, warum das so ist analysiert der Kreuzknappe:
    Homosexueller Dr. David Berger wirft Kardinal Woelki "billigen Himbeergeschmack" vor...

    Libertäres

    Darüber, wie eine liberale/libertäre Gesellschaft aussehen könnte und welche Aussichten auf Umsetzung bestehen, schreibt der liberale Atheist arprin:
    Eine neue Generation?

    Einen eigenen Lesetipp zur Einführung in vier große Vertreter des Libertarismus findet man auf Freitum:
    Vier Stimmen, ein Konzert

    Llarian in Zettels Raum geht die Hutschnur über den NSA-Skandal hoch:
    Haltet den Hehler! Vom BND, der CIA und Muttis Empörung.

    Umverteiler finden immer Argumente, wenn es auch keine guten sind - dazu Andreas Tögel auf dem Blog des Ludwig von Mises Institut Deutschland:
    Wasser auf die Mühlen der Umverteiler: „Studie“ der EZB zur Vermögensverteilung

    Und wer meint, er sei abseits von Gesetzen wirklich frei, dem empfehle ich die Lektüre dieses Beitrags von Julian Mintert auf NovoArgumente
    Paternalismus: Wissenschaftlich gelenkte Individuen

    Zu mehr bin ich in dieser Woche leider nicht durchgedrungen, aber ich hoffe, die Auswahl ist trotzdem interessant geraten. Allen Lesern des Blogs wünsche ich in jedem Fall jetzt erstmal ein schönes und entspanntes Wochenende und einen gesegneten Sonntag!

    Der Papsttreue

  • Imagine

    Da hat der frühere (nebenbei sozialistische) spanische Ministerpräsident Zapatero eine ganz tolle Idee gehabt. Wie wäre es denn, wenn sich alle einfach lieb hätten, man sich gegenseitig tolerieren und akzeptieren würde und jeder einfach eingestünde, dass die „Wahrheit“ des anderen genau so wahr sein kann wie meine? Imagine … Natürlich hat er seine Aufforderung an die Religionen zur Schaffung einer „globalen religiösen Autorität“ ein bisschen politischer verpackt, aber am Ende ist es das was er meint, wenn sagt, dass die einzige Wahrheit „die Freiheit, der Respekt gegenüber allen Konfessionen“ sei.

    Nun kann man über solche Weltethos-Anwandlungen eines abgehalfterten spanischen Regierungschefs, an denen sich ein bekannter Schweizer Theologe schon seit Jahrzehnten verschluckt, einfach hinweggehen; die dahinterstehende Überzeugung ist aber eine, die weit verbreitet ist. Zufälligerweise bin ich kürzlich mit einem Kollegen hierüber ins Gespräch gekommen, über das Thema „Glauben und Wahrheit“. Ein Gespräch beim Frühstück ist in aller Regel keine tiefe philosophische Betrachtung, aber meine Überzeugung, dass es eine Wahrheit gibt, und dass wir – jeder Mensch – in der Lage sind, sie zu erkennen, Gott uns auf diese Wahrheit aufmerksam macht, ist alles andere als eine konsensfähige Einschätzung.

    Und dabei geht es nicht um einen Relativismus, der einfach alles anerkennt um jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen, und letztlich in Beliebigkeit stecken bleibt, kein einfaches „Du bist okay, ich bin okay“. Denn die Einschätzung, die man ja haben kann, die sich im Vorschlag Zapateros und auch in der Diskussion mit meinem Kollegen niederschlägt lautet: Es gibt eine Wahrheit, aber ob man sie erkennen kann, bleibt ungewiss – und damit ist auch ungewiss, ob die von mir als solche anerkannte Wahrheit wirklich die Wahrheit ist.

    Wenn ich also als Katholik – um keines der gängigen Beispiele sondern ein theologisch-essentielles zu nehmen – von der realen Präsenz Jesu in der Eucharistie überzeugt bin, dann glaube ich, dass das die Wahrheit ist, kann aber nicht ernsthaft von einem Protestanten, einem Moslem oder Juden, erst Recht nicht von einem Atheisten verlangen, dass er diese Wahrheit anzuerkennen habe. Ich muss deshalb meinen Glauben nicht aufgeben: Ich weiß, bin – wie ich gerne formuliere – glaubend gewiss, dass dieses Stück Brot auf dem Altar Jesus selbst ist. Aber ich muss auch anerkennen, dass jemand anderes weiß, dass er es nicht ist!

    Wollen wir mal zu seinen Gunsten annehmen, dass es Herrn Zapatero tatsächlich um den Frieden geht, dann sind seine Gedankengänge so abwegig nicht (wenn ich auch seine daraus abgeleitete Forderung nicht teile). Konflikte zwischen Religionen, wenn es denn welche sind und die Religion nicht nur instrumentalisiert wird oder man einen Konflikt den Religionen anhängen will, entstehen aus diesem unterschiedlichen Verständnis von Wahrheit. Ich kann als Christ die Vorstellungen anderer Religionen für völlig abwegig halten, für einen Anhänger dieser Religion ist es aber die Wahrheit – von der auch er überzeugt ist, dass es sie gibt, und dass er sie erkannt hat, während ich in seinen Augen zu den Ahnungslosen gehöre, die missioniert werden müssen. Und er und ich werden verständnislos vor einem Atheisten stehen, der tatsächlich behauptet, dass es diesen Gott, mit dem ich heute morgen noch gesprochen habe, nicht gibt, und der Atheist sieht uns verständnislos über eine Wahrheit in der Welt streiten, den er bestenfalls in das Reich der Esoterik verbannen wird.

    Und da es da eben nicht um Geschmacksfragen geht sondern um essentielle Gewissheiten, um die Frage nach dem eigenen Schicksal und dem Schicksal der Welt, besteht die Gefahr, dass derartige Unterschiede in Aggressionen umschlagen, egal ob die eigene Religion derartige Aggressionen eher hemmt oder schürt. Man sehe sich nur Kommentarspalten unter religiöse oder weltanschauliche Beiträge in Online-Magazinen an, in denen man sich beharkt und sich gegenseitig im Besten Fall der Unwissenheit, eher aber der Dummheit oder Schlimmeres bezichtigt. Auf globaler Ebene explodieren bei so etwas Bomben (für die die Religionen sich untereinander und die Atheisten den Gläubigen die Verantwortung zuschieben wollen).

    Was bleibt also von der Frage nach der Wahrheit, wenn man die Welt nicht in bewaffneten Konflikten sehen will? Für mich drei Folgerungen: Es gibt die Wahrheit, sie kann erkannt werden und die Feststellung, dass der Andere genau so der Überzeugung ist, dass er die Wahrheit erkannt hat und sein Handeln darum darauf ausrichtet, wie ich das auch tue.

    Unbenommen braucht es dazu auch unscharfer Grenzziehungen, eben dann, wenn eine Religion ein Verhalten fördert oder gar fordert, dass objektiv nicht gut sein kann. Wie ich letztens bei einem Libertären gelesen habe: „Wenn du denkst, es wäre in Ordnung, jemanden gewalttätig anzugreifen, weil er andere Überzeugungen hat als du oder er einen anderen Gott anbetet (oder keinen Gott), dann bist du ein unzivilisierter Idiot“ (Larken Rose). Als Christ wird man sich trotz der drastischen Wortwahl darauf einigen können, und es kann eine Einladung an alle Religionen sein, sich daran zu orientieren. Wenn das das Ergebnis sein sollte, kann aus dem Vorschlag Zapateros doch noch etwas Gutes werden!

  • Irrational

    Die Ukraine ist seit gestern wieder ein bisschen näher an uns heran gerückt – mit dem Abschuss einer Passagiermaschine und nach Presseangaben 298 zivilen Toten holt uns dieser Krieg, mit dem wir so gerne nichts zu tun hätten, ein. Wie hieß es noch: „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin – dann kommt der Krieg zu Dir“.

    Und schon schießen Theorien ins Kraut, denen ich allesamt misstraue. Cui bono heißt nun die Frage: Wer hat etwas davon? Die sogenannten prorussischen Separatisten, die sich in den meisten Fällen eher aufführen wie Terroristen? Deren Ruf hangelt im Rest der Welt sowieso an der Kellerdecke, also wieso sollten sie so einen feigen Akt verantworten wollen? Die ukrainische Armee selbst, die sich doch gerade bemüht, die Unterstützung durch den Westen zu sichern, wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, eine Maschine mit überwiegend Holländern, auch einigen Deutschen abzuschießen. Die Russen selbst? Nicht, dass man Putin nicht auch völlige Irrationalität zutrauen würde, aber dieser Testballon, wie weit er gehen kann, ginge doch selbst für jemanden wie ihn zu weit.

    Bliebe die Frage, ob es eine der Parteien gewesen sein könnte, um es der anderen in die Schuhe zu schieben? Wer die westliche Welt zu einer Unterstützung der prowestlichen Regierung der Ukraine bewegen möchte, der hat ein Interesse daran, die Separatisten als menschenverachtende Bande von Terroristen dastehen zu lassen. Und gleiches gilt wohl auch umgekehrt … da sich niemand zu diesem Terrorakt bekennen will und es also darum gehen wird, einen Schuldigen zu suchen, ist es Blütezeit für Verschwörungstheorien aller Art und von allen Seiten! Und die Variante, dass es sich tatsächlich um ein „Versehen“ gehandelt haben könnte, für das nun – aus ebenso verständlichen Gründen – keine Seite die Verantwortung übernehmen will (angeblich hat ein Separatistenführer der Region sich mit dem Abschuss eines Flugzeugs gebrüstet, nach der Meldung des Abschusses einer Passagiermaschine diese „Erfolgsmeldung“ aber wieder zurück gezogen) ist auch noch nicht vom Tisch.

    Ich gebe zu, ich würde eher dieser letzten These zuneigen: Der Abschuss einer zivilen Passagiermaschine eines an diesem Konflikt völlig unbeteiligten Landes erscheint als zu irrational, als das man sich vorstellen will, dass es eine der Konfliktparteien gewesen sein könnte, auch wenn man denen einiges zutraut. Damit wäre ich aber auch wieder bei meinem Eingangssatz, dass sich in einer vernetzten Welt niemand einem regionalen Konflikt wird entziehen können, auf die eine oder andere Art holt er einen ein, und sei es durch einen tragischen Fehler eines Militärstrategen.

    Bei aller Irrationalität geht dann eines unter: Es gibt fast dreihundert sehr reale Todesfälle! Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Schwestern, Brüder, Freunde – über die, auch ein Zeichen der Irrationalität eines Krieges, im Moment niemand spricht. Es weinen in aller Welt Menschen um ihre Angehörigen und Freunde, von denen sie sich für einen Urlaub oder eine Dienstreise verabschiedet haben, und die aus dem Leben gerissen wurden. Der Anstand würde es, sollte es sich bei dem Abschuss tatsächlich um ein „Versehen“ gehandelt haben, gebieten, sich zu diesem Fehler zu bekennen, um Vergebung zu bitten und Wiedergutmachung zumindest zu versuchen. Anstand ist aber leider genau das, was in einem Krieg zumindest unter den Verantwortlichen als erstes abhanden zu kommen scheint.

    Der Anstand gebietet es dann umgekehrt dem Rest der Welt, für die Opfer zu beten, auch für deren trauernde Angehörige und Freunde. Sie jetzt wenigstens geistlich zu unterstützen ist Auftrag für jeden Christen! Manche meinen ja, Gebet sei irrational – in Momenten wie diesen sieht man deutlich, welch ein Leuchtturm der Rationalität ein Gebet in einem Ausbruch der Irrationalität sein kann: Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten!

  • Schwere aber lohnende Kost: Hans-Dieter Mutschlers „Halbierte Wirklichkeit“

    Rezensionen

    Als ich die Mail des Verlags Butzon & Bercker erhielt, in der ich um die Rezension des Buches „Halbierte Wirklichkeit“ von Professor Hans-Dieter Mutschler, Lehrstuhls für Naturphilosophie an der philosophisch-pädagogischen Hochschule Ignatianum in Krakau, gebeten wurde, war mir nicht ganz klar, auf was ich mich einlassen würde. Das Thema an sich ist – oder sollte es sein – für jeden interessant, der sich mit Fragen des Glaubens, insbesondere des christlichen Glaubens, beschäftigt. Der Untertitel „Warum der Materialismus die Welt nicht erklärt“ hat mich ebenfalls neugierig gemacht. Als Christ und als solcher, der eigene Schriften verbreitet, wird man ja nicht selten mit den Thesen von Atheisten konfrontiert, die in polemischer Form unsere Religion als „Geisterglauben“ abtun und im Brustton der Überzeugung verbreiten, es gebe nicht nur keinen christlichen Gott, sondern die ganze Thematik sei nicht mehr als Esoterik.

    Damit ist auch schon in wenigen Worten umrissen, was das eigentlich ist, Materialismus. Etwas vereinfacht ausgedrückt behauptet der Materialist, außerhalb dieser Sphäre des Materiellen existiere nichts, mithin nichts Geistliches, was nicht materiell erklärbar wäre, und damit auch kein Gott. Obschon diese These aus weltlicher Sicht fast einleuchtend erscheint, beinhaltet sie doch Implikationen, die gerne übersehen werden, wie das sogenannte Supervenienzprinzip, nach dem alles, was ist und jede Funktion oder Eigenschaft dessen, was ist, sich in den jeweiligen Bestandteilen wiederfinden muss. Umgekehrt bedeutet das, dass aus Materie nichts grundsätzlich Neues entstehen kann, was nicht im Potenzial dieser Materie schon angelegt wäre. Materialistische Philosophen ringen darum mit dem Vorkommen von Emergenz, also doch offenbar Neuem in der Welt.

    Mit diesen und weiteren Implikationen beschäftigt sich Mutschler in seinem Buch, allerdings – und das sei zur Warnung gesagt – in einem möglicherweise nicht zwingend wissenschaftlichen aber auch keinem trivialen Buch. Die Argumentation ist stringent, sie beinhaltet keine Schnörkel, was sie aber auch nicht eben leicht zu lesen macht. Mutschler ist sowohl naturwissenschaftlich als auch theologisch qualifiziert, was die Funktion als Bettkantenlektüre ausschließt. Dennoch war die Lektüre für mich bei aller Komplexität hilfreich, führt sie einen glaubenden Menschen doch auch in die Logik des Materialismus und dessen Schwächen ein. Kurz gesagt erklärt der Materialismus eben nicht die Welt, es ist nur ein Teil, eben die „halbierte Wirklichkeit“, die damit beschreibbar ist.

    Damit geht es aber in dem Buch auch nicht in erster Linie um eine christliche Apologetik, es ist nicht die Absicht des Buches, den christlichen Glauben, die Existenz Gottes zu beweisen, sondern aufzuzeigen, warum eine materialistische Weltsicht jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann.

    Dankenswerterweise erläutert Mutschler in seinem Werk aber auch, dass ein – wie er es nennt – geistlicher Monismus, ebenfalls ungeeignet ist, die Welt grundsätzlich zu erklären. Letztlich befinden sich Geistliches und Materielles auf unterschiedlichen Ebenen, und sind so für sich alleine genommen beide nicht in der Lage, die Welt zu erklären. Überhaupt ist die Frage des „Erklärens“ eine der Grundlagen des Buches: Was kann die Welt erklären, welche Erklärungen sind naheliegend, welche eher konstruiert oder fast unendlich unwahrscheinlich. Auch ein Materialist kommt nicht umhin, bei seiner Erklärung der Welt eine „Geschichte“ zu erzählen, die plausibel erscheint, sei es hinsichtlich des Urknalls oder der Evolution. Immer ist eine Geschichte notwendig, bei der sich angesichts der Tatsache der Unbelegbarkeit die Frage stellt, ob sie realistisch, nachvollziehbar, einigermaßen naheliegend ist, oder nicht.

    Mutschler weist damit – wie schon geschrieben – nicht die Richtigkeit des Gottesglaubens nach, belegt aber, dass die Geschichte, die der Materialismus erzählt, nicht nachvollziehbarer, wahrscheinlicher oder weniger komplex ist als die des Glaubens. Dem Materialismus, den Mangel wird er aber in keinem Fall los, fehlt aber in jedem Fall die Sinnkomponente. Die unlösbare Theodizeefrage, wie ein allguter Gott mit dem Leid in der Welt und mit Hass und Ungerechtigkeit vereinbar ist, wird für den glaubenden Menschen eben doch beantwortet, während der Materialist auf der Sinnlosigkeit der Welt beharrt. Das alles führt Mutschler zu dem, was er eine „narrative Theologie der Natur“ nennt und die er im letzten Kapitel als Alternative zum materialistischen und ideellen Monismus ausbreitet. Vor diesem Hintergrund zitiere ich - vielleicht ein kleiner „Spoiler“ - die letzten Sätze des Buches, die den Inhalt in guten Worten wiedergeben, und hoffentlich Lust auf die Herleitung machen:

    Wer diese Gedanken [Anm.: der fehlenden Erlösung] erträgt, ohne depressiv, abgestumpft oder zynisch zu werden oder ohne den Sachverhalt einfach nur zu verdrängen, der möge das tun. Er soll aber nicht meinen, dass er das Problem, dass durch die Theodizeefrage aufgeworfen wird, zum Nulltarif wieder los wird. Wir haben also die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Die Wahl des Glaubens scheint unter diesen Umständen aber nicht die schlechteste, so wie die gläubige rélecture der Evolution sich angesichts der Alterantiven, die uns angeboten werden, durchaus sehen lassen kann.

    Mein Fazit aus all dem: „Halbierte Wirklichkeit“ ist kein Buch, dass man nebenbei lesen könnte (ich selbst habe mich seit Februar diesen Jahres langsam durchgearbeitet), es fordert den Intellekt, philosophische und auch naturwissenschaftliche Grundkenntnisse sind nicht zwingend, erleichtern aber vermutlich das intuitive Verständnis. Der Nutzen des Buches liegt aber in genau jener Beschäftigung mit einem Thema, das man als gläubiger Mensch aus dieser Richtung (ausgehend nicht vom Glauben sondern vom Materialismus) selten betrachtet und die damit neue Erkenntnisse über den eigenen Glauben wie auch über die Welt vermittelt. Eine unbedingte Leseempfehlung – und für einen geschulten Theologen oder Philosophen sicher auch noch ein größeres Lesevergnügen als für einen interessierten Laien, der sich viele der Inhalte hart erarbeiten muss.

    Hans-Dieter Mutschlers „Halbierte Wirklichkeit – Warum der Materialismus die Welt nicht erklärt“ ist im Januar 2014 im Verlag Butzon & Bercker erschienen und zwischenzeitlich auch als kindle Edition bei Amazon verfügbar:

    Halbierte Wirklichkeit

  • Gender Mainstreaming

    DoNotFeedTheTroll

    Wissen Sie was ein Troll ist? Ich rede dabei nicht von einer Sagengestalt, ich spreche von einem Begriff aus der Online-, Foren- und Bloggerwelt. Dabei bezeichnet man als einen Troll eine Person, die „die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten. In darauf bezogenen Bildern wird oft der aus der Mythologie bekannte Troll dargestellt.“ (siehe Wikipedia)

    Als Blogger hat man ab und an mit derartigen Zeitgenossen zu tun, und die einzige Hilfe, die sich einem bietet ist eine alte Forenweisheit: „Don’t feed the troll! – Fütter nicht den Troll!“, was bedeuten soll, dass Widerspruch oder Kritik an seiner Ausdrucksart den Troll nur noch anheizt. Ihm unsachliche Argumentation nachzuweisen, spornt einen Troll nur noch an, weiter zu machen, der Versuch der sachlichen Auseinandersetzung mit seinen Thesen wird in aller Regel nur ignoriert. Seine Beiträge einfach links liegen zu lassen führt am ehesten dazu, dass es dem Troll langweilig wird. In einem moderierten Kommentarbereich wie in diesem Blog werden offensichtliche Trollbeiträge schlicht gelöscht – irgendwann wird es auch ein Troll leid, Dinge zu schreiben, die außer ihm und dem Blog- oder Forenmoderator niemand liest.

    Derartige Handlungsweisen lassen sich nun auch in der realen Welt beobachten. Natürlich muss ein solcher Gesellschaftstroll dort ein bisschen anders agieren, da seine Identität offen liegt, sich ihm kein Schutzmantel der Anonymität wie im Internet bietet. Wenn im realen Leben also ein Troll auftritt, dann in der Form, dass er provokante Thesen aufstellt, von denen er fordert, dass sich andere damit beschäftigen. Dabei kann er auf zwei Reaktionen hoffen: Einmal, recht trivial, dass seiner These Recht gegeben wird. Aus einer solchen Situation der Stärke kann der Troll dann weitere Aussagen oder Forderungen tätigen, die – vermeintlich oder wirklich – auf der ersten These aufbauen, und die aufgrund dessen in seinen Augen ebenfalls keinen Widerspruch dulden. Das Spiel kann er so lange treiben, bis irgendwann die zweite Reaktion eintritt: Ihm wird widersprochen.

    In diesem Fall gibt es zwei – auch kombinierbare – Arten, wie der Gesellschaftstroll mit der Reaktion umgeht: Er behauptet seine These einfach weiter und/oder unterfüttert sie mit weiteren Thesen, die mit seiner Aussage nur in bedingten Zusammenhang stehen oder gleich ganz aus der Luft gegriffen sind. Auf diese Art und Weise verbreitert der Troll den Diskussionsrahmen (beliebt sind Ausweichwissenschaften wie Physik, Biologie oder auch Geschichte, neben allem was nach Gesellschaftswissenschaften riecht) so weit, dass vielen die Diskussion verunmöglicht wird, womit er wiederum den Eindruck besonderer eigener Kompetenz vermittelt, die sich den anderen, Unwissenden, eben nicht erschließt.

    Besonders erfolgreich agiert der Troll dann, wenn diese stützenden Thesen auch noch eine moralische Konnotation haben, was dazu führt, dass ein Widerspruch zu seiner These einem Widerspruch gegen diesen moralischen Grundsatz gleicht (das ist er nicht faktisch, da der Zusammenhang entweder gar nicht besteht oder die moralische Wertung selbst bereits konstruiert ist, das fällt aber zu dem Zeitpunkt schon fast gar nicht mehr auf). Auf diese Art und Weise kann es ein solcher Gesellschaftstroll nicht nur schaffen, im Gespräch zu bleiben, mit ausreichend langem Atem gelingt es ihm womöglich auch, die unsinnigsten Thesen ohne jeden rational begründbaren Hintergrund zu etablieren und – das ist dann aber schon die Profiliga – Widersprüche als moralisch verwerflich und/oder gesellschaftlich hinterwäldlerisch zu brandmarken.

    Spätestens wenn es erst mal soweit ist, dass Widerspruch gegen den verbreiteten Unsinn gesellschaftlich nicht mehr toleriert wird, springen natürlich auch andere auf diesen Zug auf, bei denen durchaus oft fraglich erscheint, ob sie im engen Sinne noch Trolle sind, also um die Unsinnigkeit ihrer Aussagen wissen, oder quasi Verführte, die zwischenzeitlich von der Richtigkeit der völlig abwegigen Ideen überzeugt wurden. Denen ist das aber auch insofern egal, als sie sich damit selbst den Nimbus der Fortschrittlichkeit erwerben können und – nicht selten – aus der etablierten These auch wirtschaftlichen Nutzen ziehen, sei es durch das Verfassen von Büchern oder zum Beispiel durch das Erlangen staatlicher Mittel zur weiteren Erforschung dieses neu gegründeten „Fachgebietes“.

    Selbst die unsinnigste These wird damit dann etabliert, sie erhält das Prädikat der Wissenschaftlichkeit, des gesellschaftlichen Fortschritts – kurz, sie wird zur Wahrheit umdefiniert, ohne dass diejenigen, die den „nackten Kaiser“ als solchen erkennen, noch in der Lage wären, hieran zumindest kurzfristig etwas zu ändern. Es bleibt natürlich Unsinn, und die Unsinnigkeit und der sich daraus entwickelnde Schaden werden früher oder später offenbar werden. Bis dahin bleiben denen, die nicht darauf reinfallen, nur wenige Optionen: Widerspruch fruchtet nicht und ist (siehe oben) eher kontraproduktiv, Ignorieren widerspricht meist dem eigenen Gewissen. Was man aber tun kann ist, den Mechanismus des gesellschafts-trollens an sich transparent zu machen (wozu dieser Beitrag dienen soll), und vor allem – was die Protagonisten des Unsinns in den Wahnsinn treibt: Sich über die Gesellschaftstrolle lustig machen (was hiermit hoffentlich auch ein wenig gelungen ist)!

    Und jetzt darf sich jeder die Frage selbst beantworten, warum ich diesen Beitrag mit Gender Mainstreaming überschrieben habe …

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